Predigt Jubelkonfirmation 29.5.2016

Caselwitz, 29. Mai 2016

 

Jubelkonfirmation

„Materialermüdung oder gemacht für die Ewigkeit?“

Jesaja 40, 28-31

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

 

Liebe Gemeinde,

was steckt in dir? Bei einem Kinder-Überraschungsei kann man von außen nicht erkennen, was drin steckt. Man muss es erst öffnen. Am Anfang eines Menschenlebens, bei der Geburt und im Babyalter, wissen wir auch noch nicht, was drin steckt in diesem jungen kleinen Leben, und fragen uns, was sich wohl aus diesem Menschenleben entwickeln wird im Laufe von Jahren und Jahrzehnten. Deshalb feiern wir die Taufe im Kindesalter, um diese Entwicklung des Menschen Gott anzuvertrauen, das Kind in seine Hand zu legen, auf seinen Segen, seine Kraft und Gottes Zukunft zu vertrauen. Wir glauben, dass Gott große Schätze in das Leben eines Menschen hineingelegt hat und dass sie zum Vorschein kommen und sich entfalten. Wir glauben, dass dieses Kind Gottes Geschenk ist und er es in seiner Hand hält ein Leben lang.

Ich stelle mir vor, dass ich einen Stein werfe: einen Moment lang saust er durch die Luft, aber nach Sekunden hört er auf zu fliegen, dann stürzt er ab und fällt herunter. Aber das ist nicht die Bestimmung für unser Leben. Gott gibt uns eine andere Perspektive fürs Leben: Gott hat uns erschaffen als einzigartige Persönlichkeit und wir sind dazu bestimmt, zu wachsen.  Wie ein Same, der im Boden liegt und man weiß noch nicht, was aus ihm wird. Gott legt Kraft und Wachstumsfähigkeit in uns  hinein.  Und das, liebe Gemeinde, sagen wir als Christen einem kleinen Kind am Anfang seines Lebens in der Taufe zu. Wenn du getauft bist, dann gilt das für dich und mich und ist der Kern unseres Daseins. Ich bin kein Kurzflieger, dessen Flugbahn abwärts geht.  Nein, Gott hat unserem Leben eine andere Bestimmung gegeben. Dein Leben hat eine großartige Verheißung und Zukunft. Gott hat dich einzigartig ausgedacht und will deinen Weg begleiten mit seinem Segen. Du bleibst Gottes Kind jetzt und für immer.

Liebe Gemeinde, vieles im Leben geschieht in verschiedenen Phasen, die aufeinander folgen. So zum Beispiel bei den 2-Phasen-Tabletten zur Reinigung der Dritten Zähne: Erste Phase Reinigung, zweite Phase Beseitigung der Keime. Oder beim Bausparvertrag: In der ersten Phase wird angespart, in der zweiten Phase ausgezahlt, in der dritten Phase der Kredit zurückgezahlt. Aber genau solche Phasen durchläuft natürlich auch jeder im menschlichen Leben: Nach der Kindheit und der Kindergartenzeit folgt die Phase der Schulzeit, die uns besonders prägt und formt, danach treten wir ein in die Lehr- und Ausbildungszeit oder das Studium. Anschließend folgt die lange Phase des Berufslebens und schließlich irgendwann der Eintritt ins Rentenalter mit neuen Freiheiten, aber auch mit spürbaren Einschränkungen der Kraft und dem Rückzug aus manchen Aktivitäten. Heute schauen wir zurück auf unseren Lebensweg bis hierher zum heutigen Tag und halten für uns ein Resümee. Wir erinnern uns an die Phase der Schulzeit und an den Abschnitt der Konfirmandenzeit, der in der feierlichen Konfirmation hier in unserer Kirche abschloss. Dabei spüren wir, wie jede dieser Phasen uns geformt und geprägt hat.

Unser Leben ist voller Veränderung und Wandel, die Welt verändert sich dramatisch schnell. Wir fragen: was ist eigentlich beständig in aller Veränderung? Geht nicht das meiste wieder kaputt, wird es irgendwann morsch, brüchig, unbrauchbar? Vor einigen Wochen haben wir eine Begutachtung unserer Kirchenglocken in der Caselwitzer Kirche durchführen lassen und es kam heraus, dass unsere Glockenaufhängung unter Materialermüdung leidet und Risse hat. Und damit unsere Glocken auch in Zukunft läuten können, müssen sie in diesem Jahr noch neue Joche erhalten. Selbst Stahl kann unter jahrzehntelanger Extrembelastung ermüden und reißen. Mein Bruder arbeitet in einem Forschungsinstitut und hat ein Verfahren entwickelt, um Materialermüdung und feine Haarrisse im Stahl von Autobahnbrücken und tragenden Flugzeugteilen rechtzeitig zu erkennen. Aber diese Verfallserschei-nungen betreffen leider auch unser eigenes Leben. Wir erkennen irgendwann mit Erschrecken die Zeichen der Alterung und Ermüdung an unserem Körper und spüren den Verschleiß über Jahrzehnte. Man kann hier und da nachhelfen mit Mittelchen aus der Apotheke. Es gibt Körperteile, die lassen sich reparieren und mit Ersatzteilen erneuern. Aber insgesamt lässt sich der Prozess der Ermüdung nicht stoppen. Manche Schäden lassen sich auch nicht ändern. Wir sehnen uns als Menschen danach, dass wir möglichst lebenslang gesund und stark bleiben, aktiv und leistungsfähig, zuversichtlich und fröhlich – aber das gelingt nicht immer, denn wir alle leiden unter Verschleiß.

Liebe Gemeinde, habt ihr euch auch schon geärgert, wenn ein Gerät viel zu schnell kaputt ging? Wir hatten unsere Waschmaschine wenige Jahre, dann hatte sie einen Schaden. Unser Händler erklärte uns: das Ding hat gar keine längere Lebensdauer, es soll nach ein paar Jahren kaputt gehen. Das ist der heutige Trend: es wird auf Verschleiß und Bruch hin gebaut. Die Frage der Hersteller lautet oft: wie schnell soll es denn kaputt gehen, bitte, damit wir bald neue Produkte verkaufen können? Das macht uns wütend, denn wir wünschen uns Artikel, die für die Ewigkeit gemacht sind, die einfach ein Leben lang halten. Aber das gilt nicht nur für Waschmaschinen und Werkzeuge. Das gilt noch viel mehr für uns selbst. Wir möchten nicht gerne verschleißen, nicht aufgerieben und brüchig werden, nicht zum Ersatzteillager werden. Und was tun wir? Mittelchen nehmen, die ewige Jugend versprechen?  Das ist unehrlich, aber viele springen darauf an, weil es unser tiefster Wunsch ist. Die Gretchenfrage an uns heute lautet: Wer bin ich? Und was habe ich, was nicht veraltet und verschleißt?

Eine Antwort gibt uns das Bibelwort aus dem Buch des Propheten Jesaja im 40. Kapitel:

„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Liebe Gemeinde, ich frage nochmal: Gibt es etwas in unserem Leben, was nicht abnimmt, sondern stärker wird? Ja, so sagt die Bibel, es gibt etwas, was sich nicht abnutzt und veraltet, sondern ewig jung hält: Die Bibelworte haben Ewigkeitswert. Der Segen Gottes bleibt ein Leben lang stark und kräftig. Auch wenn du den Segen der Konfirmation vor 25 oder 50 oder 70 Jahren erhalten hast, er ist stark und kräftig und neu wie bei den 14-Jährigen, die letzten Sonntag hier an dieser Stelle in unserer Kirche standen und ihn empfangen haben. Warum? Weil Gott selbst niemals veraltet und nicht müde wird. Er, der Ewige und Allgegenwärtige, erneuert den Segen für dich jeden einzelnen Tag deines Lebens. Dein Glaube  ist für die Ewigkeit gemacht und wächst immer mehr. So habe ich es oft erlebt bei Menschen, die älter wurden und körperlich schwächer, aber ich war zutiefst beeindruckt, wie sie im Alter wuchsen und stark blieben durch den Glauben, durch den Segen. Der Segen, den wir empfangen und an den wir uns erinnern und neu annehmen, trägt tatsächlich ein Leben lang und gibt Kraft von innen, die nie veraltet.

Und noch etwas ist gemacht für die Ewigkeit. Ich hasse es, wenn Menschen über sich selbst despektierlich und resigniert reden. Neulich traf ich eine ältere Frau, die klagte, mit ihr sei nichts mehr los und ihr Leben sei nichts mehr wert. Nein, das ist nicht wahr. Denn durch die Taufe und durch die Konfirmation, in unserem christlichen Glauben, haben wir eine andere Perspektive fürs Leben. Gott sagt uns: Du bist für die Ewigkeit gemacht. Du sollst nicht müde werden, sondern Gott will dir Kraft schenken, dass du wieder stark wirst, nach oben kommst, aufsteigst wie ein Adler, der in der Luft getragen wird nach oben. Gottes Segen gibt Auftrieb. Sein Wort beflügelt. Seine Kraft trägt uns. Er schenkt Hoffnung.

Was tun wir, wenn wir spüren: ich bin schwach? Es gibt einige Lösungsversuche, die sind gefährlich. Die 1. Gefahr: Ich tue nur so, als ob alles in Ordnung ist. Ich täusche Jugend vor, verrate mein Alter nicht, gehe nicht zu Veranstaltungen mit Senioren, weil ich Angst habe alt zu wirken, ich spiele, dass ich jung und gesund wäre. Aber das ist anstrengend und zermürbend für die Seele; viel besser ist es, ehrlich und wahrhaftig zu sein. Die 2. Gefahr: Ich lebe mit falschen Erwartungen an mich. Ich denke, ich müsste anders sein, als ich bin. Aber es ist eine große Befreiung, wenn ich sein darf, wie ich bin und mich nicht verbiegen muss. Die 3. Gefahr: Ich befolge nur die Regeln und funktioniere. Ich will nichts falsch machen. Ich will, dass niemand mich angreifen oder tadeln kann. Aber wer so lebt, ist dauernd unter Stress und kann Dinge nicht mehr mit Freude und Liebe tun, nicht mehr frei und kreativ leben. 4. Gefahr: Stillstand und Resignation: ich sage mir, es wird doch nichts mehr. Was soll ich noch probieren oder mich ändern? Ich will nur überleben und mich durchwursteln. Ein solches Leben macht traurig und ist meilenweit entfernt von dem, was Gott für uns gedacht hat. Fragt man kleine Kindergartenkinder, wer sich für einen Künstler hält oder gern Theater spielt oder tanzt, schießen alle Hände in die Höhe, in der Grundschule sind es vielleicht noch die Hälfte, in der Pubertät wird sich fast niemand mehr melden. Jeder hat nur noch Angst, lächerlich zu wirken oder aus der Reihe zu fallen. Lieber nichts tun, dann mache ich nichts verkehrt, so die Einstellung. Wehe, das wird unser Lebensmotto, dann gute Nacht.

Aber Jesus hat ein bemerkenswertes Ziel für uns, Jesus sagt uns nämlich: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben in Fülle.“ (Johannes 10, 10). Wir dürfen wir selbst sein, zu unseren Fehlern und Schwächen stehen. Aber wir dürfen auch durch Gottes Hilfe jeden Tag neu Kraft tanken, aufstehen und uns entwickeln. Leben in Fülle, das ist sein Versprechen für unser Leben. Wir haben Ewigkeitswert. Du wirst nie, nie jemals untergehen, wenn du dich an Gott hältst. Das ist heute noch viel wichtiger zu hören und zu glauben als damals zur Konfirmation. Aber Konfirmation heißt übersetzt: Bekräftigung. Heute zum Konfirmationsjubiläum gilt das erst recht: Gott will dich und mich, uns alle bekräftigen, stärken und tragen, heute und in Ewigkeit.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

 

 

Sprechzeiten im Pfarramt

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