Predigt Himmelfahrt 5.5.2016

Caselwitz, 5. Mai 2016

 

Christi Himmelfahrt

„Auf den Hund gekommen“

Apostelgeschichte 1, 1-11

 

Die Gnade Gottes, die Liebe Jesus Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

wir feiern Himmelfahrt, nur leider können wir von Jesus nichts sehen. So ging es damals den Jüngern. So geht es uns heute. Himmelfahrt beginnt mit einer Enttäuschung: Jesus ist weg. Niente. Unsichtbar. Verschwunden. Aber wo ist Jesus hin? In den Himmel, so haben wir es gehört. Aber der Himmel ist so weit weg. Er ist  nicht fassbar. Niemand von uns kann zum Himmel reisen. Und so standen die Jünger zu Himmelfahrt traurig da und blickten wehmütig und enttäuscht zum Himmel. Wir kennen diesen vergeblichen Blick zum Himmel. Wir hören immer wieder die spöttische Frage vieler Leute um uns herum: Was seht ihr immer diesem komischen Jesus hinterher? Wo ist er denn, euer Jesus? Aber er ist nicht zu sehen. Und dann zweifeln wir selbst. Ja, wo ist er denn? Und wie soll ich es den Leuten erklären, die sagen: „Jesus ist nicht da“?

 

„Was steht ihr da, und seht zum Himmel“, fragen zwei Engel die Jünger, die hilflos zum Himmel hinaufstarren. Die Engel richten den Blick der Jünger wieder auf die Erde zurück. Sie sollen weitergehen. Warum? Sie wollen die Leute, die vergeblich zum Himmel hinaufblicken, auf eine neue Spur bringen. Eine Spur auf der Erde. Denn hier auf der Erde werden sie Jesus finden. Das ist die Zusage der Engel.

 

Himmelfahrt heißt also nicht: Jesus ist weg. Sondern es heißt umgekehrt: Jesus ist zum Himmel gefahren, um den Himmel auf die Erde zu bringen. Aber die Frage ist: Wo finden wir denn Jesus hier auf der Erde? Wir sehen Jesus doch nicht!

 

Sehen ist für uns die wichtigste Wahrnehmung. Was wir sehen, glauben wir. Was wir nicht sehen, glauben wir nicht. Wir sehen ständig Bilder. Wir haben Hunderte Fotos im Fotoalbum, auf dem Computer, im Handy. Wir sehen Fernsehbilder und machen uns ein Bild von Frau Merkel in unserem Kopf, obwohl die meisten von uns sie nie persönlich gesehen haben. Wir machen uns ein Bild von den Flüchtlingen. Obwohl wir eventuell gar keinen persönlich kennen. Sehen heißt: die Welt begreifen.

 

Aber sehen ist nicht alles. Zum Beispiel kann ich Liebe nicht sehen. Ich glaube, dass meine Frau mich liebt und dass meine Kinder mich lieben. Ihr habt hoffentlich alle jemand, der euch liebt, denn das ist wichtig für uns. Aber ich kann diese Liebe nicht sehen. Ich muss sie anders spüren. Und dieses Spüren von Liebe, dafür muss ich hinter die Oberfläche schauen, das ist extrem wichtig. Liebe kann man nur erleben, sie fühlen. Und so ist es mit dem Glauben. Wir sehen Gott nicht, aber wir spüren ihn hinter allen Dingen.

 

Ihr Lieben, bei der Frage, wo Jesus ist und warum wir ihn nicht sehen können, obwohl er trotzdem da ist, bin ich auf den Hund gekommen. Hunde können nicht besonders gut sehen. Es ist auch nicht die wichtigste Methode für sie, sich in der Welt zu orientieren. Sie haben aber eine weitaus bessere Nase als wir Menschen, eben eine hervorragende Spürnase. Lange bevor der Hund jemand sieht, riecht er ihn schon, Und wenn der Mensch längst nicht mehr da ist, kann der Hund mit seiner Nase immer noch seinen Geruch wahrnehmen und seine Fährte verfolgen, wo er hingegangen ist. Deshalb, weil Hunde das herausfinden, was für uns Menschen unsichtbar ist, werden sie auch eingesetzt als Spürhund bei der Polizei und als Suchhund zum Beispiel nach einem Lawinenunglück, um die verschütteten Menschen unter dem Schnee zu finden. Wir können nichts sehen, aber der Hund riecht den Menschen unter der dicken Schneedecke und spürt ihn auf dank seiner geniale Spürnase.

 

Das ist das Faszinierende am Hund: er verlässt sich nicht aufs Sehen allein. Und so können wir vom Hund lernen. Die Jünger waren damals verunsichert, als sie Jesus nicht mehr sehen konnten. Sie blickten zum Himmel und sahen ihn nicht mehr. Weg? Unsichtbar? Für immer? So fragten sie sich. Wir können Spürsinn entwickeln wie ein Hund. Dann brauchen wir ihn gar nicht zu sehen. Dann stellen wir seine Spuren fest. Dann riechen wir förmlich Jesu Gegenwart und Nähe mitten in unserer Welt.

 

Was passiert denn mit einem Hund, wenn er durch die Hecke hindurch einen anderen Hund oder gar erst sein Herrchen dort drüben riecht? In dem Moment, wo er die Nähe des anderen spürt und riecht, kann er an gar nichts anderes mehr denken. Er flippt total aus, er rast hin und her, hechelt wie ein Besessener und bellt aus vollem Hals. Wow, da ist jemand, der Geruch zeigt es mir 100%ig sicher: es ist mein Herrchen! Ist das nicht irre! Freut euch mit mir! Hundefreude hoch 3 ist angesagt!

 

Und wir? Was merken wir von Gott? Oft spüren wir Gott ganz wenig, weil wir so sehr auf das Sehen fixiert sind. Dann gilt: aus den Augen, aus dem Sinn! Wir sehen Jesus nicht, also vergessen wir ihn. Aber es kommt nicht darauf an, dass wir Jesus sehen. Die Frage ist: was spüren wir von Jesus? Ich würde sagen: liebe Gemeinde, lasst uns die Spürnase ausstrecken, Spuren suchen, Witterung aufnehmen! Es liegt ziemlich viel von Gott in der Luft. Spüren wir nicht seine Gegenwart?

 

Es gibt unglaublich viele verschiedene Arten, wie wir Gott sozusagen hinter der Hecke aufspüren. Die Natur ist die offensichtlichste und großartigste Weise, Gott zu spüren. So lange ich zurückdenken kann in meiner Kindheit, habe ich Gott in der Natur erlebt, seine Große, die überwältigende Schönheit und staunenswerte Kraft gespürt: beim Beobachten des Himmels und der Wolken, beim Ausblick von einem hohen Berg, beim Spaziergang im Wald, an einer Meeresküste mit weitem Blick übers Wasser. Eine andere Fährte ist für uns die Musik. In ihr spüre ich Gottes Gegenwart besonders deutlich, es sind sozusagen lichte und dünne Stellen in der Hecke, wo ich Gott ganz besonders deutlich empfinde, wenn die Töne, die Harmonien und Rhythmen mich ergreifen und die Musik durch mich hindurchfließt. Dann ist Gott da. Es gibt noch viel mehr Stellen, wo wir Gottes Nähe spüren, besonders beim Beten oder in der Kirche oder beim Abendmahl oder in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, mit denen ich lachen kann und die lieb zu mir sind und besonders in der Gemeinschaft mit anderen, die ebenso an Jesus glauben wie ich. Dann ist Jesus sozusagen mit im Raum und ich weiß es, weil ich es spüre.

 

Liebe Gemeinde, wir sind oft ein wenig überheblich, was Hunde angeht. Aber, wie gesagt, ich bin heute auf den Hund gekommen, und nun bleibe ich dabei. Wir können einiges von Hunden lernen, auch für unseren Glauben. Ich hörte von einem Hund, der mit seinem Herrn auf eine Schiffsreise ging: wie seltsam mag dem Hund diese Umgebung vorgekommen sein? Das Schiff war groß und bedrohlich, brummte, schaukelte, war voller fremder Menschen. Überall gab es fremde Gerüche und vor allem kein Land, kein einziger Baum, wo man Duftmarken setzen kann, keine Wiese, auf der man freien Auslauf hat, rundherum nur endloses Wasser – wie schrecklich für einen Hund! Aber der Hund war nicht etwa traurig, verstört oder sorgenvoll, nein, er fühlte sich offenbar pudelwohl und wedelte fröhlich mit dem Schwanz. Warum? Weil er sein Herrchen bei sich hatte. Er verstand nicht wirklich, wo er war, wohin die Reise geht und was das alles auf diesem merkwürdigen großen Schiff sollte. Aber sein Herrchen war entspannt, glücklich und gut gelaunt. Und der Hund hatte ein so tiefes Vertrauen in seinen Herrn, dass sich die innere Ruhe und Fröhlichkeit auf ihn übertrug. Mein Herr wird wissen, was er tut und wohin die Reise geht, dann wird es auch gut sein für mich – so spürte der Hund. Und deshalb fühlte sich der Hund einfach wohl. Ich möchte von diesem Hundevertrauen lernen. Ich möchte lernen, dass die Nähe meines Herrn Jesus, der immer bei mir ist, beruhigend ist und dass ich ihm vertrauen kann, weil er weiß, wo meine Reise hingeht.

 

Denn darum geht es zu Himmelfahrt. Dass Jesus wirklich nicht so weit weg ist, wie wir denken. Er ist sehr nah und wir können ihn überall riechen, spüren, erleben, entdecken und seine Nähe gibt uns großes Vertrauen und unglaubliche Freude und Gelassenheit.

 

Das möchte ich lernen zu Himmelfahrt, das ist die wunderbare Botschaft von Jesus für uns an diesem Tag: der Himmel ist nicht weit weg. Und Jesus ist auch nicht verschwunden. Nein, sondern der Himmel ist ganz nah. Jesus hat ihn uns ganz nah gebracht. Und der Himmel beginnt dort, wo wir ihn spüren, unseren Herrn, so wir ihm vertrauen und von seiner Liebe erfüllt werden. Der Himmel kommt uns nah und wird spürbar, wo wir Liebe schenken, einem Menschen Verständnis schenken und einen Schwachen stärken und aufrichten. Wo wir die Wahrheit sagen, auch wenn es unbequem ist. Wo wir böse Worte aufhalten und etwas Gutes sagen. Wo wir Bosheit und Hass nicht mit Hass erwidern, sondern vergeben und die Hand zur Versöhnung ausstrecken. Jesus ist bei uns, wo wir so voller Nächstenliebe uns dem anderen zuwenden.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

 

Sprechzeiten im Pfarramt

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