Predigt Weihnachten 25.12.2013

Caselwitz, 25. Dezember 2013

Hohndorf, 26. Dezember 2013

 

1. / 2. Weihnachtstag

Lukas 2, 1-16

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

Liebe Gemeinde,

was für ein Weihnachten! Wer von einem romantischen Weihnachtsfest im Schnee geträumt hat, der ist arg enttäuscht worden. Stattdessen erleben wir frühlingshafte Temperaturen. Hat es geschadet? Wohl kaum. Aber es wird deutlich: kein anderes Fest im Jahr ist so überladen mit Sehnsüchten, Träumen und Wünschen wie Weihnachten. Manche werden erfüllt, aber vieles wird auch ganz anders als gedacht und gewünscht. Wie kommt es nur, dass wir soviel hineinlegen in dieses eine Fest? Es soll schön sein, harmonisch, friedlich, glanzvoll, weiße Weihnachten und und und … Ja, Weihnachten ist ein Fest voller Erwartungen und das ist gut so, weil wir spüren, wie tiefe Wünsche in unserer Seele verborgen sind. Aber es kommt nicht darauf an, dass wir uns eine heile Weihnachtsidylle erträumen. Sondern es geht darum, dass Gott zu Weihnachten in dem kleinen Krippenkind, in seinem Sohn Jesus Christus, zu uns kommt in unsere so wenig perfekte, angeschlagene, leidende Welt hinein. Nicht wir sollen heile Welt spielen, sondern uns einfach freuen über dieses Geschenk, dass Gott unsere Not sieht und zu uns kommt. Jesus kam damals in einen dreckigen Stall. Er findet auch Platz bei uns, wo alles gar nicht so schön und harmonisch ist wie gewünscht, sondern aus der Ordnung geraten und durcheinander. Wir sollen kein perfektes Fest erträumen, sondern feiern und uns freuen, dass unser liebender Vater im Himmel in unser so von Sehnsüchten und Wünschen getriebenes Leben einkehrt und dort seinen Frieden in unser unruhiges Herz mitbringt. Ja, das ist Weihnachten: Gott strömt Licht in unsere Seele hinein, er erfüllt uns mit einer Freude, die mehr ist als alles was diese Welt uns bieten kann.

Liebe Gemeinde, ich habe heute wieder ein Weihnachtsbild mitgebracht, das ich mit Euch betrachten möchte. Ein Bild der Geburt Christi des katholischen Priesters und Malers Sieger Köder. Dieses Bild hat als Mittelpunkt Maria, die ihr neugeborenes Kind in inniger liebevoller Zuwendung im Arm hält. Was für ein schöner Anblick! Mich hat dieses moderne Krippenbild genau deshalb so sehr angesprochen und fasziniert, weil es Maria nicht wie auf so vielen Krippenbildern eher distanziert zeigt, wie sie den Sohn Gottes in der Krippe anbetet, sondern so, wie jede Mutter es tut mit ihrem Neugeborenen, dass sie es herzt und drückt. Höchst ausdrucksstark sind auch die Farben. Maria ist in ein strahlend blaues Tuch gehüllt, Jesus in weiße Tücher gewickelt.

Können wir uns in Maria hineindenken? Wie geht es Maria nach den dramatischen Erlebnissen vor der Geburt und jetzt zu Weihnachten?  Was für eine Anspannung lag hinter ihr in den letzten Wochen: was für eine Aufregung vor der Reise, welche Sorge hat sie gequält, wo sie wohl ihr Kind zur Welt bringen wird, wieviel Schmerzen hat sie ausgehalten! Und jetzt: ist Weihnachten. Sie hat es geschafft. Aller Druck ist von ihr gewichen. Das Kind ist da und sie ist voller Freude und in ihrem Herzen erleichtert. Dankbar und glücklich drückt sie Jesus, ihr Kind, an sich und küsst es zart. Liebe Gemeinde, ist bei Euch auch der Druck und die Anspannung der letzten Tage und Wochen allmählich abgefallen? Kommt jetzt Frieden in euer Leben hinein? Wir dürfen wie Maria dieses Kind, unseren Christus,  annehmen. Er ist die Quelle des Lichts auf diesem Bild, von ihm geht ein Strahlen aus. Wir brauchen dieses Licht und können Jesus in unser Leben hineinstrahlen lassen. Er durchdringt die Nacht, alle Ängste und Unsicherheit, wie der helle Strahl des Sterns am schwarzen Himmel im Hintergrund hinter dem Stall auf dem Bild von Sieger Köder.  Wir dürfen uns mit großer Freude beschenken lassen. Wie entspannt und wie ruhig sieht Maria auf diesem Bild aus. Ich wünsche mir und ich wünsche Euch, dass der Friede von Christus sich immer mehr in uns ausbreitet, so dass wir zur Ruhe kommen. Ich wünsche uns, dass die Freude uns ansteckt wie Maria.

Maria begreift allmählich, wer dieses Kind ist, das sie da auf dem Schoß hält. Er ist der Sohn Davids, also ein entfernter Nachkomme des großen König David, der rund 1000 Jahre vor Jesus lebte. David ist unten auf dem Bild von Sieger Köder abgebildet, er schaut auf zu ihm, der ihm nachfolgt und viel größer ist als er, obwohl er jetzt noch ein kleines Kind ist. David trägt die Krippe und darauf ist die Inschrift INRI, die wir vom Kreuz her kennen, sie bedeutet: Jesus von Nazareth, König der Juden. Oben im Gebälk des Stalls deuten sich schon die Kreuze von Golgatha an. Dieses Krippenbild ist in Bild großer Harmonie, Freude und inniger Liebe und doch ist Leid und Not nicht ausgeblendet. König David schaut nach oben: in Jesus ist der Messias und Sohn Gottes gekommen, um das Leid und die Schuld der Welt zu tragen und aus aller Not zu retten. Das bedeutet: in Jesus zeigt sich die ganze Laibe Gottes zu den Menschen. Gott liebt uns so sehr, dass er uns ihn geschenkt hat zu Weihnachten. Und das ist das Zentrum dieses Bildes: die Liebe Gottes in Jesus und die Liebe der Maria zu Jesus. Zu Weihnachten geht es um diese innige Berührung.

Ich möchte noch einen Blick auf Joseph werfen. Er liegt oberhalb von Maria im Stall und hat den Kopf zurückgelegt und die Augen geschlossen: er schläft. Ist das nicht wunderbar menschlich? Joseph schläft nach all den Anstrengungen, endlich ist alle Mühe durchgestanden. Wie mag er fühlen: erleichtert, froh, zufrieden? Ja, auch das ist Weihnachten. Mal wieder gut ausschlafen nach all der Aufregung. Liebe Gemeinde: geht es uns ähnlich? Sehnen wir uns auch danach, wieder richtig schlafen zu können? Können wir jetzt mal richtig entspannen und genießen? Das ist eine sehr weihnachtliche Übung. Und doch schläft Joseph nicht nur, er träumt Er träumt und ihm wird ein Weg gewiesen von Gott: er soll mit Maria und dem Kind fliehen vor Herodes nach Ägypten. Gott will Joseph mit Frau und Kind bewahren und führen und durch dieses Kind die Welt retten und die Menschen verändern. Joseph darf träumen und ihm gehen die Augen auf für Gottes Wege und Verheißungen. Ja, und ich wünsche uns auch solche Träume und Visionen, einen solchen klaren Blick für die Gefahren, die uns begegnen und einen Blick für die Wege, die Gott jedem von uns zeigen will. Ergeht es uns wie Joseph? Liegen auch über uns drohende Schatten, neue Herausforderungen und Gefahren? Und hören wir dann auf Gott und lassen uns von ihm leiten? Wir können genausowenig wie Joseph aus eigener Kraft die Gefahren und Hindernisse in unserem Leben bewältigen. Aber Gott wird mit uns gehen, wir dürfen Gott unsere Zukunft anvertrauen.

Dieses Bild spiegelt viel von unserem Weihnachtserleben, von unseren Wünschen und Sorgen. Vor allem aber malt es uns die Liebe vor Augen, die innige Begegnung von Maria und Jesus, die geheimnisvolle Berührung von Gott und Mensch. Können wir das begreifen? Verstehen können wir es nicht. Es ist ein Geheimnis, was zu Weihnachten geschehen ist. Wie können wir es in Worte fassen? Worte reichen nicht, um es zu erfassen. Wie können nur staunend an die Krippe treten wie das Hirtenmädchen rechts und träumen wie Joseph und Jesus unsere Liebe schenken, wie Maria. Das ist es, was uns alle zu Weihnachten fasziniert und anrührt: es geht um die tiefsten Geheimnisse des Menschseins, um unsere Sehnsüchte und Wünsche, und es geht um die Liebe Gottes zur Welt und unsere Liebe zu ihm. Das feiern wir. Das besingen wir. Das schauen wir an in der Krippe. Hier geschieht ein Wunder, weil Gott uns so nahe kommt und berührt. Und wir dürfen ihn wieder lieben. Das ganze Bild von Sieger Köder strahlt im Licht dieses Wunders und der großen Liebe, die wir zu Weihnachten erfahren dürfen. Zum Glück ist Weihnachten noch lange nicht vorbei. Auch wenn nach den Feiertag die Arbeit wieder losgeht. Auch wenn manche schon wieder die Bäume und Stuben abschmücken. Weihnachten geht viel weiter und Gottes liebevolle Berührung auch. Ich wünsche uns, dass der Frieden und die Freude vom Christuskind immer weiter in uns wachsen in den nächsten Tagen und Wochen. Der Segen von Weihnachten sei mit euch und erfülle euch immer tiefer.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserm Herrn. Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

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