Predigtreihe Weisheit 4

17. Februar 2013

 

Sonntag Invokavit

 

Predigtreihe

„Lebensweisheit aus der Bibel:

Vitamin-C-Spritze für den Alltag“

Predigt 4 – „Freundschaften und Familien stärken – Säulen eines stabilen und gesunden Lebens“

Sprüche 31, 10-12

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

  1. 1.    Gefährliche Korrosionsschäden an Familien

Liebe Gemeinde,

wenn wir auf unser Leben zurückblicken und uns fragen: welche Menschen haben meinen Lebensweg am meisten beeinflusst und dazu beigetragen, dass ich der Mensch geworden bin, der ich heute bin, dann würden sicherlich die meisten von uns antworten: der Löwenanteil entfällt auf meine Familie. Niemandem haben wir so viel zu verdanken, niemand kennt uns so intensiv, kein Mensch ist uns so wichtig. Die Familie, also der Partner, die Eltern, die Kinder, die Enkel sind die Menschen, die im Zentrum unseres Lebens stehen. Ich erinnere mich mit der größten Dankbarkeit und Freude an mein Elternhaus und die Jahre an der Seite von Frau und Kindern, es ist das größte Geschenk meines Lebens, in einer solchen Familie zu stehen. Doch nicht immer und überall ist das so. Es gibt Menschen, die sehr schwierige und schmerzhafte Erfahrungen in ihrer Familie gemacht haben: kein Wunder, die Menschen, die uns am nächsten stehen, können uns auch die tiefsten Verletzungen zufügen. Viele Familien sind heute unter enormem Druck, viele leben in zerbrochenen Familien, haben gescheiterte Partnerschaften oder traumatische Erlebnisse mit Eltern oder Geschwistern hinter sich. Die Familien und Ehen sind in der heutigen Zeit immer mehr in eine Krise geraten, es gibt Auflösungserscheinungen. Was ist passiert? Sind Familien heute nicht mehr so wichtig wie früher? Kann man auf sie verzichten? Ich sprach vor einiger Zeit mit einer Mitarbeiterin des Sozialamtes in Greiz. Sie schilderte, dass es zunehmend mehr Kinder und Jugendliche gibt, die kein intaktes und funktionierendes Elternhaus mehr haben. Die Schäden dadurch, so sagte sie, kann kein Jugendamt und keine Hilfe von außen wettmachen. Nichts und niemand kann die Familie ersetzen. Wir können nur versuchen das allerschlimmste zu verhindern, aber diese Kinder sind für ihr ganzes Leben schwer belastet. Viele haben so schwere Defizite und Schäden davongetragen dass sie wohl niemals allein auf eigenen Beinen werden stehen können.

Scharenweise zerbrechen Ehen und Partnerschaften um uns herum – zurück bleiben Kinder, die fast immer in persönlichen Momenten bekennen: ich habe keinen sehnlicheren Wunsch, als dass meine Eltern wieder zusammen kommen, sie leiden unsagbar und ein tiefer Riss prägt fortan ihre Lebensgeschichte. Was ist passiert? Es ist nicht so, dass sich die Menschen keine heile und liebevolle Ehe und Familie mehr wünschen, das ist immer noch der sehnliche Wunsch in unseren Herzen. Familien sind so wichtig wie eh und je. Aber es hat ein Prozess eingesetzt, den ich als Korrosion der Familie beschreiben würde. Vor etlichen Jahren stand ich in der Autowerkstatt und konnte mit dem Automechaniker mein Fahrzeug von unten betrachten, weil es auf der Hebebühne hochgefahren über uns war. Der Anblick war erschreckend. Massive Metallteile, die dem Fahrzeug über Hunderttausend Kilometer Halt und Tragfähigkeit gegeben haben und unendliche von harten Schlägen von der Straße aufgefangen hatten, waren zerfressen und mürbe geworden durch Korrosion. „Bedenken Sie, dass wir hier ein halbes Jahr Winter haben, das Salz auf der Straße setzt den Metallteilen enorm zu, sie rosten einfach durch“, erklärte der Werkstattleiter. Ich staunte, dass harte Stahlteile so zerbröseln können. Es ist genau das, was ich in vielen Partnerschaften und Familien beobachte: sie halten härtesten Belastungen und Schlägen stand, sind ein fester Halt für die Eltern und Kinder – und dann plötzlich werden sie zersetzt und zerbrechen. Familien und Ehen sind heute einer Vielzahl von schädlichen und zersetzenden Einflüssen ausgesetzt und so zerbröselt immer öfter der Grundbaustein unserer Gesellschaft, das Fundament des eigenen Lebens, das wichtigste Beziehungsgeflecht, das unserm Leben Halt gibt.

  1. 2.    Abenteuer Ehe – eine gesunde Basis schaffen

Liebe Gemeinde, was können wir tun, damit unsere Ehen und Familien einen gewissen Korrosionsschutz erhalten? Wir können nicht verhindern, dass sie enormen Belastungen und schädlichen Einflüssen ausgesetzt sind. Aber niemand wünscht, dass seine Familie oder Ehe Schaden nimmt. Das Buch der Sprüche gibt uns ein paar praktische und hilfreiche Ratschläge mit auf den Weg, die zur Gesundheit und Stärkung unserer Familien und Ehen beitragen.

Wir beginnen mit der Ehe. Sprüche 31 lobt in höchsten Tönen den Segen eines treuen, liebevollen Ehepartners: Eine tüchtige Frau ist das kostbarste Juwel, das einer finden kann. Ihr Mann kann sich auf sie verlassen, sie wird sein Leben bereichern. Ihr Leben lang tut sie ihm Gutes, niemals fügt sie ihm Leid zu. “ (Spr.31, 10-12) Aus diesen Worten lesen wir die Wertschätzung und Hochachtung für den anderen. Ist uns bewusst, wie sehr uns der Partner hilft und bereichert? Zeigen wir ihm das auch? Lob und Dankbarkeit für den anderen sind das Grundnahrungsmittel einer Ehe. Freude am Partner zu empfinden ist ein riesiges Geschenk. Viele Menschen haben nicht das Glück, einen Partner zu haben, sie haben noch keinen gefunden oder ihn wieder verloren. Wer einen Partner hat und an ihm Freude und Halt findet, kann Gott auf Knien danken. Aber: Ehe ist wirklich kein Spaziergang, sondern ein gewaltiges Abenteuer. Im Laufe der Zeit lassen die am Anfang beglückenden und heißen Emotionen nach, die Beziehung droht zu verflachen und im Alltag unterzugehen. Andererseits droht besonders in jüngerem Alter die Gefahr der Verführung und des Treuebruchs. Sprüche 6 warnt eindringlich, die Treue zum Ehepartner zu verlassen: „Kann man etwa Feuer in seinem Mantel tragen, ohne dass die Kleider in Brand geraten? Oder kann man über glühende Kohlen gehen, ohne sich die Füße zu verbrennen? Ebenso wenig kann man mit der Frau eines anderen schlafen ohne dafür die Strafe zu tragen. Wer mit der Frau eines anderen Ehebruch begeht, muss den Verstand verloren haben.“ (Spr. 6, 27-29.32) Unsere Ehe braucht unbedingte Treue und Stabilität. Das bedeutet: man darf nicht träge werden, immer wieder muss man an seiner Ehe hart arbeiten oder auch mal darum kämpfen und dafür um Gottes Hilfe beten. Die wichtigste Herausforderung in jeder Ehe ist die: um eine Ehe dauerhaft zu erhalten und miteinander glücklich zu bleiben muss jeder, wirklich jeder an sich arbeiten, immer wieder in jedem Lebensabschnitt Gemeinsamkeiten und Interessen suchen, sich auf den anderen zu bewegen. Zwei  sehr wichtige Erkenntnisse formuliert Sprüche 27: Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch den Umgang mit dem anderen.“ „Wie sich im Wasser das Gesicht widerspiegelt, so spiegelt sich das Herz des Menschen im Menschen.“ (Spr. 27, 19. 17) Ist das nicht sozusagen der Schlüssel der Liebe: ich werde verstanden von meinem Gegenüber, der mich liebt, ich spiegle mich in ihm und dadurch erfahre ich, dass ich wertvoll bin. Ich finde mein Glück in der Gemeinsamkeit und Geborgenheit mit dem anderen. Das ist die tiefe Sehnsucht in uns: ich suche den anderen und erst durch die Liebe des anderen werde ich ganz. Andererseits gilt: manchmal reibe ich mich am anderen, wir haben unterschiedliche Charaktere und Ansichten. Das ist hart. Aber das ist eine Chance für beide Partner, weil sie aneinander wachsen können. In einem nachdenklichen Moment erzählte mir einmal meine Mutter über ihre Ehe mit meinem Vater: wir haben uns entwickelt einer am anderen, jeder hat von der Stärke des anderen gelernt und profitiert. Das ist die Chance für uns alle in der Ehe, wenn wir unterschiedliche Persönlichkeiten und Charaktere sind: zum Beispiel hat der Mann Disziplin und Energie, die Frau hat Einfühlungsvermögen und Zärtlichkeit. Man kann sich entweder am anderen ärgern, oder man lernt vom anderen und lässt sich prägen, man entwickelt seinen Charakter am Vorbild des anderen. Genau das ist Gottes Wille für uns: dass wir am Partner lernen, neue Eigenschaften verinnerlichen, die wir nicht hatten, zu reiferen Persönlichkeiten werden. Davon profitieren die Kinder und das ganze Umfeld. Gute Ehen sind ein wahrer Segen für alle. In der Ehe lernen wir die meisten und wichtigsten Lektionen fürs Leben. Jede Ehe erfordert ständige Aufmerksamkeit und Pflege, Zeit füreinander und miteinander.

 

  1. 3.    Starke Familien – Rückgrat unseres Lebens

Mancher von uns kennt die Erfahrung, wenn man von Rückenschmerzen geplagt wird. Mancher hat Erfahrung mit einem Hexenschuss, wenn jede Bewegung quälend schmerzt. Der Rücken ist ein hochkomplexes Gefüge aus Wirbelkörpern, Bandscheiben, Sehnen und Muskeln, die, wenn sie miteinander kooperieren und sich stützen, äußerst stabil und kraftvoll sind. Aber jedes einzelne Glied ist nur ein Teil des Ganzen und braucht den anderen. So funktioniert auch Familie im Idealfall: einer hängt am anderen und unterstützt ihn und gemeinsam sind sie sehr stark und können größte Erschütterungen und Belastungen aushalten. Die Sprüche betonen, wie außerordentlich segensreich der Zusammenhalt zwischen Eltern, Großeltern, Kinder und Enkeln ist. „Die Krone alter Menschen sind ihre Enkelkinder, und der Stolz der Kinder sind ihre Eltern.“ „Achte deinen Vater und deine Mutter, du verdankst ihnen das Leben! Hör auch dann noch auf sie, wenn sie alt geworden sind. Wahrheit und Weisheit, Einsicht und Herzensbildung sind es wert, dass du sie dich etwas kosten lässt. Gib sie nie wieder her! Die größte Freude für einen Vater ist ein tüchtiger und charakterfester Sohn.“ „Erzieh dein Kind in guter Weise für seinen Lebensweg, dann wird er auch im Alter nicht davon abweichen.“ (Spr. 17, 6; 23, 22.24-25; 22, 6)

Ich kenne viele Menschen, die einen wunderbaren starken Halt und Geborgenheit in ihren Familien finden und es macht mich glücklich zu sehen, wie intensiv sie einander beistehen in Schicksalsschlägen, Krisen und Katastrophen. Sie freuen sich aneinander und begegnen einander in Respekt und Liebe und stehen einander mit Rat und Hilfe bei. Eine Ehe ist die engste Gemeinschaft zwischen zwei Menschen, aber sie ist von begrenzter Dauer: bis dass der Tod uns scheidet, versprechen wir einander die Treue. Wenn wir loslassen müssen, dann sind wir angewiesen, Halt, Hilfe und Nähe zu finden in der Familie und im Freundeskreis, sie werden dann zum allerwichtigsten Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens. Es gibt durchaus Fälle, in denen sich Eltern und Kinder unversöhnlich und hart gegenüberstehen, sie kämpfen und konkurrieren miteinander. Gott aber hat eigentlich Familie vorgesehen als einen Ort gegenseitiger Unterstützung, wo einer Verbündeter des anderen ist, unbedingt verlässlich für den anderen einsteht, die Entwicklung des anderen fördert und wo man stolz aufeinander ist. Noch nie in der Geschichte hat es so wenig Respekt zwischen den verschiedenen Generationen gegeben, man redet von den dummen Alten, von der verrückten Jugend. Es ist eine große Aufgabe für die christlichen Familien, geradezu eine Revolution, dieses Muster zu durchbrechen und sich gegenseitig zu achten und von den Stärken gegenseitig zu profitieren. Es kann uns nichts schöneres passieren, als dass wir in solchen starken Familien geborgen sind und intensiv aneinander Anteil nehmen.

 

  1. 4.    Tiefe Freundschaften – eine lohnende Investition

Liebe Gemeinde, es besteht in jeder hektischen Zeit unter sehr fleißigen und aktiven Menschen die große Gefahr, dass wir einen der größten Schätze unseres Menschseins vernachlässigen und verkümmern lassen – tiefe und lebendige Freundschaften. Die Sprüche warnen uns vor Blindheit an diesem Punkt: „Duftöl und Weihrauch erfreuen das Herz, aber noch beglückender ist die Zuneigung eines Freundes. Lass niemals deinen Freund im Stich, auch nicht den Freund deines Vaters.“ „Wer sich mit weisen Menschen umgibt, wird selbst weise; wer sich mit Dummköpfen befreundet, ist am Ende selbst der Dumme.“ (Spr. 27, 9+10; 13, 20)

Wohl jeder von uns hat eine Menge Bekannte, Kollegen, Nachbarn, Mitchristen, mit denen wir öfter zu tun haben und die wir schätzen. Unter ihnen sind einige, zu denen wir eine ganz besondere tief vertraute Beziehung aufbauen können. Freunde haben einen sehr intensiven Einfluss auf uns, wenn sie charakterstarke, gute, herzliche, gläubige Menschen sind, werden sie uns sehr tief prägen und beeinflussen. Doch wenn wir nicht diese Beziehungen besonders pflegen und ihnen durch sehr persönliche Hilfestellung beistehen und  unsere persönlichsten Gedanken und Gefühle anvertrauen, werden wir nie das Geheimnis einer ganz besonderen Freundschaft genießen können. Richtige Freunde auszusuchen und die Beziehung bewusst zu pflegen, ist extrem wertvoll. Denn diese Menschen können zu einer der entscheidenden Stützen unseres Lebens werden, zu den besten Ratgebern, sie sind eine unschätzbare Bereicherung für uns. Kein Mensch kann sich positiv weiter entwickeln, tiefe Einsichten, Weisheit und Hilfe geben und empfangen und im Glauben an Gott Fortschritte machen, wenn er nicht enge Freundschaften pflegt. Dass man dafür keine Zeit hat ist die schlechteste Entschuldigung. Freunde sind diejenigen, die unsere Lebensqualität und unseren Charakter wie kaum irgendetwas anderes fördern und verbessern. Sie machen uns zu besseren Menschen, zu solchen Menschen, wie wir sein sollen und können nach Gottes Willen. Sprüche 17 bringt es auf den Punkt: „Ein Freund steht allezeit zu dir, auch in Notzeiten hilft er dir wie ein Bruder.“ (Spr 17,17)

So eng ist die Bemühung um eine gesunde, fröhliche Ehe, eine liebevolle Familie und vertrauensvolle Freundschaft mit dem christlichen Glauben verbunden, dass die Beziehung zu Jesus Christus in der Bibel immer wieder mit dem liebevollen Miteinander zwischen Mann und Frau verglichen wird. Gott wird uns in der Bibel als fürsorglicher Vater und liebende Mutter, Jesus als unser hingebungsvoll zugetaner Bruder und Freund vor Augen gestellt. So ist die Pflege dieser engsten Beziehungen ein Spiegel unserer Beziehung zu Gott und umgekehrt die Liebe zu Gott befördert und stärkt unsere Liebe zum Partner, zu Familie und Freunden, es sind zwei Seiten einer Medaille. Es ist die tiefe und glückliche Bestimmung unseres Lebens in dieser Liebe ständig zu wachsen und zu reifen. Gott segne unsere Liebe zu ihm und in unseren Familien und Freundschaften.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserem Herrn. Amen.

 

 

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
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