Predigt Neujahr 01.01.2013

Caselwitz, 1. Januar 2013

 

Neujahr

Sprüche 16, 1-9

 

Liebe Gemeinde,

Das neue Jahr hat begonnen und liegt vor uns wie ein langer Weg, von dem wir noch nicht wissen, was alles passiert und wo er hinführt. Nur eines ist sicher: Es wird kein Spaziergang werden, sondern vom Schwierigkeitsgrad und der Anstrengung  her wird der Weg im Jahr 2013 eher wie eine anspruchsvolle Hochgebirgswanderung sein. Deshalb wollen wir uns heute am Start eines neuen Jahres vorbereiten auf das, was wirklich auf uns wartet. Wissen wir nicht im Grund genau, was 2013 auf uns zukommen könnte? Arbeitsplatzprobleme, Aufgaben, die fast unsere Kräfte übersteigen, Krankheiten und Verletzungen, plötzliche Hindernisse, schwere Stürme im persönlichen Umfeld, auf das alles müssen wir vorbereitet sein im neuen Jahr. Es muss nicht kommen, aber es ist sehr sinnvoll, darauf eingestellt zu sein. Natürlich dürfen wir auch rechnen und uns freuen auf wundervolle Wege, grandiose Stunden voller Freude, auf schöne Gemeinschafts-erlebnisse mit unseren Weggefährten, wir werden vertraute und liebgewonnene Wege wieder erneut gehen können. Und deshalb sollen wir uns nicht ängstigen, sondern dürfen uns freuen auf diese Zeit vor uns.

Liebe Gemeinde, neulich hatte ich einen Katalog eines  Outdoor-Ausstatters in der Hand. Da kann man alle Gegenstände erwerben, die für eine einfache Wanderung nützlich sind, aber auch Ausrüstung für extreme Unternehmungen jeder Art, bei größter Hitze oder eisiger Kälte, in Wüsten oder in Hochgebirgen. Ich finde es faszinierend, welche Hilfsmittel es gibt von Schuhen über wasserfeste Jacken bis hin zu trageleichtem Kochgeschirr. Was noch viel wichtiger ist, wenn man eine sehr anspruchsvolle Wandertour vorhat: der Rat eines erfahrenen Wanderers, der schon viele Wege gegangen ist und uns auf Gefahren hinweist und hilfreiche Tipps gibt. In der Bibel haben wir sozusagen den Spezialausstatter für die Lebenswanderung und einen sehr kompetenten Ratgeber: das Buch der Sprüche mit seinen gesammelten Lebensweisheiten ist ein solcher Ratgeber und Helfer für fast alle Lebenslagen. Aus diesem Buch hören wir heute das Wort für den Neujahrstag:

„Der Mensch entwirft die Pläne im Herzen, doch vom Herrn kommt die Antwort auf der Zunge. Jeder meint, sein Verhalten sei fehlerlos, doch der Herr prüft die Geister. Vertraue dem Herrn dein Vorhaben an, so werden deine Pläne gelingen. Alles hat der Herr für seinen Zweck erschaffen, so auch den Frevler für den Tag des Unheils. Ein Gräuel ist dem Herrn jeder Hochmütige, er bleibt gewiss nicht ungestraft. Durch Liebe und Treue wird Schuld gesühnt, durch Gottesfurcht weicht man dem Bösen aus. Gefallen dem Herrn die Wege eines Menschen, so versöhnt er auch seine Feinde mit ihm.  Besser wenig und gerecht als viel Besitz mit Unrecht. Der Mensch plant in seinen Gedanken seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt.“                                                    (Sprüche 16, 1-9)

 

Liebe Gemeinde, die Weisheitssprüche der Bibel sollen uns in den nächsten Wochen noch öfter beschäftigen, ich werde immer wieder einmal darüber predigen. Heute kommt also die erste Ration Weisheit für den Jahresbeginn und die vor uns liegende Wegstrecke.

Unser Bibelwort enthält eine Menge von ganz praktischen Ratschlägen, aber sie alle stehen unter dem Thema: „Pläne für die Zukunft“ und passen also gut zum Jahresbeginn.

Jeder Mensch muss planen. Viele haben einen Kalender an der Wand mit Terminen, mancher hat seinen Taschenkalender oder Notizbuch, bei vielen stehen da schon jede Menge Termine für die nächsten Tage und Wochen. Das neue Jahr füllt sich sozusagen schon vorher: Arzttermine, Arbeitszeiten, Besuche. Auch finanziell muss man planen. Manche Leute sind fast regelmäßig ab der zweiten Monatshälfte knapp bei Kasse oder haben überhaupt kein Geld mehr. Daran zeigt sich eine schlechte Planung, denn wenn sehr wenig Geld da ist, sollte man gerade zu Beginn besonders sparsam sein. Wie planen wir? Machen wir uns von der Tendenz her vorneweg viele Sorgen und grübeln, ob das Geld reicht, ob wir alles schaffen oder welche Probleme und Katastrophen eintreten könnten? Dann gehören wir zum ängstlichen Typ. Oder neigen wir dazu, sehr locker und sorglos an Dinge heranzugehen und zu sagen: wird schon werden, ich leg erst mal los und seh´, was kommt? Dann zählen wir zu dem unbesorgten Typus. Und schließlich gibt es diejenigen, die verrückt werden, wenn sie nicht vorher alles genau durchdacht, bis ins Detail vorbereitet und organisiert haben, damit sie alles im Griff haben und keine Panne passiert. Wer so tickt, gehört zum kontrollierten Typ. Es ist gut, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen. Aber wie auch immer wir planen und auf die Zukunft zugehen, jeder auf seine Weise, wir alle stehen in der Gefahr, dass wir Gott bei unseren Plänen und wünschen außen vor lassen. Die Bibel ermahnt uns also zu aller erst: der Anfang aller Weisheit ist, dass wir Menschen nicht alles in der Hand haben, sondern wie wir gern sagen: der Mensch denkt, Gott lenkt. Eigentlich müsste auf jedem Terminkalender, über jedem Jahresplaner ein Stoppschild stehen: Halt! Denn wir müssen bei allem planen innehalten und uns fragen: habe ich mit Gott geplant? Habe ich ihn gefragt, was er will? Habe ich ihn als feste Größe berücksichtigt oder plane und handle ich so, als ob es Gott nicht gäbe? Ist Glaube für mich nur so ein frommes Gewand, das ich sonntags mal überstreife, aber mein Leben gar nicht berührt? Dann haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Gott lenkt unser Leben, er ist der Herr über unsere Zeit. Ohne ihn wird alle Planung schief und wir verrechnen uns gewaltig. Das ist hochmütig, wenn wir meinen, wir könnten ohne Gott auskommen und allein unsere Pläne verwirklichen ohne ihn – und so haben wir eben gelesen: „Ein Gräuel ist dem Herrn jeder Hochmütige, er bleibt gewiss nicht ungestraft. Der Mensch plant in seinen Gedanken seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt.“

Warum ist Gott so wichtig in unserer Planung? Liebe Gemeinde, mal ehrlich, wie oft habt ihr es erlebt, dass ihr etwas geplant habt und es kam ganz anders als erwartet? Mir ging es in den letzten Monaten dauernd so. Das kann eine Krankheit sein. Gott durchkreuzt unsere Pläne. Und ich sehe das nicht nur als Unglück, sondern kann das häufig als Zeichen von Gott verstehen: er ändert meine von mir ausgedachten Wege, damit ich mich ja niemals auf meine eigene Kraft verlasse, sondern auf Gottes Kraft und seine Wegführung mehr vertraue als auf meine Planung.

Ein Pfarrer erzählte, dass er im Laufe seines Lebens immer wieder geplant hat, was er als nächstes tun wollte in seinem Dienst. Aber, so berichtete er, wenn er an einen Ort gerufen wurde oder eine Aufgabe anvertraut bekam, die er sich nicht ausgesucht hatte, sondern Gott hatte ihn so gelenkt, das so meinte er im Rückblick, waren für ihn die besten und segensreichsten Zeiten. Er hatte ganz praktisch erfahren, dass Gottes Wege für ihn besser war als seine eigene Planung.

Ganz gleich welcher Persönlichkeitstyp wir sind, wir brauchen Gott als feste Größe in unserer Planung. Für den ängstlichen Typen ist es wichtig, damit er sich nicht in Sorgen aufreibt. Wer zur Sorge neigt, sollte sich selbst sagen: Gott hat meine Zeit und mein Geschick in der Hand, wenn ich gut geplant habe, darf ich loslassen und ihm vertrauen, dass er meinen Weg gut führt, auch wenn es anders kommt als ich denke. Gott ist mein Herr, das entlastet und befreit. Der sorglose Typ braucht ebenso für seine Planung Gottes Hilfe: er plant gerne und viel aber neigt dazu, bei den unangenehmen Dingen wegzuschauen oder sie aufzuschieben für später. Der Glaube an Gott gibt den Mut, auch die harten Brocken anzupacken, weil wir nicht allein sind. Wir können Gott vertrauen, dass er auch in schweren Zeiten uns hilft und es zum guten Ende führt, denn er ist unser Gott  und Lenker. Schließlich für den kontrollierten Typen ist es gut, wenn alles geplant und vorbereitet ist, bewusst zu stoppen und sich zu erinnern: ich habe es nicht in der Hand, auch wenn ich noch so gut vorgesorgt habe, ich überlasse es Gott, was wird und bin bereit, meine Pläne ändern zu lassen. Gott macht es vielleicht anders und viel besser als ich planen konnte. Ich muss nicht alles im Griff haben und kann es auch nicht. Gott ist mein Herr.

Liebe Gemeinde, es ist sehr schwer, loszulassen und zuzugeben, dass wir nicht allein planen können ohne Gott, aber wenn wir es tun, ist es eine riesige Befreiung, ein starker Halt und: es hilft und führt uns zu Zielen, die wir nie alleine erreicht hätten. Auf Gott vertrauen lohnt. Das ist die allergrößte Weisheit überhaupt auf Erden, das ist die Grundmelodie, die durch die ganze Bibel klingt. „Vertraue dem Herrn dein Vorhaben an, so werden deine Pläne gelingen.“ Ist das nicht ein höchst ermutigendes Wort, mit dem wir ganz gelassen ins Jahr 2013 gehen können?

Liebe Gemeinde, mich faszinieren die Sprüche der Weisheit, weil ich sofort sehe: genau so ist es, das ist wahr und man kann es ganz praktisch anwenden im Alltag.

Einen weiteren Ratschlag möchte ich noch aufnehmen aus unserem Bibelwort für die Planung der Zukunft. Dieser Rat lautet: „Jeder meint, sein Verhalten sei fehlerlos, doch der Herr prüft die Geister.“ Sehr leicht werden wir blind für unsere eigenen Fehler. Das gilt für jeden von uns. Wir brauchen Gottes sanfte und unbestechlich ehrliche Korrektur. Jeder von uns macht Fehler. Wir brauchen uns nicht verrückt machen deshalb, wir müssen nicht vor Scham im Boden versinken. Gott weiß es ohnehin. Aber schon wenn wir planen müssen wir wissen: wir sind nicht perfekt in der Planung und erst recht in der Ausführung. Wir  machen Dummheiten, wir lassen etwas außer Acht. Niemand kann annähernd fehlerlos sein. Gott vergibt uns, Gott schenkt eine neue Chance. Wehe, wir vergessen das in unserer Planung. Gott kann auch krumme Wege noch gerade machen, unser fehlerhaftes Leben wieder in gute Bahnen lenken. Das kann kein Mensch, das kann ich selbst nicht schaffen, aber deshalb brauchen wir Gott, weil er Fehler vergibt und unser Leben zurück in die richtige Spur bringt, wo wir manches falsch gemacht haben. Nur wer weiß, dass er fehlerhaft ist, geht auch gnädig und gerecht mit anderen Menschen um.

Jesus Christus ist unser Vorbild bei Zeiteinteilung und Lebensplanung. Was waren die Hauptbestandteile seiner Zeitplanung? Fleißig? - Ja! Gewissenhaft? - Ja! Aber Jesus war auch ein Meister in der Selbstbeschränkung. Wenn der Andrang der Menschenmassen, die etwas von ihm wollten, wenn Stress und Druck am größten waren, zog er sich regelmäßig zurück in die Stille, um zu beten und neue Kraft zu schöpfen. Das ist weise und wirklich gute Planung und davon können wir uns etwas abgucken für unsere eigene Zeitplanung

Mein Wunsch für die Zukunft für mich und Euch ist dieser: ich wünsche uns,  dass es uns gelingt, uns in der täglichen Zeitplanung und der Art und Weise wie wir in die Zukunft gehen orientieren an unserem Herrn Jesus Christus, und das bedeutet: hart arbeiten und viel schaffen, aber auch rechtzeitig „nein“ sagen zu neuen Aufgaben und Terminen, regelmäßig und immer wieder den Rückzug in die Stille suchen. Wir brauchen die Zeiten der Ruhe und Erholung, wir brauchen die Zeit für Gebet und das Kraftschöpfen bei Gott. Wer am Morgengebet oder am Gottesdienstbesuch Zeit sparen will, wird immer verlieren. Und wenn wir vorwärts blicken auf den Weg, der vor uns liegt, mein persönlicher Weg durch das Jahr 2013, dass mein Wanderführer und Expeditionsleiter Jesus Christus  immer bei mir ist auf dem Weg. Deshalb: auf in die Zukunft mit Jesus an unserer Seite – es wird ein abenteuerlicher Weg und ein gesegnetes Jahr.

Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50