Predigt Epiph. 06.01.2013

Caselwitz, 6. Januar 2013

 

Epiphanias

Jesaja 60, 1-6

 

Liebe Gemeinde,

jedesmal, wenn wir zu einem neuen und unbekannten Ziel wollen, müssen wir den richtigen Weg suchen. Das kann man tun, indem man die Landkarte studiert oder auf die Wegweiser achtet, die einem die Richtung weisen. Heutzutage wird oft in den Autos ein Navigationsgerät benutzt, da wird das Wegfinden zum Kinderspiel: man gibt nur das Ziel in das Gerät ein, drückt auf Start und schon geht’s los und eine freundliche Frauenstimme leitet einen durch den Verkehr zum gewünschten Ziel – hoffentlich richtig, denn manchmal führt einen diese elektronische Wegweisung auch in die Irre.

Am Epiphaniasfest denken wir Christen in besonderer Weise an die heiligen drei Könige. Eigentlich berichtet uns die Bibel von weisen Leuten, die aus dem Osten kamen, aber wegen der drei äußerst kostbaren Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe, die für normale Leute unerschwinglich waren, nannte man sie später die drei Könige. Tatsächlich hat man 1900 Jahre später im heutigen Irak eine antike Sternwarte ausgegraben, wo ein Zusammentreffen der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische angekündigt wurde und in diesen Schrifttafeln war auch zu lesen, diese besondere Sternerscheinung bedeute, ein neuer Herrscher werde geboren und zwar im Land Israel. Wenn diese Sternwarte in Sippar der Ausgangsort der Sternkundigen war, wissen wir, woher die sogenannten drei Könige kamen: aus dem Zweistromland an Euphrat und Tigris. Eine sehr weite Reise hatten sie also nach Israel, weit über 1000 Kilometer. Aber war nicht der Stern für sie eine Art Navigations-system? Einfach dem Stern hinterher reisen sollte ja nicht so schwer sein. Aber man braucht Vertrauen, dass das wirklich zum Ziel führt und nicht die wochenlange Reise völlig umsonst ist. Die Weisen aus dem Osten aber hatten den Glauben, dass ihr Weg zum Ziel führt und der Stern sie dorthin bringt. Allerdings mit einem Umweg. Denn zwischenzeitlich vertrauten sie der eigenen Logik und ihrem Gefühl, dass ein neugeborener König ja wohl im Königspalast in Jerusalem zu finden sein müsse – aber ihr Gefühl und ihr Verstand täuschten sie. Bei König Herodes, den sie dort antrafen, waren sie völlig an der falschen Adresse. Nicht nur, dass bei ihm kein Königskind geboren war, sondern schlimmer noch: sobald Herodes von der Suche der Weisen erfuhr, beschloss dieser machtgierige und äußerst menschenverachtende König, das kleine Königskind zu töten, sobald er wüsste wo es ist. Und dafür versuchte er die Weisen aus dem Osten zu benutzen, indem er sie bat wiederzukommen und ihm zu berichten, wo das Kind sei, damit auch er hingehe und es verehre – eine infame Lüge. Diese Wegverirrung der Könige hatte also höchst gefährliche Folgen. Ein Navigationsgerät meldet in solchem Fall, wenn man verkehrt gelandet ist: Route wird neu berechnet – bitte warten. So erging es auch den Weisen, sie mussten ihre Route korrigieren und neu berechnen. Immerhin erfuhren sie in Jerusalem, dass das Königskind in Bethlehem geboren werden soll, denn so stand die Prophezeiung in der Bibel: aus der Familie Davids solle er kommen und diese Familie stammte aus Bethlehem. Der Stern führte die Weisen dann zu dem erstaunlichen Ziel, dem kleinen Örtchen Bethlehem, in unmittelbarer Nähe der mächtigen Burg Herodeion des Königs Herodes gelegen. Dort oben in der Burg mit unermesslichen Schätzen und auf einem hohen in Sklavenarbeit aufgeschüttetem Berg mochte ein mächtiger König wohnen, aber unterhalb, in der armen Krippe im Stall lag der wahre Friedenskönig, der die Welt retten konnte. Dort fanden sie das Kind und das war wohl keine Kunst, denn die Hirten hatten ja offenbar bereits in ganz Bethlehem die Nachricht der Engel verbreitet, der Christus, der Heiland sei geboren und liege in einer Krippe. Ein Navigationsgerät würde heute melden: Sie haben ihr Ziel erreicht. Die weisen Männer aus dem Osten ließen sich durch die merkwürdigen Umstände, die äußerst ärmliche Unterkunft, nicht irritieren, sie spürten, dass sie am Ziel waren und wurden von großer Freude erfüllt, fielen nieder und beschenkten das Kind Jesus mit ihren reichen königlichen Gaben.

Der Stern, dem die sogenannten heiligen drei Könige folgten, war aber viel mehr und noch etwas ganz anderes als ein Navigationssystem antiker Art, das die Route anzeigt. Natürlich ist es sehr eigenartig, dass die Weisen an die Sterndeutung glaubten und so zu Jesus kamen, da doch der Bibel jegliche Sterndeutung völlig fremd ist. Gleich zu Beginn der Bibel, bei der Schöpfungsgeschichte hören wir, als Mond und Sterne geschaffen wurden, dies seien Lampen am Himmel. Damit wird die damals verbreitete Sicht der Antike abgelehnt, die Sterne seien bedeutungsvolle Objekte, die unser Leben beeinflussen und steuern. Jegliche Horoskopleserei wird damit lächerlich gemacht: die Sterne sind nur höchst unbedeutende Beleuchtungskörper – mehr nicht. Aber offenbar nutzt der allmächtige Gott, der nach dem Glauben Israels allein unser Leben regiert, diese Sterngläubigkeit der heidnischen Männer aus dem Osten, um sie zu Jesus führen, wo dann allerdings ihre Sterndeuterei sich erledigt hat und vielleicht ist es ja ein wichtiges Zeichen, dass die Sterngläubigen erst durch die Bibelkundigen in Jerusalem wirklich erfahren, wo der Christus zu finden ist und was es mit seiner Geburt auf sich hat, dass also die Bibel sich als der viel bessere Wegweiser erweist als die Sterne. Auf jeden Fall aber, das wird oft vergessen: in dem Moment, wo die Weisen vor Jesus niederfallen und ihn anbeten als ihren König und Herrn, beginnt Gott direkt zu ihnen zu reden und im Traum redet Gott erstmals direkt zu ihnen und befiehlt ihnen, nicht zu König Herodes zurückzukehren, sondern auf einem anderen Weg nach Hause zu reisen. Der Stern von Bethlehem ist also nicht so sehr Navigationssystem, sondern viel mehr ein Hinweiszeichen auf den wahren hellen Stern, der hier zu Weihnachten erscheint: auf Jesus Christus. Und genau deshalb ist der Stern ein so wichtiges Zeichen, das überall in der Weihnachtszeit begegnet und über keiner Weihnachtskrippe fehlt. Und zum Epiphaniasfest singen wir eben viele wunderschöne Lieder von dem Morgenstern Jesus, der für uns aufgegangen ist. Eine tiefe Symbolik, denn der Morgenstern kündigt an, dass die finstere Nacht vorbei geht und bald der Tag kommt. Wenn Jesus also geboren ist, dann kündigt das an, dass die Finsternis aus unserem Leben verschwinden wird und er Licht in unser Leben bringt. Dass der Stern von Bethlehem nie anders verstanden wurde als ein Symbol für Jesus selbst, das war damals vor 2000 Jahren noch viel deutlicher als für uns heute. Denn König Herodes hielt sich selbst für den Star seiner Zeit und ließ auf die Geldmünzen auf der einen Seite seinen Kopf prägen und auf der Rückseite einen Stern. Wenn der Stern von Bethlehem nun nach Bethlehem wies und über dem Stall stand und die Sternkundigen aus dem Osten an Jerusalem vorbeizogen, weil dort nicht der ersehnte Friedenskönig und Herr über alle Welt zu finden sei, dann musste das Herodes wahnsinnig eifersüchtig und wütend machen, zeigte aber klar für alle Welt: Jesus ist der wahre Stern der Menschheit und ihm lohnt es zu folgen und sich an ihm zu orientieren, weil er allein in unser Leben hinein strahlt und uns Glanz und Licht schenkt. Es geht bei diesem Stern eben um das Licht, das uns im Inneren erleuchtet.

Und genau davon spricht das Bibelwort, das am heutigen Sonntag Epiphanias zu uns spricht, aus dem Buch des Propheten Jesaja im 60. Kapitel:

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.“                                           (Jesaja 60, 1-6)

Liebe Gemeinde, was Jahrhunderte vorher prophezeit wurde, hat sich in der Geburt von Jesus erfüllt: die Völker, die Heiden kommen und huldigen ihm und erkennen in ihm das Licht, das alle Finsternis der Menschheit durchbricht.

Für einen Moment wollen wir aber zum Schluss noch über die Worte des Jesaja nachsinnen: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Ein ganze erstaunlicher Satz ist es, den wir hören. Er enthält zwei Befehle: „Mache dich auf!“ und „Werde licht!“ Wie soll man das denn tun, muß man hier .sofort zurückfragen: „Werde licht“ oder wie man auch formulieren könnte: „beginne zu leuchten“? Aber dieser Befehl ist genauso zu verstehen, wie Jesus zu dem Gelähmten sagte: steh auf, nimm dein Bett und geh! Aus eigener Kraft war das unmöglich! Aber Jesus heilte durch dieses Wort den Kranken und gab ihm in dem Moment die Kraft, wo er den Befehl aussprach. Es ist das Schöpferwort Gottes, das verwandelt. Genau das ist Weihnachten: kein Fest, wo man ein wenig feiert und das dann vorüber ist, wenn der Baum abgeputzt wird, sondern eine grundlegende innere Verwandlung: „Werde licht!“ Spricht Gott zu mir und dir und er schenkt uns dieses Licht, das alles in unserm Leben in einem neuen Licht erscheinen lässt und uns selbst zum Leuchten bringt. „Mache dich auf“ heißt der zweite Befehl. Es gibt Stellen in unserm Leben, wo wir aufgegeben haben, wo wir träge und hilflos geworden sind. Es gibt dunkle Stellen, Finsternisse in uns. Und genau da hinein soll das Licht Gottes leuchten. Bewegung soll hineinkommen. Es ist vielleicht eine gute Übung, wenn wir uns richtig Zeit und Stile nehmen, vielleicht auch tatsächlich vor eine Kerze setzen oder auf einen weihnachtlichen Stern schauen und überlegen, wo es finster in uns ist und wie Gottes Licht das verändern kann. Es lohnt darüber nachzusinnen, wo Bewegung in mein Leben kommen soll, wo ich aufbrechen möchte. Die alten Kirchenlehrer haben empfohlen, Bibelworte zu meditieren und, wie sie es formulierten, diese Worte zu kauen. Kaugummis sind sehr verbreitet, ein vielleicht ulkiger Gedanke, aber wenn man ein Bibelwort immer neu durchkaut, erschließt sich seine tiefe Bedeutung. So können wir dieses Wort: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Es ist ein geheimnisvolles Wort, dessen Bedeutung sich erst Stück für Stück immer tiefer erschließt. Der zweite Teil des Satzes ist eigentlich umwerfend. Denn zweimal werden hier besitzanzeigende Pronomen gebraucht: Dein Licht kommt. Nicht irgendein Licht, es ist das Licht für mich ganz persönlich, mein Licht. Das ist das tiefste Geheimnis und die eigentliche Wahrheit zu Weihnachten: nicht irgendein Stern leuchtet da am Himmel, sondern mein persönlicher Stern, mein Licht, das mich ganz durchleuchtet und mein Leben hell macht: Jesus Christus, für mich kam er in Bethlehem zur Welt. Und es geht noch weiter: die Herrlichkeit Gottes leuchtet hier an dieser Stelle auf: wie es heißt: über dir. Können wir das glauben? Kaum zu begreifen! Gottes glanzvolle Herrlichkeit leuchtet über mir auf. Diese Herrlichkeit Gottes ist in unserm Leben meistens nicht sichtbar, genauso wenig wie sie bei Jesus sichtbar wurde: er wurde in ärmlichsten Verhältnissen geboren, er musste mit den Eltern nach Ägypten fliehen vor Herodes Mordauftrag und lebte jahrelang unscheinbar, bis an seinem Lebensende, bei seiner Auferstehung die Herrlichkeit Gottes sichtbar wurde. So leuchtet jetzt schon die Herrlichkeit Gottes über uns, für unsere Augen meistens verborgen und doch ist es wahr und wir dürfen und sollen es glauben: Gottes Herrlichkeit leuchtet tatsächlich über mir persönlich, ich bin ein unschätzbar wertvolles Kind Gottes und am Ende wird diese Herrlichkeit sichtbar und wirklich erfahrbar. Das gibt meinem Leben tatsächlich eine neue Bedeutung, es läßt mich und jeden Tag meines Lebens in einem neuen Licht erstrahlen. Ich wünsche uns allen, dass der Stern Gottes, der Morgenstern Jesus Christus, unser ganz persönlicher Stern, immer weiter auf unserem Weg uns voranleuchtet, unser Leben hell macht, sein Strahl soll mit uns gehen. Amen.

 

Sprechzeiten im Pfarramt

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