Predigt Silvester 31.12.2012

Caselwitz, 31. Dezember 2012

 

Altjahrsabend

Jahreslosung Hebräer 13, 14

 

Liebe Gemeinde,

ich möchte die schöne Tradition fortsetzen, im Silvestergottesdienst uns mit der neuen Jahreslosung fürs kommende Jahr vertraut zu machen. So hören wir jetzt die Jahreslosung für das neue Jahr 2013: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

 

Liebe Gemeinde, von einer Stadt ist die Rede. Stellen wir uns einmal möglichst lebendig eine Stadt in früherer Zeit vor. Von außen war sie von allen Seiten von einer hohen Stadtmauer umgeben. Durch die Stadttore konnte man hinein- und hinausgehen. Am Abend wurden die Tore verschlossen und von Wachen bewacht. So war eine Stadt früher ein Ort des Schutzes und der Sicherheit. Der Hebräerbrief ist eine Predigt. Der Prediger, der den Hebräerbrief verfasst hat und dessen Namen wir leider nicht kennen, malt uns  ein sehr eindrucksvolles Bild vor Augen: wir können nicht in der Sicherheit und Geborgenheit der Stadt bleiben hinter den Stadtmauern und von Soldaten oder Nachtwächtern sicher behütet. Nein, wir müssen hinausziehen aus dem Stadttor  hinaus und uns in die unsichere und gefährliche Zone draußen begeben, wo wir ungeschützt und ausgeliefert sind den Feinden und den Naturgewalten und wilden Tieren.

Hiermit wird eine unter uns heute in Deutschland sehr verbreitete Furcht berührt. Wir Deutschen sind Sicherheitsapostel. Wir wünschen uns kaum etwas so sehr, als dass wir uns wirksam schützen vor Krankheit, Gefahr, Unfall oder Verlust. Hauptsache, die Angelegenheit ist sicher und ungefährlich, so lautet das Motto, wenn wir etwas Neues angehen. Und gilt das auch für das neue Jahr? Und wie! Wenn wir uns Glück wünschen für 2013, dann ist vor allem anderen gemeint: dass nur nichts passiert! Zukunft ist vor allem deshalb für uns immer  mit dem Gefühl der Unsicherheit verbunden, weil wir nicht wissen, was passieren wird. Diese Unsicherheit ruft Angst hervor: wir nennen sie Zukunftsangst. Und wie unsicher die Zukunft ist, das spüren wir immer deutlicher.  Wir alle fragen uns: was kommt wohl 2013? Was ist denn noch sicher? Der Arbeitsplatz? Die Finanzen unseres Staates und unserer Kommune? Die Rente, die Versicherungen? Die Gesundheit? Die Familie und Partnerschaft? Wir wissen, wie schnell sich all dieses verändern kann und wie brüchig diese Sicherheiten sind. Wir können niemals sagen: ich bin sicher vor Unglück und mir kann nichts passieren. Denken wir einmal die letzten 12 Monate zurück: haben wir nicht immer wieder gespürt, wie zerbrechlich alles ist? Was wir sicher glaubten, hat erheblich gewankt, manches ist zerbrochen. Diese Sicherheiten sind letzten Endes so wenig beständig wie eine Sandburg. Der Prediger des Hebräerbriefes hat also vollkommen recht, wenn er sagt: wir haben hier keine bleibende Stadt, und das bedeutet: wir haben keine Garantie und Sicherheit für unsere Gesundheit, für unser Leben, für unser Glück und Wohlergehen. Er hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

Liebe Gemeinde, nun könnte man ja sagen: wir als Christen haben es aber noch besser als andere: denn wir stehen ja unter Gottes Schutz, er wird uns schon behüten. Ja, das ist wohl wahr: wir beten um Gottes Schutz, wir stellen uns auch heute wieder unter Gottes Segen und ich bin überzeugt: das ist wichtig und hilft uns. Aber wir müssen auch wissen: Gott packt uns nicht in Watte oder einen Sicherheitspanzer, so dass uns nie irgendwas passiert. Warum eigentlich nicht? Darauf gibt der Hebräerbrief eine ganz einfache Antwort, die wir aber nicht so leicht schlucken, sondern an der wir ein Leben lang zu knacken und zu lernen haben: unser Herr ist Jesus Christus und auch er ist draußen vor die Stadt gegangen, raus aus der Sicherheitszone, er ging auf manchmal sehr unbequemen und steinigen Wegen, er ging durch Leid und den Tod. Sollten wir nicht mit ihm gehen aus der Sicherheitszone in die Abenteuer und schmerzvollen Erfahrungen, die Gott uns zumutet?

Ich möchte, dass wir diese Botschaft ganz klar verstehen und lese deshalb die Worte vor, die unserer Jahreslosung unmittelbar vorausgehen:  „…Auch Jesus hat außerhalb des Stadttores gelitten, denn durch sein eigenes Blut wollte er das Volk heilig machen. Lasst und deshalb zu ihm hinausgehen vor das Lager und die Schande auf uns nehmen, die er zu tragen hatte.“

Liebe Gemeinde, dieser Vergleich mit Jesus Christus, dass wir den gleichen Weg gehen wie er, ist außerordentlich wichtig. Denn wir zweifeln schnell und fragen uns, wenn wir in harte Zeiten geraten: warum passiert das? Hat Gott uns vergessen? Liebt er uns nicht mehr? Aber diese Zweifel lösen sich sofort in Luft auf, wenn uns deutlich wird: Jesus ist genau den gleichen Weg gegangen wie ich und man könnte ja niemals auf den Gedanken kommen zu sagen: Gott hat Jesus vergessen oder er hat ihn nicht mehr geliebt. Nein, sondern genauso wie der Weg Jesu ans Kreuz, in den Tod, einen Sinn hatte, und dort nicht endete, sondern zur Auferstehung führte, so endet unser Weg ja nicht im Leid, sondern ist nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum Himmel, zur zukünftigen Stadt, wie es der Hebräerbrief so schön formuliert.

Glaube an Gott und mit Jesus gehen bedeutet also: sich nicht auf die Sicherheiten dieser Welt verlassen, sein Leben nicht auf Geld, Besitz, Versicherungen, medizinische Künste usw. bauen, sondern für die unsichere Zukunft auf Gott vertrauen. Glaube heißt: ich bin bereit, den Weg hinaus in die ungeschützte Region draußen vorm Tor zu gehen. Denn Jesus unser Herr ist den Weg hinaus gegangen und hat das Leid auf sich genommen, Das bedeutet: auch wir müssen mit Unsicherheiten und unangenehmen Erfahrungen leben. Trotz aller guten Wünsche wird auch 2013 kein sorgenfreies und rundum hervorragendes Jahr, sondern ein schwieriges Abenteuer, das uns viel Kraft und Mut abverlangt, uns niederwirft und wieder neuen Auftrieb bringt. Wir können als Christen nicht Jesus draußen vors Tor ziehen lassen, ihn den Kreuzweg gehen lassen, ihn zu den Bettlern und Kranken und Leidenden hinausgehen lassen und wir machen es uns drinnen hinter den Stadttoren gemütlich und schön. Nein, wir müssen mitgehen, wir müssen mitleiden, wir müssen aufbrechen und uns einlassen auf den Weg, den Jesus für uns bereit hält, mit allen Freuden und allen schmerzhaften Erfahrungen im Jahr 2013!

Wenn ich den Satz höre „wir haben hier keine bleibende Stadt“, muss ich daran denken, was meine Mutter in ihrer Heimatstadt erlebte. Sie hat 1943 im Bombenangriff auf ihre Stadt ihre Wohnung verloren, alle Habe war von jetzt auf gleich weg, sie hatte keine Bleibe mehr, das ganze Stadtviertel lag in Trümmern, die Kirche war ein Schutthaufen, ihr Mann war im Krieg gefallen. Das hieß: alles, was Sicherheit und Halt gab, war weg. Das kann es also bedeuten: wir haben hier keine bleibende Stadt. Aber das war eben nicht das Ende, es heißt ja auch im Bibelwort: die zukünftige Stadt suchen wir! Und ja, es war nicht vorbei, sondern Gott ging mit ihr durch die schwere Zeit, er gab ihr Kraft und Mut, an seiner Hand konnte sie weitergehen und fand großen Segen, eine neue Familie, ein neues Zuhause, neues Glück und sich so auf Gottes Wege einlassen war viel größer und segensreicher als alle Sicherheiten dieser Welt – ich habe sie als sehr gläubige Frau erlebt, die immer vorwärts schaute in die Zukunft, nie zurück auf das Verlorene.

Es ist schwer zu akzeptieren, die Vergangenheit zurückzulassen, manchmal ist das Neue, die Zukunft so befremdlich und schwer – und uns ist gar nicht danach zumute zu sagen: die zukünftige Stadt suchen wir. Aber die Jahreslosung gibt uns ein Halteverbot: wir können nicht stehen bleiben, wir müssen aufbrechen. Den Mut dazu bekommen wir, wenn wir darauf vertrauen, dass Gott mit uns geht und unser Leben und unsere Zeit in seiner Hand sind. „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird´s wohl machen!“ Ich bin manchmal noch verliebt in die Vergangenheit und Gegenwart und wünschte, alles könnte so schön bleiben. Aber ich will mich nicht durch Angst bestimmen lassen. Ich möchte lernen, mehr auf Gott zu vertrauen und was er mit mir vorhat. Wir dürfen mutig und erwartungsvoll nach vorn blicken. Wir wissen, wem die Zukunft gehört: Gott. Wir wissen, wer mit uns geht: Jesus. Wir wissen, dass wir am Ende in die zukünftige Stadt gelangen: in die Sicherheit, Geborgenheit und den ewigen Frieden des Himmels. Diese Perspektive gibt uns Mut für den nächsten Schritt. Als Christen haben wir einen weiten Horizont und wir wissen, was hinter dem Horizont auf uns wartet, dort kommt helles Licht, wie in der Morgendämmerung. Da kann man mit neuer Kraft aufbrechen, wenn man weiß, es wartet die Heimat.

Liebe Gemeinde, ich möchte in den nächsten Tagen und Wochen mir immer wieder ein paar Augenblicke Zeit nehmen für die Jahreslosung. Ich möchte mich durch dieses Wort ermutigen lassen und den Blick vorwärts richten: was erwarte ich von der Zukunft, konkret von den nächsten Monaten? Was macht mir Mut und Hoffnung? Woran will ich mich aufrichten? Und an welcher Stelle will ich Kraft tanken? Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Das ist so ermutigend! Denn ich weiß ganz genau: diese Welt kann mir niemals letzten Halt geben. Wie gut, dass diese Stadt, in der wir leben, nicht das einzige ist, woran wir uns festhalten: diese Zeit ist manchmal verrückt und es ist gut sich noch nach etwas anderem auszustrecken: Gott hat eine viel bessere Zukunft für uns bereit, als wir es glauben und ahnen. Ich bin froh, dass ich eine Hoffnung habe, die größer ist als diese Welt. Mein Blick geht auf Christus: durch dick und dünn geht er mit uns und hat viel vor mit uns!

Die Jahreslosung 2013 ist ein sehr starkes und ehrliches Wort, weil sie uns keine Illusionen macht. Uns wird nicht versprochen, dass alles einfach und schön wird. Sie bereitet uns sehr realistisch vor auf das, was kommen kann. Dafür liebe ich diese Jahreslosung. Aber ich liebe sie noch mehr, weil sie ein Wort ist, das uns Mut macht, unseren Blick auf das richtet, was wirklich hält und trägt: Jesus ist hinausgegangen vor die Tore der Stadt, raus aus der Sicherheit, aber er ist sicher mit und hat eine Zukunft für mich und dich. Mit dieser Perspektive können wir getrost und fröhlich ins Jahr 2013 gehen.

Amen.

 

 

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
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