Predigt Pfingstsonntag 15.5.2016

Caselwitz und Hohndorf, 15. Mai 2016

 

Pfingsten

2. Korinther 4, 3-6

 

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

 

Ich lese den Predigttext aus dem 2. Brief des Apostel Paulus an die Korinther im 4. Kapitel:

„Wenn die Gute Nachricht, die ich verkünde, dunkel und verhüllt erscheint, so ist sie das nur für die Menschen, die verloren gehen. Der Herrscher dieser Welt hat denen, die nicht glauben, die Gedanken verfinstert, so dass sie das helle Licht des Evangeliums nicht sehen können, nämlich den Glanz, in dem Christus aufleuchtet, der das Ebenbild Gottes ist. Bei unserer Verkündigung geht es schließlich nicht um uns, sondern um Jesus Christus, den Herrn; wir sind nur Diener für euch, die Jesus beauftragt hat. Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell aufstrahlen lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Lichtglanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.“ (2. Kor. 4, 3-6)

 

Liebe Gemeinde,

in einem Kinderheim lebte ein Mädchen, das blind war. Sie tastete unruhig im Zimmer am großen Fenster hin und her. Ein Betreuer fragte das Kind: „Was suchst du denn?“ Das Mädchen antwortete: „Ich suche die Sonne!“ In gewisser Weise ist das beispielhaft für die ganze Menschheit. Alle Menschen sind von einer tiefen Sehnsucht nach Licht und Wärme erfüllt. Wir sind sonnenhungrig und wir alle haben tief in uns verankert das Wissen, dass wir ohne Sonne nicht leben können.

Ich hörte mal einen Bericht von Menschen, die hoch im Norden Russlands leben in einer Gegend, wo es im Winter tatsächlich monatelang auch am Tage fast gar nicht hell wird. Die fehlende Sonne hat zur Folge, dass es im Winter unerträglich kalt wird, minus 40-50 Grad sind keine Seltenheit. Die Menschen, die dort leben und arbeiten, leiden zum großen Teil in der dunklen Jahreszeit an Depression und sind bedrückt. Wir brauchen äußerlich die Sonne, aber auch unsere Seele kann kaum ohne Licht und Sonne auskommen, dauerhafte Dunkelheit macht uns krank.

Gott hat uns die Sonne geschenkt und damit ist Leben überhaupt erst möglich: Photosynthese, die in allen Pflanzen abläuft, ist die Grundlage allen Lebens auf der Erde, ohne sie gäbe es keine grünen Pflanzen. Durch die Sonne bekommen wir vor allem zweierlei: Licht und Energie. Wir feiern zu Pfingsten diese lebensspendende Kraft Gottes, die er uns und allen Lebewesen auf der Erde gibt. Zum Zeichen dafür haben wir zum Pfingstfest Birken zur Kirche gebracht. Wenn wir das frische Grün am Baum sehen, dann haben wir die lebensspendende Kraft Gottes unmittelbar vor Augen.

Wir haben vorhin die Pfingstgeschichte gehört. Da haben wir von den Flammen gehört, die auf jeden Christen in Jerusalem herunterkamen, sie wurden gewissermaßen entflammt und erleuchtet, sie wurden vom Geist Gottes ergriffen und mit Glaube, mit Erkenntnis, mit Liebe und Begeisterung erfüllt. Danach gingen die Jünger hinaus in die Welt und trugen mit Feuereifer den Glauben weiter zu den Menschen in der Welt. Ein merkwürdiges Bild: wir haben es auf manchen Bildern von Pfingsten schon gesehen, wie die Apostel eine kleine hell leuchtende Flamme auf dem Kopf haben. Sie sind vom Licht Gottes erfüllt. Natürlich ist das in Wahrheit gar nicht äußerlich sichtbar, sondern es ist vielmehr ein Licht, das in ihrem Inneren leuchtet. Aber ich möchte es einmal so beschreiben: diese Pfingstmenschen haben die Sonne in ihrem Herzen. Und das ist ein Zustand, den jeder von uns genauso ersehnt und wünscht. Schon wenn die Sonne am Himmel strahlt, sieht für uns der Tag ganz anders aus, wir sind guter Stimmung und voller Energie und Tatendrang. Aber erst recht sehnen wir uns danach, dass wir die Sonne im Herzen haben, dass Gottes Licht in uns hell leuchtet.

Liebe Gemeinde, ist das nicht sonderbar, was ich hier sage? Es ist Pfingsten, der Pfarrer spricht über die Sonne und ihre wärmende Kraft, aber es scheint ein wenig unpassend am heutigen Tag, denn die Meteorologen im Fernsehen haben uns gesagt, dass es wohl heute, am Pfingstsonntag, in Deutschland an vielen Orten kälter sein wird als an den Weihnachtsfeiertagen des letzten Jahres. Verkehrte Welt. Was ist da los? Hat die Sonne doch nicht solche Kraft, wie ich behauptete? Na klar, der Grund sind die Eisheiligen, wie wir wissen. Schauen wir uns dieses Wetterphänomen für einen Moment an. Es tritt sehr oft auf, fast jedes Jahr ungefähr um dieselbe Zeit, weshalb man wegen der möglichen Nachtfröste von den „Eisheiligen“ spricht. Was passiert? Die Sonne ist schon kräftig Mitte Mai, sie hat das Land schnell erwärmt, wo sie scheint. Aber die Meere im Norden Europas werden nur sehr langsam erwärmt, das Wasser hat eine erheblich kältere Temperatur. Und diese kalte Umgebungsluft über den Meeren führt bei nördlichen Winden sehr leicht dazu, dass kalte Luftströme aus dem hohen Norden bis mitten nach Europa ohne Hindernis hindurchgelenkt werden und es frostig werden lassen. Ein bemerkenswertes Phänomen beobachten wir: kalte Atmosphäre in der Umgebung, schaufelt eiskalte Luft auch zu uns.

Und das, liebe Gemeinde, und deshalb erzähle ich heute von diesen Wetterphänomenen, gilt im Prinzip genauso für das zwischenmenschliche Klima in Deutschland und für den Zustand unserer Seele. Frostiges Klima und kalte Atmosphäre in unserer Umgebung beeinflussen uns massiv. Und dann hat die Sonnenenergie kaum noch Kraft, um uns zu erwärmen. Neulich sagte jemand zu mir: ich lasse ja gerne mal an der Kasse im Supermarkt jemand, der nur zwei, drei Artikel in der Hand hat, den Vortritt. Aber, so sagte die Person: ich erlebe es ständig, dass andere sich vor mich drängeln. Da habe ich inzwischen keine Lust mehr, irgendjemand vorzulassen. Kalte Umgebung beeinflusst uns massiv. Und wir leben in einer frostigen Zeit. Da ist es schwer, warm zu reagieren in diesem eisigen Frostklima um uns herum.

Auch im Hinblick auf den Glauben an Gott gilt das. In anderen Gegenden der Welt ist die Umgebungsluft erheblich religiöser. Neulich saß der Bischof unserer Partnerkirche aus Tansania im Caselwitzer Pfarrhaus am Tisch und sagte: wir haben jeden Sonntag in den meisten Gemeinden 2-3 Gottesdienste hintereinander und jeder ist voll. Dort wird die christliche Botschaft gepredigt nicht anders als bei uns, aber das Klima ist so offen dafür in diesem Land, dass buchstäblich Hunderte Leute herbeiströmen. Ich hörte von einem Freund, der in Russland Gottesdienste hielt und erzählte: ich habe niemals je in Deutschland eine solchen Hunger und eine Sehnsucht nach Gottes Wort gespürt wie dort. Die Menschen kamen zu Fuß von weither in die Kirche gelaufen und hingen an meinen Lippen. Ich begegnete hier in Greiz Flüchtlingen und wir sprachen mit ihnen über den Glauben. Egal ob Muslime oder Christen, sie waren daran brennend interessiert, junge Männer diskutierten begeistert mit über Gott. Sie kommen aus Ländern, wo das religiöse Klima total anders ist. Aber wir leben in einer der Ecken der Welt, wo es religiös gesprochen extrem kalt und eisig ist. Und deshalb dringt die Botschaft von Jesus, der gute wärmende und erhellende Geist Gottes, kaum zu Menschen durch, und unsere Kirchen sind erschreckend leer. Wir leiden unter dem Eisheiligenphänomen besonders in Ostdeutschland. Unser Glaube, unsere Liebe, unsere Mitmenschlichkeit droht einzufrieren in der kalten Umgebungsatmosphäre, die uns hart ins Gesicht bläst. Der eisige Wind des Atheismus und der Gleichgültigkeit gegenüber Gott hält viele fern in dieser Zeit. Aber es wehen Wechselwinde. Das Wetter kann auch schnell wieder umschlagen. Ich spüre bei vielen Menschen eine große Sehnsucht nach mehr Gemeinschaft, Nähe, Mit-menschlichkeit und auch nach Sonnenstrahlen von Gottes Nähe und seinem Segen. Menschen suchen Sinn und Halt. Sie sehnen sich nach Sonne im Herzen. Was werden sie bei uns finden? Jeder Besucher, der in unsere Gemeinde kommt, spürt zuallererst das Klima, die Atmosphäre im Raum, ob es ihnen warm entgegenströmt oder ein rauer Wind herrscht. Auch hier gilt: in kalter Umgebung bleibt einem die Luft zum Glauben an Gott weg. Pfingsten aber bedeutet: wir strecken uns aus, um den Geist Gottes zu empfangen, seine Sonnenstrahlen ins Herz zu lassen, uns persönlich von ihm berühren zu lassen, sei es noch so kalt um uns herum. Wir wollen, unser Herz von ihm wärmen lassen, so dass wir innerlich brennen, berührt und entzündet sind mit dem Funken von Gott. Ich wünsche nichts mehr für Deutschland und für unsere Region, für Greiz und für unsere Gemeinde in Caselwitz, als dass wir die wärmende Kraft von Gottes Liebe und die Kraft seines Heiligen Geistes stark erfahren, so dass sie die Kälte und Gleichgültigkeit vertreiben und Menschen wieder in ihrem Herzen erwärmt werden für den Glauben an Gott und die Liebe zu Gott und den Menschen entfacht wird. Das ist mein Gebet.

Liebe Gemeinde, auf vielen alten Darstellungen in der Kunst sehen wir, dass Jesus oder Maria oder die Apostel mit einem Heiligenschein über dem Kopf dargestellt werden. Oft sieht man Strahlen, die von dem Kopf des Menschen ausgehen, wie die Strahlen einer Sonne. In diesen Bildern wird für unser Auge die Sonnenkraft des Heiligen Geistes sichtbar gemacht. Und wir können sagen: Menschen, die von Gottes Geist erfüllt sind und die Sonne der Liebe Gottes in ihrem Herzen tragen, sind Menschen mit starker und heller Ausstrahlung. Natürlich kann man diese Strahlen nicht wirklich sehen. Aber jeder von uns kennt solche Menschen, die eine starke liebevolle Ausstrahlung haben und von Gott wirklich erfüllt sind. Vor allem spüren wir das bei Jesus selbst. Er hat Menschen wo immer er hinkam aus dem Schatten geholt, aus der Finsternis befreit und sie ins helle Licht der Liebe Gottes gestellt. Jesus hatte eine überwältigende Ausstrahlung. Jeder von uns kennt ein paar Menschen, wo wir sagen: die bringen Sonnenstrahlen in mein Leben, die haben eine starke Ausstrahlung, durch sie spüre ich Gottes Nähe. Auch wir haben als Christen eine Ausstrahlung, wir reflektieren das helle Licht Gottes hier und da in unserem Leben. Durch unsere guten tröstenden Worte, durch unsere praktische Hilfe, durch die Musik, mit der wir andere erfreuen. Durch unser ehrliches und von Herzen gemeinte Lächeln auf dem Gesicht. Und dann leuchtet ein kleiner Lichtstrahl Gottes durch uns in das Leben unserer Mitmenschen. Der Geist Gottes ist in uns und durch uns aktiv. Das ist Pfingsten, Feuer wird entfacht, Sonne wird spürbar in den Herzen. Licht und Wärme Gottes wird erlebbar. Menschenseelen werden von Gott warm berührt.

Wir alle wünschen uns, dass möglichst schnell die Eisheiligen mit ihrem eisigen Hauch vorüber gehen. Wir brauchen die Kraft der Sonne, nicht nur äußerlich. Wir brauchen die Sonne, die in unserm Herzen wärmt und hell scheint, um unsere innere Finsternis zu vertreiben. Wir brauchen Gottes starken Geist, der unser Leben mit Licht füllt und uns Energie gibt. Heute will er uns berühren und wärmen. Wir dürfen seine Kraft spüren zu Pfingsten, Gott sei Dank!

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserem Herrn. Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50