Predigt Silvester 31.12.2013

Hohndorf und Caselwitz, 31. Dezember 2013

 

Silvester

Jahreslosung 2014

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

Die Jahreslosung für das neue Jahr 2014 steht im Psalm 73 und lautet: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“

 

Liebe Gemeinde,

wie oft haben wir schon anderen Menschen Glück gewünscht, zum Geburtstag oder zum jetzt in diesen Tagen neuen Jahr? Glück zu haben und glücklich zu sein, ist ein Wunsch, der alle Menschen vereint.  Wir sind alle auf der Suche nach unserem Lebensglück. Und wie über alle zentralen Lebensfragen finden wir natürlich auch zum Glück des Lebens in der Bibel wegweisende Gedanken.

Der Psalm 73, aus dem die Jahreslosung für 2014 entnommen ist, steht ganz unter dem Thema „Lebensglück“. Der Psalmbeter, der hier über sein Leben nachdenkt, hat ein Problem, das auch heute noch viele Menschen beschäftigt: er beobachtet Menschen, die glücklich in dieser Welt und reich sind, denen es gut geht und die es sich gut gehen lassen und dabei den lieben Gott einen frommen Mann sein lassen und sich um ihn nicht kümmern. Sie benehmen sich stolz, egoistisch und rücksichtslos – und sind dabei offenbar erfolgreich und glücklich. Wie kann das sein, fragt sich der Beter empört. Müsste Gott nicht den Gottlosen das Glück wegnehmen und es stattdessen den moralisch Anständigen und den frommen gottesfürchtigen Leuten schenken?

Und so stehen wir zusammen mit dem Psalmbeter Israels vor dieser uralten und immer wieder aktuellen Frage: was ist überhaupt Lebensglück? Was fällt mir ein, wenn ich höre, dass einer Glück hat? Jemand fährt in den Urlaub – der Glückliche! Jemand hat großes Glück gehabt und beim Preisausschreiben oder sogar beim Lotto einen Hauptgewinn gemacht. Jemand hat Karriere gemacht oder ist berühmt geworden und hat ausgesorgt für sich und seine Familie, jemand kann sich alles leisten, was er wünscht. Doch obwohl der zweifellos als glücklich gilt, der so lebt, fragen wir uns dennoch: ist das wirklich Glück? Ich habe neulich mit meinen Schülern in der Grundschule, übrigens mit Religions- und Ethikkindern allen zusammen, weil eine Lehrerin krank war, darüber gesprochen, ob Geld und Reichtum glücklich macht und die übereinstimmende Meinung der Kinder war: nein, nicht dauerhaft und wirklich glücklich. Denn zum Glücklichsein, so sagten die 9-jährigen Schüler, gehört Dankbarkeit, Zufriedenheit und vor allem Menschen, mit denen man sich gut versteht. Liebe Gemeinde, wir alle haben das Gespür tief in uns, dass Glück nicht im Besitzen von Reichtümern liegt, obwohl alle Welt dem Geld und dem Rum nachläuft und diese Menschen bewundert und verehrt. Welches sind die glücklichsten Menschen, die ich getroffen habe? Ich bin in Hamburg-West aufgewachsen in der Wohngegend mit einem der höchsten Anteile von Millionären in der EU und glaubt mir: ich habe kaum irgendwo anders so viel Unzufriedenheit und verkniffene gestresste Gesichter gesehen wie dort. Die Menschen, die auf mich den entspanntesten und glücklichsten Eindruck machten, habe ich in Afrika gesehen, sie strahlten, obwohl äußerlich äußerst arm und bescheiden lebend, eine unglaublich ansteckende pure Lebensfreude aus, sie tanzten und sangen aus Herzenslust, so dass dieses Glück einfach ansteckend war für jeden, der es sah. Das Streben nach immer mehr, die ruhelose Jagd nach Besitz und Wohlstand, die angespannte Suche nach Bedeutung und Ansehen und einer Absicherung des eigenen Glücks geht offenbar am eigentlichen Ziel vorbei.

Wissenschaftler haben Nachforschungen angestellt, welche Menschen sich selbst als glücklich und zufrieden bezeichnen. Dabei fanden sie heraus: am glücklichsten sind Menschen mit liebevoller Familie, guten Freunden, stabilen Beziehungen, solche Menschen, die sich geliebt wissen. Unter den Europäern haben Dänen das größte Glücksgefühl – die Wissenschaftler sehen den Grund darin, dass sie auffallend  niedrige materielle Ansprüche haben und eine sehr soziale Gesellschaft sind. Auch die Südeuropäer tendenziell zufriedener als die Mitteleuropäer, weil für sie Zusammensein mit Freunden, Geselligkeit, Austausch und Familie eine extrem wichtige Rolle spielen. Fazit: menschliche Nähe macht glücklicher als Besitz oder Erfolg, Dankbarkeit und Zufriedenheit mehr als Reichtum.

Heinrich Böll schilderte eine Begegnung zwischen einem reichen Touristen und eine einheimischen Fischer in einem Urlaubsland. Der ärmlich gekleidete Fischer schläft am Rand des Hafens und wird durch das Klicken des Fotoapparates eines Touristen geweckt. Anschließend fragt der Tourist den Fischer:  warum sind Sie denn nicht draußen auf dem Meer und fischen? Heute ist doch so ein schöner Tag, um einen guten Fang zu machen. Es gibt doch da draußen viele Fische. Der Fischer antwortet: Ich bin heute schon draußen gewesen und habe so gut gefangen, dass es mir für die nächsten Tage noch reicht. Der Tourist schlägt dem Fischer vor: Aber sie können doch heute noch zwei-, drei- oder gar viermal hinausfahren und viel mehr Fische fangen und wenn sie das immer so machen dann könnten Sie ein größeres Boot und dann eine kleine Fangflotte und schließlich ein ganzes Fischunternehmen aufbauen und könnten dieses Wachstum schließlich immer weiter steigern, bis Sie sogar das Ausland mit seinem Fisch beliefern könnten. Und was dann? fragte der Fischer zurück. Danach, antwortete der reiche Tourist, hätten Sie genug verdient, um einfach am Hafen sitzen und sich ruhig entspannen zu können. Der Fischer antwortet etwas verwundert: Genau das tue ich doch jetzt schon.

Der große Kirchenlehrer Augustinus, der vor 1600 Jahren lebte und sich jahrelang mit der Frage nach dem Lebensglück beschäftigte und darüber ein Buch schrieb, hatte eine ähnliche Begegnung mit einem Bettler, der glücklich auf der Straße saß und sang. Was hat er, was mir fehlt, fragte sich Augustinus. Schließlich kam er auf der Suche nach dem Glück zu dem Schluss, dass er nur bei Gott, dem Höchsten in der Welt, die vollkommene Liebe und das vollendete Glück finden könne. Das Fazit seiner jahrelangen Suche lautete: „Unruhig ist das Herz des Menschen, bis es in Gott Ruhe findet.“ Die Nähe Gottes, die Geborgenheit in seiner Hand, der Kontakt mit ihm in Gebet und Meditation ist für ihn die größte Quelle des Glücks.

Ein Mann fuhr mit der Bahn und setzte sich neben einem Mann, der auf seinem Laptop-Computer tippte. Dabei bemerkte er, dass auf dem Desktopbild ein kleiner Junge von etwa 3-4 Jahren zu sehen war. Nach einer Weile kamen die beiden ins Gespräch und der Mann mit dem Laptop teilte stolz mit, dass das ein Bild von seinem Sohn sei. Er fing an, von seinem Sohn zu erzählen und hörte gar nicht wieder auf, eine halbe Stunde lang redete er mit wachsender Begeisterung. Am Ende fragte ser andere zurück, wann er denn seinen Sohn zuletzt gesehen habe. Der Antwortete: erst heute Morgen, aber ich habe schon jetzt wieder Sehnsucht und vermisse ihn.

Liebe Gemeinde, haben wir eine Ahnung davon, wie Gott für uns, seine Kinder, fühlt? Er denkt unablässig an uns. Er hat sozusagen unser Bild in seinem Portemonnaie oder auf seinem Laptop. Er ist mit seinen Gedanken immer bei uns und sehnt sich nach uns und möchte endlich wieder mit uns zusammen sein.

Gott nahe zu sein, ist unser Glück. Diese Nähe Gottes, ist nicht irgendein Nebensatz, nein, es ist die häufigste und zentralste Zusage der Bibel: „Fürchte dich nicht! Ich bin bei dir, ich bin dir nahe!“ Das verkündet Gott unzählige Male immer wieder den Menschen und wir lesen es in der Bibel. Auf diese Zusage der Nähe Gottes gründen sich alle anderen Spitzensätze der Bibel, die so zentral und wichtig sind: Gott vergibt uns. Weil wir ihm so wichtig sind und er uns nahe ist, deshalb darf keine Sünde uns trennen von ihm, er vergibt uns. Und weil er so eng mit uns verbunden ist, kann auch der Tod uns nicht von ihm trennen: er schenkt uns das ewige Leben in Gottes Nähe in Gottes Himmel. Diese Verheißung der Nähe Gottes ist es, was den Psalm 23 zum Lieblingspsalm zahlloser Menschen macht, diese konzentrierte Zusage Gottes, immer für uns zu sorgen in Liebe und Güte und immer an unserer Seite zu bleiben: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“ Das trägt uns Christen durch unser ganzes Leben. Genau in diesem Vertrauen und dieser Geborgenheit bei Gott liegt unser ganzes Glück. Er ist immer nahe, auch in den schwersten Stunden noch. Seit Anbeginn der Schöpfung ist das Gottes Ziel, denn er hat uns Menschen geschaffen als Ebenbild und Gegenüber Gottes, er hat uns geschaffen, dass wir Gott ähnlich sind und ihn suchen mit Sehnsucht und Verlangen. Gottes Nähe ist mit Händen greifbar geworden in Jesus Christus, seinem Sohn. Der ewige Gott ist Mensch geworden, auf die Erde gekommen, als ein kleines Kind in einem Stall geboren: das ist der Beweis und die Offenbarung seiner äußersten Sehnsucht nach Nähe zu uns Menschen. Und deshalb heißt dieser Sohn Gottes: „Jesus“, also „Gott rettet“ und er wird „Immanuel“ genannt bei Matthäus, das heißt übersetzt: „Gott ist mit uns“. Die ganze Geschichte Gottes ist voller Zeichen seiner Nähe: die Stiftshütte, die Wolken- und Feuersäule, der Regenbogen, die Sterne am Himmel, aber diese Geschichte mit den Menschen läuft hinaus auf das Größte, was Gott verschenken kann: seinen Sohn und mit ihm sich selbst, damit überwindet er alle Grenzen und Hindernisse, er will eins werden mit uns. Das ist das Ziel der Geschichte, diese Nähe des Allmächtigen mit uns Menschen. Und Jesus beschenkte die Menschen mit einer für damalige Verhältnisse völlig unerhörten und umwerfenden Nähe und Zuwendung, die er den Menschen schenkte, er machte sie zu Kindern Gottes und zu seinen Brüdern und Schwestern.

Nun lebt Jesus aber nicht mehr unter uns, wir können ihn nicht anfassen, ihn nicht sehen, seine Nähe nicht spüren. Deshalb frage ich: wie haben wir Teil an dieser Nähe Gottes? Wie erlebt man das? Jeder von uns weiß: natürlich kommen wir Gott nahe durch den Gottesdienst, durch die Musik, durch Gebet, vielleicht besonders durch Weihnachten, aber scheinbar haben alle Menschen eine dünne Stelle, wo diese Wahrheit in jedem Moment des Alttags durchbrechen kann. Dies passierte einem französischen Kommunisten, der als Atheist in eine Kirche in Paris hineinging und 5 Minuten später als Christ wieder herauskam, einfach weil er in einer Kerze auf dem Altar Gott selbst sah und ihm begegnete. Besonders offen für die Wahrheit Gottes sind von Natur aus Kinder. Das zeigte sich an einem Kleinkind, dessen atheistischer Vater seine Tochter die atheistische Weltentstehung zu erklären versuchte, alles logisch erklärbar ohne einen Schöpfer, bis sie nachfragte und er zugab, dass einige Leute daran glauben, dass Gott der Schöpfer der Welt sei. Da sprang sie jubelnd auf und tanzte durchs Zimmer und rief: „Ich habe es immer gewusst: er ist es, er ist es, er hat uns gemacht!“ – Woher weiß das, ein Kind?

Liebe Gemeinde, wir haben nur wenige lichte Momente, wo das Licht Gottes so direkt hindurchstrahlt, meistens ist Gottes Gegenwart in unserm Leben mehr wie ein Hintergrundlicht, das indirekt unser Leben hell macht, eine Grundmelodie, die leise irgendwo unter allem Lärm des Alltags immer mitsummt. Wir ahnen nur die Nähe Gottes und oft zweifeln wir daran, spüren manchmal nur die erschreckende Leere und furchterregende Dunkelheit. Die vollkommene Nähe Gottes werden wir erst in Gottes Reich erfahren, wenn er uns in den Himmel heimholt. In der Bibel konnten nur sehr wenige Menschen Gott sehen, seine unmittelbare Nähe spüren, einen Moment lang einen kleinen Vorgeschmack des Himmels erfassen. Diese Ausnahmen zeigen nur umso deutlicher: jetzt ist die Zeit des Hoffens und Glaubens, nicht des Sehens, aber am Ende wartet auf uns die Nähe Gottes, die so überwältigend schön sein wird, dass es alle Vorstellungen übersteigt. Menschen, die einen Moment lang Gottes Nähe und Gegenwart unmittelbar gespürt haben, und ich kenne einige, für die ist dies der absolut größte Glücksmoment ihres Lebens gewesen. Auf uns wartet unfassbares Glück im Himmel und es besteht darin, Gott nahe zu sein. In der Johannesoffenbarung wird der Himmel mit diesen Worten umschrieben: „Und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein.“

Gott macht uns in der Schöpfung zu seinen Partnern. In Jesus macht er uns zu seinen Kindern, zu Brüdern Jesu Christi, zu seinen Freunden und Gefährten. Diese enge Gemeinschaft mit ihm, die Geborgenheit in ihm, das Zusammensein mit ihm, ist unsere Bestimmung und unser Glück.

Ich möchte zum Schluss ein Bild betrachten zur Jahreslosung 2014. Hier zeigt uns der Künstler eine Stelle, wo wir in besonderer Weise Gottes Nähe erfahren: der Kelch mit den Trauben deutet hin auf das Heilige Abendmahl. Hier, so sagt uns Jesus, gibt er sich selbst in Brot und Wein, hier können wir ihm leibhaftig begegnen, indem wir miteinander essen und trinken in seinem Namen und seine Gnade empfangen, indem wir einfach die Hände öffnen und uns aus der Lebensfülle geben lassen. Wir sehen links oben aus dem Holz der Rebe und dem senkrechten Holz das Kreuz Jesu angedeutet mit einem Blutstropfen daran, der an das Opfer Jesu erinnert: er gab sein Leben für uns. Im Abendmahl treten wir in Gottes Gegenwart und er sagt uns zu, dass uns nichts mehr von ihm trennt und dass er uns nahe ist. Das feiern wir und bekennen wir. Es ist mehr, als wir mit dem Verstand begreifen und fühlen, aber es ist gewiss für uns, weil wir es hören im Wort und schmecken in Brot und Wein. Es ist ein heiliges Wunder, das uns tiefer ins Herz dringt, je mehr wir uns dafür öffnen. Diese Nähe Gottes, gilt nicht nur für das Abendmahl, sondern für unser ganzes Leben.

Wer die Nähe Gottes so erlebt und feiert und darauf hofft und zugeht, dass er am Ende in die vollkommene Nähe und das totale Glück im Himmel eintauchen wird, ein solcher Mensch kann eigentlich nicht mehr anders als nun ebenfalls seinen Mitmenschen Nähe zu schenken. Ich bin sicher: für uns wird das neue Jahr 2014 eine Vielfalt an Möglichkeiten bieten, unseren Mitmenschen Nähe zu schenken und spannende Entdeckungen machen, wie Gott an den dünnen Stellen hindurchbricht in unser Leben und uns spüren lässt, wie sehr er uns liebt und wie reich er uns beschenken will. In diesem Sinne wünsche ich ein glückliches und gesegnetes Jahr 2014!

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserm Herrn. Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

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