Predigt Sommerfest 5.6.2016

Caselwitz, 5. Juni 2016

 

Sommerfest der Kirchgemeinde Caselwitz

„Sommerzeit – Freudenzeit: Eingeladen zur Freude“

Johannes 16, 20-24

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

eine kleine Geschichte am Anfang:

Ein Familienvater kam zu einem Rabbi und klagte ihm sein Leid: „Rabbi,“ rief er, „mein Leben ist unerträglich. Wir wohnen mit sechs Personen in einem Zimmer. Ich, meine Frau, die Schwiegermutter und unsere drei Kinder. Ich halte die Enge und den Lärm einfach nicht mehr aus. Was soll ich nur machen?“ Der Rabbi überlegte und fing an zu reden: „Habt ihr eine Ziege?“, fragte er. „Ja, einen großen Ziegenbock.“ Zufrieden nickte der Rabbi und gab dem Familienvater seinen Rat: „Nimm den Ziegenbock noch mit in euer Zimmer!“ Der Mann war sehr verwundert und äußerte seine Einwände gegen den Vorschlag. Doch der Rabbi blieb bei seinem Rat: „Tu, was ich dir gesagt habe, und komm nach einer Woche wieder!“ Nach einer Woche kam der Familienvater wieder zum Rabbi. Er war vollkommen entnervt und total am Ende. „Wir können es nicht mehr aushalten,“ rief er empört, „der Ziegenbock stinkt fürchterlich. Die Tage sind eine einzige Qual und die Nächte machen wir kein Auge zu durch das Gezeter und Durcheinander.“ Doch der Rabbi gab nur zur Antwort: „Geh nach Hause und stell den Ziegenbock wieder in den Stall. Dann komm nach einer Woche wieder hierher.“ Die Woche verging. Als der Mann wieder beim Rabbi auftauchte, lachte er über das ganze Gesicht: „Das Leben ist herrlich,“ platzte er vor Glück heraus: „Was für eine Freude wir haben! Wir genießen jede Minute. Kein Ziegenbock. Kein Gestank. Nur wir sechs im Zimmer. Was für eine Ruhe! Das Leben ist herrlich!“

Liebe Gemeinde, Freude ist das Thema dieses Gottesdienstes. Und was ist es für eine Freude heute, hier zum Sommerfest in Caselwitz zu sein! Wir könnten klagen. Und wie oft stimmen wir unsere Klagelieder an und tönen in ständigem Gejammer, wie schlecht alles steht. Ich erwische mich selbst jedenfalls immer wieder beim Jammern. Gründe gibt es viele, eigentlich immer ausreichend, um schlechte Laune zu bekommen. Das Wetter, die Nachbarn, die Schule, der Ärger am Arbeitsplatz, die Politik. Da schöpfen wir aus dem Vollen und können so richtig drauflosschimpfen. Alles Mist! Stimmt doch, oder? Und dann, liebe Gemeinde, nistet sich bei mir eine Vorstellung im Kopf ein und setzt sich dort fest, die meine Gedanken und Gefühle gefährlich beeinflusst. Es ist genau die Vorstellung, die dem Familienvater aus unserer Geschichte das Leben so schwer machte. Und diese Vorstellung geistert überall durch Europa und hat unzählig viele Menschen in Deutschland im Griff. Und wir alle sind in großer Versuchung, jeden Tag neu selbst in diese Falle zu tappen und dieser Wahnidee auch in unserem Kopf Platz zu machen. Es ist die verrückte Idee, dass man Freude nur dann findet, wenn alles so ist, wie wir uns das wünschen, wenn alles richtig passt. Freude stellt sich dann ein, so denken sie, wenn ich genügend Geld habe, wenn ich den Traumberuf habe, wenn ich die perfekte Frau oder den perfekten Mann gefunden habe, wenn ich keine Krankheit mehr habe und kerngesund bin, wenn ich endlich meine Ruhe habe und niemand mir Ärger macht. Diese Geschichte von der Familie mit der Ziege im Haus ist so wunderbar und ich liebe sie einfach, weil sie uns so überdeutlich zeigt: wenn du darauf wartest, dass alle Umstände in deinem Leben vollkommen gut sind und kein Störfaktor mehr da ist, der dir Ärger bereitet, dann wirst du dich niemals freuen. Denn diesen Zustand, dass alles perfekt für dich passt, den wirst du nie finden. Freude, das lernen wir durch diese verrückte Ziegengeschichte und den weisen Rabbi, Freude ist im Grunde für jeden zu finden, ob arm oder reich, ob alt oder jung, ob wir gerade viele Hindernisse und Ärgernisse im Leben haben oder es halbwegs glatt läuft, Freude findet man mit der richtigen Einstellung. Freuen kann sich auch der, der ein schweres Leben hat oder krank ist oder viele Sorgen hat. Freude kann man lernen. So wie der Familienvater mit den 6 Menschen in einem Zimmer am Ende gelernt hat sich zu freuen. Freude ist eine Sache des richtigen Blickwinkels und der Lebenseinstellung. Freuen kann man sich auch in einer Situation des Leidens. Ich erinnere mich, als ich Anfang Januar mit den Kindern in der Gemeinde zum Sternsingen unterwegs war, da haben wir manche alte und kranke Menschen zu Hause besucht und für sie gesungen und ihnen den Segen gebracht. Die waren ganz bestimmt über ihre Lebenssituation nicht glücklich und ihnen ging es nicht gut. Aber dass die Kinder zu ihnen kamen als kleine Könige mit ihrem Stern und für sie persönlich sangen, das hat manchen zu Freudentränen gerührt. Ich musste immer wieder den Kindern erklären, dass sie nicht weinten, weil sie so traurig waren, sondern, weil sie sich so extrem freuten. Freude, echte tiefe Freude gibt es auch mitten in sehr schweren Lebensumständen und im Leid. Und Freude ist auch eine Folge, sogar eine der wichtigsten Folgen, wenn wir an Gott glauben. Denn niemand ist ein besserer Lehrer im Fach Freude als Jesus Christus. Sobald wir uns auf Jesus einlassen und sagen: >ich möchte mit Jesus leben und ihm nachfolgen<, dann wird Jesus Christus alles daransetzen, damit dein Leben von großer tiefer und bleibender Freude erfüllt wird. Denn Jesus hat es selbst deutlich gesagt und das sollten wir niemals vergessen, liebe Gemeinde, wir sollten es uns tief ins Herz schreiben: Jesus sagt: Ich bin gekommen und lehre euch, „damit meine Freude euch ganz erfüllt und eure Freude dadurch vollkommen wird.“ (Joh. 15, 11) Jesus ist unser Trainer, der uns nicht Fußballspielen beibringen will, ja das wäre vielleicht auch nett, aber nein, er trainiert unsere Fähigkeit zur Freude. Jesus erzählt ständig Geschichten, Gleichnisse vom Himmel, vom Reich Gottes, und er macht deutlich: im Himmel ist große Freude und die fängt genau jetzt und hier an auf der Erde in deinem Leben. Jesus lädt uns ein zur Freude. Warum? Weil er sehr genau weiß, wie sehr wir noch mitten in schwerem Schlamassel sitzen, von Ängsten und Sorgen geplagt sind, wie finster und traurig unser Leben aussieht. Aber das muss nicht so bleiben. Der Familienvater mit der sechsköpfigen Familie und dem Ziegenbock entdeckte die Freude und erkannte, dass sein Leben in aller Armut und Enge herrlich ist. Das kann nicht nur er. Auch ich und du. „Dietrich Bonhoeffer sagte: „Du hast eine glückliche Anlage in dir: du kannst dich freuen. Freue dich, soviel du kannst; Freude macht stark.“ 

Freude ist die Bestimmung unseres Lebens. Gott hat uns dazu gemacht, dass wir uns freuen. Als Gott die Welt geschaffen hat, so lesen wir in der Bibel, so hat er sich zuerst und immer wieder an der Schöpfung, an Pflanzen und Tieren erfreut und gesagt: „Siehe, es ist gut.“ Und als er den Menschen geschaffen hat, sagt Gott: „Siehe, es ist sehr gut.“ Wenn wir ein neugeborenes Kind sehen, in den Kinderwagen hineinsehen, dann  ist die spontane und natürliche Reaktion: wir lächeln und freuen uns über dieses kleine Menschenleben. Und am Ende unseres Lebens, wenn wir sterben und diese Erde verlassen müssen, dann gibt uns Jesus die Verheißung, dass wir mit ihm und durch ihn in den Himmel kommen, in den Raum der vollkommenen und ungetrübten und nie mehr endenden Freude. Freude ist deine ewige Bestimmung, das Ziel deines Daseins. Und deshalb sollten wir jetzt schon so viel wie möglich uns einüben in die Freude. Wir sind also eingeladen zur Freude.

Aber mal ganz praktisch: wie gelingt es denn, wenn uns ein Glas Honig runtergefallen ist und nun müssen wir den Schmierkram aufwischen, oder wenn das Auto nicht anspringt, obwohl wir einen wichtigen Termin haben, wenn schon wieder unser Kind oder der Opa krank ist, wenn uns der Kopf brummt und wir nervös werden und schreien könnten oder der Kopf platzen könnte – wie sollen wir im Alltag denn bitte Freude finden? Wir alle wissen: es ist so schwer! Und das bisschen Freude, das wir haben, geht rasend schnell verloren. Geht es euch nicht auch oft so? Lichtstrahlen kommen durch Fensteröffnungen in unser Haus. Also: Fenster auf für die Freude! Lass Sonnenstrahlen der Freude in dein trauriges gestresstes und finsteres Lebenshaus! Wie? Ich beginne den Tag mit einem Gebet, lese ein Bibelwort. So schickt Gott die ersten Sonnenstrahlen in meinen Alltag. Ich bin im Auto unterwegs. Eigentlich habe ich keine Zeit. Aber dann sehe ich die Sonne durch die Wolken blitzen. Feuerrot leuchtende Mohnblumen stehen am Feldrand. Und schlagartig macht mein Herz einen Freudensprung. Die Natur, liebe Gemeinde, begeistert mich, sie bringt ein unglaubliches Maß an Freude, an Staunen, an Wunder in mein Leben. Wo ich einen Moment zwischendurch im Garten stehe und Blumen und Bäume, Wolken und Vögel betrachte, wo ich beim Autofahren aus dem Fenster sehe, flutet tiefe Freude in mein Leben hinein. Das war schon immer so. Und ich bin fest überzeugt: Gott hat die Natur genau so gemacht, damit wir einfach kostenlos und jederzeit ein riesiges Potenzial zur Freude haben. So steht es im Kampf Freude gegen Traurigkeit wieder 2:1 – Halbzeitstand. Es kommen im Tagesverlauf weitere Tiefschläge, die mich innerlich angreifen, verunsichern, meine Stimmung herunterziehen. Doch dann bekomme ich eine Umarmung durch meine Frau und meine Kinder, einen freundlichen Gruß oder Anruf eines Freundes. Das bewirkt kleine Explosionen der Freude in meinem Herzen. Ich höre eine Musik, die mich berührt. Ich singe mit, lobe Gott mit meiner Stimme. Freudentöne entzünden mein Herz mit Begeisterung. Und ich kann viel tun im Tagesverlauf, was meine Freude steigert. Wenn ich mit anderen teile und abgebe, Menschen beschenke, dann kommt große Freude in mein Leben. Ein Lob für einen Mitmenschen bringt mir ein Plus an Freude. Wenn ich mich an Gott erinnere und daran denke, dass er bei mir ist, dann wird meine Freude tief und weit in mir. Ich lächle voller Glück, weil ich weiß, ich bin geborgen in Gottes Hand und er ist als mein guter Hirte immer neben mir. So kann trotz heftiger Angriffe und Gegentore am Ende die Freude in meinem Alltag die Oberhand behalten und die entscheidenden Siegtreffer erzielen. Es steht 5:4 für die Freude. Sie hat sich durchgesetzt. Freude bedeutet nicht Gier oder Betäubung, sondern: ich lasse mich im Laufe des Tages von Gott beschenken und nehme den Augenblick bewusst wahr, wieviel Gutes Gott mir immer wieder den ganzen Tag über tut. Und dann gibt es noch eine Tür, durch die in großem und sehr starkem Maße Freude in unser Leben kübelweise in unser Leben hineinströmt. Das Feiern. Jesus hat wahnsinnig gerne und oft gefeiert. Er hat den Himmel beschrieben wie ein großes wunderbares Fest. Wenn wir feiern, dann bekommen wir einen Vorgeschmack auf den Himmel, dann testen wir, wie Gottes Freude sich anfühlt auf dieser oft so freudlosen und stressigen und schmerzgezeichneten Welt. Deshalb feiern wir in der Kirche so gerne und viel. Und so ist dieses Sommerfest unserer Gemeinde eine große Einladung zur Freude, zum Einüben in die Melodie der Freude, damit sie bis in jeden Winkel unseres Lebens sich ausbreitet und einen großen Platz in uns bekommt. Wirf den alten Ziegenbock der schlechten Laune aus deinem Lebenshaus! Und entdecke: das Leben ist herrlich, es ist eine große Freude. Denn Gott hat deinem Leben das Ziel und die Bestimmung gegeben, dass es immer mehr mit Freude durchflutet wird. Das hat Jesus dir versprochen. Das ist sein Wille für dich, jetzt schon, und erst recht in Ewigkeit. Gott sei Lob und Dank. Darum: lass dich einladen zur Freude und feiere mit! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserm Herrn. Amen. 

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50