Predigtreihe Weisheit 3

Caselwitz und Hohndorf, 10. Februar 2013

 

Estomihi

 

Predigtreihe

„Lebensweisheit aus der Bibel:

Vitamin-C-Spritze für den Alltag“

Predigt 3 – „Hüte deine Zunge – bei der Wahrheit bleiben in  Worten und Verhalten“

Sprüche 6, 12-15

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

  1. 1.    Mut zur Wahrheit in einer Kultur der Lüge

Liebe Gemeinde,

manche Leute brauchen ziemlich viel Zeit morgens vor dem Spiegel, um das Gesicht, das sie dort anschaut, aus einem verschlafenen, wirren Besen, zu einem ansehnlichen gern anzusehenden Kopf zu verwandeln. Die Kosmetikindustrie setzt jährlich mehr als 12 Milliarden € in Deutschland um. Manche Jugendweihevereine bieten als Vorbereitung für den Schritt ins Erwachsenenleben für junge Mädchen kostenlose Schmink- und Schönheitskurse an, damit sie lernen, wie man sich vorteilhaft zurechtmacht und frisiert. Noch viel verbreiteter scheint es allerdings heutzutage zu sein, dass man die Wahrheit frisiert, hier und da an den Fakten etwas abschneidet oder schönfärbt, an den eigenen Leistungen kräftig hochtoupiert oder Volumen zugibt. Richtig gute Kosmetiker und Stylisten können aus fast jedem hässlichen Entlein eine Schönheit zaubern durch  Tricks, Farbe und geschicktes Kaschieren der unschönen Seiten im Gesicht. Aber der Spaß hört auf, wenn die Wahrheit geschminkt und frisiert wird. Es ist offensichtlich heute ganz groß in Mode gekommen, sich nicht nur äußerlich schön zu machen, sondern die Wahrheit zu verdrehen. Nur: jeder Mann, der eine schöne Frau heiratet, schaut irgendwann hinter die hübsch geschminkte Fassade in das wahre nackte Gesicht. Hoffentlich erschrickt er nicht und denkt: wer ist diese Frau? Aber auch wenn wir in unserem Leben die Wahrheit schön frisiert haben, uns eine Lügenfassade aufgebaut haben, ein falsches Spiel gespielt haben, irgendwann kommt es heraus. Irgendwann entdecken die anderen Leute die sorgsam und ängstlich versteckte und verdrehte Wahrheit – und was hinter der gelogenen und gespielten Fassade hervorkommt, das ist immer entsetzlich, hässlich, erschreckend, wahnsinnig enttäuschend – denn das Vertrauen wurde bitter enttäuscht und es bleibt tiefe Verletzung. Leben wir nicht in einer ziemlich verlogenen Welt, in der es kaum noch jemand so ernst nimmt mit der Wahrheit? Lügen und Verrat erscheinen selbstverständlich dazuzugehören in der Werbeindustrie, in den Medien, Talkshows, in der Politik, in Schulen und an Arbeitsplätzen. Wo finden wir noch Integrität und absolute unbestechliche Ehrlichkeit? Das Buch der Sprüche im Alten Testament nimmt dieses zentrale und lebenswichtige Thema auf und macht unmissverständlich klar, Sprüche, Kapitel 12: „Einen Lügner hasst der Herr, aber ein ehrlicher Mensch  gefällt ihm.“ (Spr. 12, 22) Es ist eine große Herausforderung, vor die Gott uns stellt, aber sein Wille für unser Leben ist klar: wir sollen die Wahrheit nicht verdrehen, zurechtbiegen, frisieren – nein wir sollen in einer an vielen Stellen verlogenen Welt, die es mit Wahrheit und Verbindlichkeit nicht so genau nimmt kompromisslos ehrlich und wahrhaftig und zuverlässig sein.

Liebe Gemeinde, wir bekommen heutzutage eingeredet, dass ein Mensch schön ist, der eine schlanke und sportliche Figur hat, der gut und modisch gekleidet ist und sich schön frisiert und geschminkt hat. Aber das ist im Grunde weitgehend belanglos, da nur äußerlich. Wirklich schön ist ein Mensch, der ehrlich und zuverlässig ist. Wer möchte als Chef einen lügnerischen und unzuverlässigen Arbeitnehmer einstellen? Möchte er nicht einen kompromisslos ehrlichen Menschen? Wer möchte einen Freund haben, der die Wahrheit verdreht und einen verrät? Wer möchte einen Ehepartner, der lügt und hintergeht? Niemand. Jeder von uns weiß tief im Herzen: die wahre Schönheit eines Menschen liegt in seinem Inneren, im Verhalten und Reden, wenn er wahrhaftig ist und zu seinem Wort steht. Jeder, der schmerzhaft belogen wurde, sehnt sich nach Ehrlichkeit und Wahrheit als Maßstab. Ist es nicht ein Schmerz, der unendlich tief sticht und unvergesslich ist, wenn man von einem Menschen, dem man vertraut hat, vielleicht gar dem Ehepartner, dem Kind, dem Bruder, der Freundin verraten wurde? Möchten wir nicht alle hinausschreien: bitte, kann ab sofort jeder aufhören zu lügen und nur noch die Wahrheit sagen!

Genau diese Wahrheitsliebe ist Gottes dringendes Anliegen an die Menschen, an mich und dich. Er ruft und bittet uns: bitte mach nicht mit bei dem Lügenspiel. Bleib bei der Wahrheit! Warum: weil Gott weiß, wie viele Beziehungen die Lüge kaputt macht und wie sehr uns Betrug und Unehrlichkeit verletzen. Und genau das lesen wir eindrücklich in den Worten der Sprüche, Kapitel 6:„Wer ist ein skrupelloser, bösartiger Mensch? Einer, der umherläuft und Lügen verbreitet; und der mit seinen Gesten und Gebärden andere täuschen will. Sein Herz ist falsch; er hat ständig Böses im Sinn und legt es immer auf Streit an. Darum wird er ein schreckliches Ende nehmen: unerwartet wird das Verderben ihn treffen und nichts wird es abwenden können. Sechs Dinge hasst der Herr und sieben verabscheut er: Augen, die überheblich blicken; eine Zunge, die Lügen verbreitet; Hände, die unschuldige Menschen töten, einen Kopf, der böse Pläne ausheckt, Füße, die loslaufen um Unrecht zu tun; einen Zeugen, der nicht die Wahrheit sagt; und einen Menschen, der Brüder gegeneinander aufhetzt.“ (Spr. 6, 12-15)

 

  1. 2.    Gefährliches Organ Zunge – warum wir nicht immer die Wahrheit sagen

Liebe Gemeinde,

die Zunge ist ein ziemlich schwer kontrollierbares Organ. Es ist wie mit einem Kleinkind, das gerade auf allen Vieren zu krabbeln angefangen hat. Heutzutage benutzen nur noch wenige Eltern ein Laufgitter und dann passiert es immer wieder in unbeobachteten Momenten, dass das Kind – schwupp – entwischt und Schranktüren öffnet oder den Herd anfasst oder zur Treppe eilt. Ungefähr so schwer ist es, seine Zunge zu kontrollieren, dass sie uns nicht davoneilt und etwas Unwahres sagt. Es gibt nämlich scheinbar eine sehr direkte und superschnelle Verbindung vom Gehirn zur Zunge, so dass wir manchmal voreilig Gedanken aussprechen, ohne sie geprüft zu haben. Und – schwupp – können wir die Lüge nicht mehr zurückholen. Aber warum passiert es so schnell, dass wir die Unwahrheit sagen? Es gibt, wenn ich richtig sehe, zwei enorm starke Triebfedern in unserem Inneren, die dazu beitragen: erstens die Suche nach dem persönlichen Vorteil. Es gibt eine enorm starke Willenskraft in uns, den für uns vorteilhaftesten Weg zu finden. Stellen wir uns vor, 10 junge Leute bewerben sich für eine begehrte und sehr gut bezahlte Arbeitsstelle in ihrem Traumberuf, aber nur einer kann die Arbeit bekommen – wie ehrlich werden wohl die Bewerber ihre Worte im Vorstellungsgespräch wählen? Es ist extrem schwer der Neigung zu widerstehen, die Wahrheit zu seinem Vorteil zurechtzurücken. Die zweite Triebfeder ist die Angst, dass jemand unsere Fehler und Schwächen entdecken könnte – und schon sind wir dabei zu lügen und zu verdrehen, um nur ja die peinliche Bloßstellung vor anderen zu vermeiden. Und wie leicht passiert es, dass wir negative Dinge über andere erzählen, die sie in ein schlechtes Licht stellen, nur um von unseren eigenen Schwächen abzulenken – und wir erwecken den durchaus ganz falschen Eindruck, als wären wir selbst Heilige. Sprüche 15 formuliert es so: „Die Zunge weiser Menschen spricht nützliche Einsichten aus, aber aus dem Mund der Unvernünftigen sprudelt dummes Geschwätz hervor.“ (Spr. 15,2) Liebe Gemeinde, auf modernen Computern gibt es eine sehr hilfreiche Funktion. Wenn ich irgendein Schriftstück oder Bild vom Computer löschen will – und man muss ja mal aufräumen – ertönt ein Warnton „bling“ und ein Kontrollkästchen geht auf und ich lese die Frage: „Wollen sie wirklich diese Datei löschen?“ Genau diese Kontrollfrage sollten wir bei unserm Reden einbauen und einen Lügendetektor in unserem Alltag anwenden, so dass wir uns, bevor wir reden, fragen: „Ist es wahr, was ich jetzt gerade sagen möchte?“- und dann die Warnung „bling“: „Willst du wirklich die Unwahrheit sagen?“ Wie viele Lügen, wie viele verletzende Worte würden niemals ausgesprochen, wenn wir uns Zeit nehmen würden für diese Kontrollfrage!

Liebe Gemeinde, ich bin überzeugt, der Glaube an Gott ist der beste Ausweg aus der Lügenfalle. Unsere Angst, dass andere unsere Fehler und Schwächen entdecken und uns verachten oder benachteiligen ist riesengroß und nur aus der Angst heraus entsteht das Versteck- und Verschiebespiel mit unserer Schuld und wir beginnen zu lügen und zu schummeln. Aber vor Gott müssen wir niemals lügen, wir können ihn sowieso nicht betrügen, wir dürfen ehrlich sein, wie vor einem allerbesten Freund, wie vor einem liebenden Vater, wo man wahrhaftig alles zeigen kann. Wir müssen kein Versteckspiel mit unseren Fehlern beginnen, denn durch Jesus hat er uns sowieso schon vergeben, längst bevor wir uns Sorgen machen. Glaube befreit von einer riesigen Existenzangst: ich bin nicht gut genug, ich muss für meine Vorteile notfalls mit unehrlichen Mitteln kämpfen. Nein, aus, vorbei, Schluss damit! Nie und nimmer haben wir das als Christen nötig. Gott steht hinter uns, er hilft uns, versorgt uns als unser guter Vater. Die ganze Angst ist unnötig. Wir dürfen und sollen total ehrlich sein. Ehrlichkeit im Umgang mit anderen ist befreiend.

 

  1. 3.    Lebenslüge: anders handeln als reden – Zeit zurückzukehren zur Ehrlichkeit in jeder Beziehung

Nicht nur unsere Worte sollen wahr sein. Es ist wichtig, dass unseren Worten auch Taten folgen. Wir sollen in unserem gesamten Verhalten wahrhaftig und ehrlich sein. Insofern gilt auch an dieser Stelle: unsere Rede ist nur dann glaubwürdig und ehrlich, wenn wir sie nicht später durch unser Verhalten widerlegen, sondern sie wirklich ernst nehmen und danach leben. Wer am Sonntag in der Kirche fromme Worte macht und später im Alltag ganz anders lebt, der ist ebenfalls ein Lügner. Also, es ist ein gutes Gebet jeden Tag zu bitten: Herr, lass mich bei der Wahrheit bleiben. Behüte mich vor dem gefährlichen Sumpf der Unehrlichkeit. Ich will glaubwürdig und vertrauenswürdig sein. Hilf mir dabei!

 

  1. 4.    Miteinander verheiratet: Wahrheit und Liebe

Liebe Gemeinde, immer noch werden deutsche Soldaten nach Afghanistan oder in andere Krisengebiete der Welt geschickt. Bei der Verabschiedung gibt es herzzerreißende Szenen, wenn der Soldat seiner Frau Lebwohl sagt und sie getrennt werden. Genauso schmerzhaft und unglaublich traurig ist es, wenn zwei Elemente getrennt werden, die unbedingt zusammen gehören, die miteinander verheiratet sind, nämlich Wahrheit und Liebe. Ich zitiere Sprüche 3: „Liebe und Treue zu anderen sollen dir niemals fehlen. Trage sie wie eine Kette um deinen Hals.“ (Spr. 3,3) Diese Doppelung: Liebe und Wahrheit ist wichtig, denn wenn eines fehlt, wenn die beiden Partner auseinandergerissen werden, fängt das ganze Elend an: Liebe ohne Wahrheit ist gefährliches Glatteis. Wer aus Rücksicht und um des lieben Friedens willen immer zu allem ja und amen sagt, der tut letztlich nichts Gutes. Es gibt Situationen, wo es nötig ist, die Wahrheit auszusprechen offen und ehrlich, aber wir zögern ängstlich, weil wir uns mit dieser Wahrheit unbeliebt machen würden.

Umgekehrt ist es unerträglich, wenn jemand lieblos andere mit harten Wahrheiten konfrontiert, die ihn kaputt machen. Dann wird aus Wahrheitsliebe schnell Rechthaberei und stolzes Verurteilen und Kontrollieren der anderen. Nur gepaart miteinander hat Gott diese beiden für uns vorgesehen. Sie sind verheiratet, wir dürfen sie niemals auseinander reißen. Ein Beispiel? Die Mutter reiht gefühllos die ganzen Fehler im Deutschdiktat ihres Kindes auf: das ist falsch, das ist verkehrt, und schließt, logisch ganz folgerichtig: deine Rechtschreibung ist eine Katastrophe. Das ist wahr, aber völlig lieblos und demotiviert das Kind und treibt es in eine Sackgasse, dass es denkt, es wäre unfähig und aufgrund seines Versagens auch ungeliebt. Diese Wahrheit ohne Liebe hilft dem Kind nicht, sie ist destruktiv und verletzend. Auf der anderen Seite: stellen wir uns eine Frau vor, die ihrem alkoholkranken Mann zuspricht und liebevoll tröstet: es wird bestimmt wieder besser, wir schaffen das schon. Die Wahrheit ist: von allein nur durch gutes Zureden wird nichts besser und der Alkohol droht seine Persönlichkeit und die Ehe und Familie zu zerstören, es braucht ernsthafte, radikale Schritte, um ihm zu helfen.

Wenn wir die Wahrheit aussprechen, dann müssen wir dies immer in Demut und Einfühlsamkeit vermitteln, niemals von oben herab – und wenn wir jemand in Liebe und Mitgefühl zusprechen, dann dürfen wir das niemals beschönigend und verharmlosend an der Wahrheit vorbei tun. Niemand anders verstand es so perfekt wie Jesus Christus, Menschen in ehrlicher tiefer Liebe und unbedingter Wahrhaftigkeit zu begegnen. Es ist eine der wichtigsten Schritte unseres Lebens, dies immer mehr zu lernen.

 

  1. 5.    Ebenbilder eines wahrheitsliebenden Gottes

Der eigentliche Grund, warum wir die Wahrheit über alles lieben und wertschätzen sollten und uns selbst festlegen sollten, immer bei der Wahrheit zu blieben ist der: wir alle sehnen uns nach wahrhaftigen ehrlichen Beziehungen, wir alles hassen Lüge. Wir sind von Gott dazu geschaffen worden, in Ehrlichkeit zu leben. Warum: weil wir Geschöpfe und ja, noch viel mehr, nämlich Ebenbilder eines wahrheitsliebenden Gottes sind. Gott verstellt sich niemals, er ist sich immer treu. Auch wir sollen treu bei der Wahrheit bleiben.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserem Herrn. Amen.

 

 

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
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