Predigtreihe Weisheit 1

 27. Januar 2013

 

Septuagesimae

 

Predigtreihe

„Lebensweisheit aus der Bibel:

Vitamin-C-Spritze für den Alltag“

Predigt 1 – „Fleiß und Selbstkontrolle – alles im Griff an den Schalthebeln des Ich?“

Sprüche 6, 6-11

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

Liebe Gemeinde,

neulich war ich mit meinem Auto zur Durchsicht in der Werkstatt – Bremsen, Motor, Räder: alles wird geprüft und untersucht, ob es noch läuft, ob es Schwachstellen gibt. Dann muss repariert werden, hier und da wird ein Teil ausgetauscht, es wird neu eingestellt und nachjustiert. Bei unseren Autos gibt es vorgeschriebene Wartungsintervalle, aber wir benötigen ebenso für unser Seelenleben, für unseren Alltag eine Durchsicht, wo einige Teile in unserem Leben erneuert werden. Eine wunderbare Hilfe ist dafür das leider viel zu selten gelesene Buch der Sprüche aus der Bibel, ein Buch voller Weisheit, die für unser Leben ungemein hilfreich und nützlich ist. Mich fasziniert dieses Buch durch seine praktischen Ratschläge und die sehr bildhafte anschauliche Sprache, dadurch rutschen die Sätze sofort vom Kopf ins Herz. Es ist einfach köstlich und höchst anregend, dieses Buch zu lesen. In den nächsten Wochen wollen wir also von dieser Extradosis Weisheit aus der Bibel profitieren. Ich glaube, diese Vitamin-C-Dosis an Lebensweisheit und geistlichem Rat wird uns sehr wohl tun und uns innerlich erfrischen und stärken für die harten Phasen unseres Lebens. In diesen Wintertagen sehen wir selten die Sonne, es ist oft frostig, nasskalt und ungemütlich. Vielleicht gehen wir auch durch solch eine Phase in unserem Leben, wo es sehr trübe und ungemütlich ist und wir uns angegriffen fühlen. Gott ist gut zu uns, er sorgt für uns und will uns stärken. Das Wort Gottes, der gute Rat der Bibel wird uns aufbauen und stärken. Also: wir sind bereit für die erste Vitamin-C-Dosis.

Liebe Gemeinde, es gibt Sätze, die wir in der Kindheit und Jugend gehört haben, die wir nie mehr vergessen. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Ist solch ein Satz, den ich nachts um drei noch hersagen könnte, oder auch dieser: „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.“ Sätze, die uns vor Faulheit und Trägheit warnen. Ich glaube, wir alle erinnern uns an solche guten und nützlichen Worte. Manche habe ich als Kind innerlich belächelt, aber mittlerweile habe ich gemerkt, wie hilfreich und weise sie sind, sie haben mein Leben bereichert und mich auf den richtigen, guten Weg gelenkt. Ich bin meinen Eltern, Großeltern, Lehrern und Ratgebern dankbar für diese Portion Weisheit, die sie mir mitgegeben haben.

Heute wollen wir auf die Worte der Bibel, aus dem Buch der Sprüche hören, die uns aus der Trägheit reißen und uns neuen Schwung und Antrieb geben. Ich beginne mit Sprüche, Kapitel 6: „Sieh dir die Ameise an, du Faulpelz! Nimm dir ein Beispiel an ihr, damit du gescheit wirst!  Sie hat keinen Aufseher und keinen Antreiber. Und doch sorgt sie im Sommer für ihre Nahrung und sammelt zur Erntezeit ihre Vorräte. Wie lange willst du noch liegen bleiben, du Faulpelz? Wann geruhst du endlich aufzustehen? »Nur ein kurzes Weilchen«, sagst du, »nur einen Moment die Augen zumachen und die Hände in den Schoß legen.« Und während du das tust, kommt die Armut zu dir wie ein Räuber und die Not überfällt dich wie ein Einbrecher.“

Liebe Gemeinde, es klingt beim ersten Hinhören amüsant. Aber es ist ein ernstes Thema. Wir kennen es alle von uns selbst. Wie oft haben wir uns gesagt: ich will vernünftig sein, ich will die Aufgaben gleich erledigen, ich will öfter Sport machen, ich will gesünder essen, ich will dies und das ändern in meinem Leben. Aber wir haben die Gesetze der Trägheit unterschätzt. Die natürliche Fließrichtung des Lebens ist abwärts, nicht aufwärts. Wir lassen uns mit der Strömung treiben, wir lassen Dinge schleifen, wir werden irgendwann mit der Zeit alle an der einen oder anderen Stelle im Leben träge und bequem.

Liebe Gemeinde, Glatteis hat der Wetterbericht angesagt für heute. Wir müssen also sehr sorgsam aufpassen mit unseren Schritten und auch auf der Straße mit dem Auto uns entsprechend vorsichtig bewegen, damit kein Unfall passiert. Heute lesen wir im Buch der Sprüche sozusagen die Glatteiswarnung im Blick auf Trägheit und Schlendrian. Sehr genau zeigen die Sprüche auf, an welchen Stellen wir auf Eis geraten und wo es abwärts geht, so dass am Ende kein Halten mehr ist. Der erste gefährliche Schritt sind die Ausreden. Wunderbar wird die Ausrede im 22. Kapitel der Sprüche karikiert, dort heißt es: „Der Faulpelz sagt: »Ich kann nicht hinausgehen auf die Straße; draußen ist ein Löwe, der bringt mich um!«“ Was für eine Ausrede! Natürlich liefen auch im alten Israel nirgends Löwen auf den Gassen herum. Die ganze Sinnlosigkeit der Ausreden und ihre gedankliche und sprachliche Akrobatik wird hier durch den Kakao gezogen. Die beste Konsequenz ist: die Ausreden gleich sein zu lassen. Warum sind Ausreden so gefährlich? Sie führen dazu, dass wir nicht mehr ehrlich mit uns selbst und vor anderen. Wir gewöhnen uns daran, Ausreden zu finden. Wir verwenden unsere Energie nicht mehr darauf, wie wir den Missstand beheben, sondern wie wir ihn möglichst elegant verschleiern und so tun, als sei alles in Ordnung. Und schon sind wir auf dem Glatteis und es dauert nicht lange, bis wir gewaltig hinfallen und uns wehtun. Fehler machen wir alle, jeder von uns scheitert mal und kann seine Pläne und Ziele nicht erfüllen, das gehört zum Leben dazu. Aber wenn wir etwas nicht geschafft haben, sollten wir alle Energie darauf verwenden, den Fehler zu beheben, es in Zukunft besser zu machen und nicht mit Ausreden alles schön zu reden.

Die zweite Glatteisstelle zeigen uns die Sprüche auf: Aufschieben. „Ich mach´s später!“, „Jetzt noch nicht!“, „Nur noch ein bisschen ausruhen!“, „Es muss nicht gleich alles heute gemacht werden, morgen ist auch noch ein Tag.“ Auf diese Weise duseln sich viele Leute ein in das wohlige Gefühl, später werde die Arbeit leichter. Das Gegenteil ist richtig: Aufschieben beschränkt unseren Handlungsspiel-raum und wir verlieren zunehmend die Kontrolle über uns selbst und unser Leben. Ich erinnere mich gut, wie im Studium viele Mitstudenten vor den Abschlussprüfungen die Panik bekamen. Wie sollen wir das alles schaffen, viel zu viel Arbeit, hörte man viele auf den Gängen der Bibliothek sagen. Mit meinen beiden Lernpartnern setzten wir uns erst mal zum Kaffee hin. Ich sagte: als erstes machen wir einen Plan und jeder für sich sucht sich seine Schwachstellen, wo er besonders viel aufholen und arbeiten muss und später kann man den Rest wiederholen und festigen. Dann wird alles eingeteilt, Tag für Tag, Woche für Woche. Wir haben jeder uns einen persönlichen Lernplan erstellt und plötzlich waren die Aufgaben übersichtlich und nicht mehr ein Riesenberg, der Angst einjagt. Ergebnis der Planung: ich glaube niemand ist so locker und ruhig durch die Vorbereitungsphase gekommen wie unser Team, wir haben hart geackert und keine Panik bekommen und nichts auf später verschoben, weil der Plan sagte: das machst du heute – und so war´s. Wer einen Plan hat und gut einteilt und sofort anfängt mit dem Schwersten, der wird kaum in die Gefahr kommen aufzuschieben.

Liebe Gemeinde, es ist enorm wichtig, dass wir uns beim Thema Faulheit keine Illusionen machen. Ich bin mir sicher, dass wir alle uns ausnahmslos selbst nicht unter die Kategorie „Faulpelz“ einordnen würden. Einige von uns sind extrem fleißig. Wir alle bemühen uns, da bin ich mir sicher, unser Leben so gut wie möglich zu bewältigen und das ist manchmal ein ziemlich schweres Stück Arbeit. Wieso müssen wir uns Worte über die Faulheit anhören, wird sich mancher fragen? Aber Jesus Christus will uns nicht noch zusätzlich unter Druck setzen, wenn wir ohnehin schon enorm angespannt sind. Er will uns die Augen öffnen, wo unsere Schwachstellen sind. Vor etlichen Jahren sagte mir jemand: auf der Straße nach Piesau in der Kurve gibt es immer im Winter gefährliche Glätte, da muss man enorm aufpassen, nur wenige Tage später sah ich, wie genau dort ein Auto in den Graben gerutscht war. Wissen wir, wo unsere persönliche Glatteisstelle ist? Ich bin überzeugt: für jeden von uns gibt es die Gefahr, träge und unachtsam zu werden, für den einen bei der Arbeit oder in der Schule, der zweite bei Sport und Bewegung, der dritte bei der Freundschaftspflege, der vierte beim Beten und Gottesdienst, der fünfte bei der Zuwendung und Zeit für die Familie. Jesus Christus möchte uns einfach helfen, dass wir nicht in einen gefährlichen Trott geraten, bei dem es ein böses Erwachen gibt. Er will uns helfen, dass wir die Kontrolle über die wichtigsten Schaltstellen im Leben behalten. Jesus Christus möchte, dass unser Leben gelingt. Das Leben ist manchmal ziemlich kompliziert und es braucht eine Menge Weisheit und Geschick, um alles in rechten Bahnen zu  behalten. Es reicht nicht, dass wir in vier von fünf Lebensbereichen alles unter Kontrolle haben und in der fünften jämmerlich versagen. König David war ein großartiger König in Israel, ein äußerst mutiger Mann, kluger Kriegsherr, guter und weiser Politiker, ein frommer Diener Gottes und guter Musiker, er hatte nur eine Schwachstelle und die hätte ihm fast das Genick gebrochen: seine Schwäche und Disziplinlosigkeit in Sachen Frauen. Sehr eindringlich warnen die Sprüche im Kapitel 5: „Mein Sohn, hör mir zu und beherzige, was ich dir als Weisheit weitergebe. Die fremde Frau lockt dich mit honigsüßen Worten, glatt wie Öl fließen sie von ihren Lippen. Doch am Ende ist sie bitter wie Galle und tödlich wie ein beidseitig geschliffenes Schwert. Hört mir jetzt gut zu, ihr jungen Männer, und schlagt meine Warnungen nicht in den Wind! Geh dieser Frau aus dem Weg! Komm der Tür ihres Hauses nicht zu nahe!“ Was für eine großartige Beschreibung der gefährlichen Situation. Und beeindruckend, welchen Rat uns die Sprüche geben: vorausschauend der gefährlichen Situation aus dem Weg gehen. Ich habe einige brillante Menschen kennengelernt, die an einer Stelle in ihrem Leben sehr schwach waren. Ich erinnere mich an großartige Pfarrer, die äußerst fleißig, redegewandt, eifrig und sehr beliebt in ihrer Gemeinde waren, aber sie vernachlässigten ihre Familie und ihre Ehe und bereuten es später bitter, weil ihr Familienleben völlig aus dem Ruder lief oder zerbrach. Sie waren sehr fleißig, aber in dem wichtigen Bereich Privatleben, Ehe und Kinder undiszipliniert und träge. Das war ihre Glatteisstelle. Deshalb müssen wir uns selbst gut beobachten, deshalb motiviert und bestärkt und ermutigt uns Jesus Christus dermaßen, dass wir unser Leben nicht einfach so dem gewohnten Trott überlassen, sondern uns selbst prüfen und nicht hochmütig und stolz werden, sondern fragen: Herr, an welcher Stelle meines Lebens muss ich arbeiten und etwas ändern? Wo muss ich die Initiative ergreifen und etwas umstellen? Mein Gott, zeig mir meine Glatteisstelle, bevor ich auf der Nase liege oder etwas gebrochen habe! Die Sprichworte der Bibel sind voll von guten Ratschlägen und Lebenshilfen, vielleicht möchte der eine oder andere in den nächsten Tagen darin lesen und studieren. An den nächsten Sonntagen wollen wir noch weitere Rationen Weisheit und Lebenshilfe hören und mitnehmen. Und es ist gut auf die leise Stimme Gottes in uns zu hören, wo er uns auf etwas hinweisen will. Ich möchte zum Schluss noch einige Glatteisstellen nennen. An Landstraßen stehen an solchen Stellen oft rotumrandete Warnschilder mit dem Symbol eines rutschenden Autos, solche Warntafeln hält uns auch das Buch der Sprüche vor. Ich glaube, es ist enorm hilfreich, diese Warntafeln in den nächsten Tagen und Wochen weiter zu studieren.

Aber zum Schluss noch eine Ermutigung. Wir alle haben Phasen der Schwäche und Entmutigung, Phasen, in denen wir seelisch zerschlagen und hilflos sind. Wir können nicht immer stark sein. Hier ist es gut, wenn wir auf die Stimme von Jesus Christus hören. Wenn er uns aus der Trägheit ruft, dann ist das nicht der gefühllose Befehl eines Kommandanten, sondern dann ist es so wie immer bei Jesus: er will uns aufhelfen und stärken und sagt: ich gehe mit dir, ich bin der gute Hirte für dich. Ich weiß, wie schwer es dir fällt. Gib nicht auf, lass dich nicht hängen, geh weiter, nimm dein Leben wieder in die Hand und wage den nächsten Schritt. Du kannst mir immer vertrauen, denn ich bin dein Herr und dein Bruder. So ist unser Gott unsere Kraft und Stärke und richtet uns auf. Oder wie es die Worte der Sprüche sagen, dieses Wort soll am Schluss stehen: „Der Name des Herr ist eine feste Burg, wer auf ihn vertraut läuft dorthin und wird beschützt.“

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserem Herrn. Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50