Predigt 9. n. Trin. 28.07. 2013

28. Juli 2013

 

9. Sonntag nach Trinitatis

Matthäus 13, 44-46

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

Wir hören zu Beginn den heutigen Predigttext aus dem Matthäusevangelium im 13. Kapitel:

„Jesus Christus sagte folgendes Gleichnis:

»Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann fand den Schatz und vergrub ihn schnell wieder. Voller Freude ging er los und verkaufte alles, was er besaß, und kaufte dafür diesen Acker.  Mit dem Himmelreich ist es auch wie mit einem Kaufmann, der auf der Suche nach schönen Perlen war. Er entdeckte eine besonders wertvolle Perle. Da ging er los und verkaufte alles, was er besaß, und kaufte dafür diese eine Perle.«“

 

  1. 1.    Das Spiel mit Gott – oder warum ist Gott so versteckt?

 

Spiele, Spiele, Spiele. Die halbe Welt ist begeistert von Spielen. Die Kinder spielen „Verstecker“ und Seilspringen, ein paar Jahre später geht es los mit den Computerspielen. Die Erwachsenen treffen sich zu Romme, Kanaster oder Skat. Im Fernsehen verfolgen wir „Wer wird Millionär“ oder eine der anderen unzähligen Spielsendungen. Und dann gibt es die Gewinnspiele: „Machen Sie mit und versuchen Sie Ihr Glück bei unserm großen Sommergewinnspiel. Erster Preis ist eine Traumkreuzfahrt auf dem Mittelmeer für zwei Personen auf dem Luxusschiff MS Fantasia. Oder gewinnen Sie mit ein klein wenig Glück einen der weiteren 1000 Preise, die auf Sie warten.“ So oder ähnlich haben wir es hundertfach gehört und vielleicht schon selbst probiert. Aber leider: gewonnen habe ich noch nie. Die Gewinner sind immer die anderen. Dabei ist der Gedanke so reizvoll und verlockend, mal den großen Gewinn zu machen und als der strahlende und glückliche Sieger dazustehen.

Liebe Gemeinde, genau solch einen glücklichen Gewinner stellt uns Jesus vor Augen. Einen, der das ganz große Los gezogen hat. Er war wohl nur ein kleiner Lohnarbeiter und bei der Feldarbeit zugange. Plötzlich stößt er mit dem Pflug hart an. Er ärgert sich und will schon anfangen zu schimpfen über die lästigen Steine im Acker, da stochert er in der Erde herum und merkt: es ist gar kein Stein, es ist eine Kiste. Sein Puls geht schneller, in Windeseile gräbt er im Erdreich und legt die Truhe frei, die hier jemand vergraben hat. Als er den Deckel anhebt, glänzen seine Augen und er kann sein Glück kaum fassen: ein Schatz mit Silber- und Goldmünzen liegt vor ihm. Blitzschnell kombiniert er. Der Schatz gehört ihm nicht, weil es nicht sein Acker ist. Gut, dass ihn keiner gesehen hat, also senkt er die Schatzkiste schnell wieder hinunter und bedeckt sie mit Erde, so dass niemand etwas bemerkt. Zuhause sucht er all sein Erspartes, die Wertgegenstände, leiht noch den Rest bei Familie und Freunden und geht hin zum Landbesitzer: >Du, ich will mich selbständig machen, verkauf mir ein kleines Stück Land, der Acker am Waldrand reicht mir, den kannst du mir doch geben für diese Summe, oder?< Es klappt: er bezahlt und ist Besitzer dieses Ackers und vor allem des Schatzes, der darin liegt. Dieser Mann ist ein Gewinner.

 

Viele Menschen sind begeistert vom Spielen, denn Spielen macht Freude, gewinnen noch mehr. Aber ist nicht das ganze Leben ein großes Spiel? Manchmal fühlen wir uns so: wir versuchen mit allem Einsatz und Geschick unser Glück im Leben zu machen, aber dennoch gelingt es nicht immer. Es erscheint so ungerecht: einige haben sich mit allen Kräften bemüht, sie waren fleißig, haben sich um ihre Familie gekümmert, haben sich an die Regeln gehalten und trotzdem schneiden sie schlecht ab im Spiel des Lebens, sie fallen weit zurück, sie werden von Unglück oder Krankheit getroffen. Und wir fragen: warum? Andere waren ein wenig leichtsinnig, haben es mit den Spielregeln des Lebens und mit Gottes Geboten locker genommen, sich für die Arbeit nicht umgebracht und sie landen ganz weit vorn. Das Leben ist kein lustiges Spielchen, sondern oft ein ungerechtes und böses Spiel mit vielen Verlierern. Man kann im Leben auch nicht einfach sagen: neues Spiel, neues Glück, fangen wir nochmal von vorn an! Ist das Leben ein fatales ziemlich ungerechtes Glücksspiel? Nein – sondern Gottes Spielregeln sind vollkommen anders als die menschlichen Spielregeln und sehr erstaunlich: da gibt es nicht nur einen Gewinner und viele, die sich vergeblich gemüht haben. Bei Gott wartet auf jeden ein Hauptgewinn.

Aber die Frage ist: machen wir das Spiel mit Gott? Es ist zugegebenermaßen ein etwas abenteuerliches Spiel mit vielen Unbekannten!. Denn wir können Gott nicht sehen, nicht beweisen und erst hinterher wissen wir, ob wir auf die richtige Karte gesetzt haben. Manche halten uns Christen deshalb für etwas verrückt, dass wird dieses Spiel mit Gott mitspielen und ernst meinen.

 

  1. 2.    Arbeit auf dem steinigen Acker mit Überraschungen

 

Aber das ist der Punkt an diesem Gleichnis, das Jesus erzählt: Gott liegt nicht auf der Straße, so dass ihn jeder sehen könnte. Es mag ärgerlich sein, aber es ist die Wahrheit: Gott ist verborgen in dieser Welt, wie dieser Schatz im Erdboden vergraben ist und zunächst einmal unsichtbar ist. Aber: obwohl man ihn nicht sieht, das macht Jesus deutlich, obwohl man vorher nicht weiß, ob er da ist, wir können ihn finden – wie der Mann auf dem Acker, wie der Kaufmann, der die kostbare Perle suchte. Du kannst dieser große Gewinner sein, sagt Jesus.

Der Schatz ist nicht offen für jeden sichtbar, sondern er liegt verborgen im Acker. Es hat eine ganz besondere und tiefe Bedeutung, was Jesus hier erzählt. Wenn wir heutzutage Schätze sehen wollen, dann gehen wir ins Museum, zum Juwelier, in eine Ausstellung, dort liegen sie in der Vitrine hinter Panzerglas für jeden sichtbar. Und – das macht Jesus deutlich – so ist es eben nicht mit Gott, diesem größten Schatz im Leben, der für unser Leben der Hauptgewinn ist und uns ungeheuer bereichert: wenn wir IHN finden, er liegt nicht offen auf der Straße, auch nicht im Museum hinter Panzerglas, er ist überhaupt nicht offen sichtbar und viele spotten: den gibt’s doch gar nicht, das ist nur ein Märchen. Aber Jesus sagt: er liegt im Acker und der Landmann findet ihn mitten bei der Arbeit ganz unerwartet. Dieser Acker: das ist dein Leben und mein Leben! Wir ahnen es nicht, dass Gott so nah ist, wir rechnen nicht damit. Aber Gott ist tatsächlich in unserm Leben zu finden.

Aber warum ist Gott so verborgen und unsichtbar? Wäre es nicht viel leichter für uns, an ihn zu glauben, wenn er sichtbar wäre und deutlich hörbar mit den Menschen reden würde und mit Pauken und Trompeten auftreten würde als König des Himmels und der Erde? Aber Gott wählte einen anderen Weg: er kam durch Jesus Christus im verborgensten Winkel durch die hinterste Tür, in Bethlehem in einem Stall in diese Welt. Er ging zu Fuß, er kam nicht in der goldenen Kutsche, er blieb stehen bei Kindern, bei Kranken, bei Blinden und bei einer Frau am Brunnen mit zerrüttetem Leben. Nein, nicht die Machtzentren sind seine Welt, sondern das einzelne kleine Menschenleben. Denn er will mir und dir persönlich begegnen, nicht in einem Massenauflauf. Dort in der stillen Ecke, wo ich bete, wo ich Tränen der Angst vergieße, meine Sorgen mich bedrücken, dort kommt er in unser Inneres und nimmt Wohnung in unserem Herzen. Wenn wir spüren wie heimatlos und verloren wir sind, wie sehr wir ihn benötigen, wie leer und hohl unser Leben ohne Gottes Fülle und Reichtum ist, dort scheint sein Licht auf, dort fließt sein Friede in uns. Er hilft mir über den Abgrund meines Lebens, wie eine Brücke legt er sein Kreuz darüber, nimmt mich an der Hand, wird mein Bruder in der größten Not und tiefsten Verzweiflung und rettet mich. Und das könnte er niemals tun, wenn er wie Barack Obama auftreten würde mit Hundertschaften von Polizei und Dutzenden von Personenschützern und hinter sicherem Panzerglas. Nein, er wollte zu mir in meine Tiefe und hat gesagt: mein Bruder, meine Schwester dort in Caselwitz (oder wo wir auch wohnen) ist in Not, in Sorgen, in schwerer Anfechtung. Ich will bei ihm sein und mit ihr gehen durch diese Tiefe, ich habe diese Not und die Schmerzen erlitten und getragen sogar die Todesnot auf mich genommen, so dass sie nie ohne mich sind und ich erlöse sie aus ihrer Not. Wir können uns ärgern, dass Gott nicht sichtbarer ist und wir keine Gottesbeweise haben. Aber wir können auch anfangen die Augen zu öffnen im schmutzigen Acker unseres Alltags, unter der Kruste und dem Dreck unserer Arbeit zu sehen, wie nahe uns Gott dort ist. Vielleicht sind wir wie der Landmann in dem Gleichnis noch ärgerlich, wenn wir im Acker unseres Lebens auf harte Steine stoßen, die uns den Weg versperren: aber es kann sein, dass es sich als ein Schatz erweist, es kann sein, dass Gott sich dort in unserm Leben verborgen hat, um uns zu beschenken mitten während der Arbeit, mitten im größten Stress. Denn Gott ist eine Perle, die nicht in den Vitrinen liegt, sondern im schmutzigen Acker deines und meines Lebens. Das ist unfassbar schön und höchst verwunderlich, aber wirklich wahr.

 

  1. 3.    Hohe Preise, schlechte Zahlungsmoral und die überschwängliche Freude am Reich Gottes

 

Wenn wir einmal begriffen haben, welch eine Schatz in unserem Leben ruht: nämlich der Gott, der mich liebt, mich führt, mich aufrichtet und das ewige Leben schenkt – dann werden alle anderen Schätze wie Geld und neues Auto und erfolgreiche Karriere zweitrangig und unwichtig. Denn seine Liebe ist uns unendlich viel kostbarer geworden und wir würden sie um nichts mehr hergeben.

Das große Spiel deines Lebens: du kannst gewinnen. Gott macht aus Verlierern im Leben Gewinner. Aber es gilt einen Punkt zu beachten: niemand muss das Spiel mit Gott spielen. Niemand wird gezwungen. Keiner muss sich auf die Suche nach der Perle machen. Das ist der zweite wichtige Punkt, den Jesus uns mit diesem Gleichnis deutlich zeigen möchte: es gibt einen Spieleinsatz. Der Landmann auf dem Acker mit dem Schatz und der Kaufmann, der die Perle entdeckt hat, sie zahlten einen hohen Preis dafür, den Schatz zu erwerben. Gott wird niemandem hinterhergeworfen und niemand kann Gott im Vorübergehen mitnehmen als ein Sahnehäubchen für ein bequemes und süßes Leben. Gott hat nichts zu tun mit einer gebratenen Taube, die uns von selbst in den Mund fliegt. Glaube kostet etwas. Christsein hat zu DDR-Zeiten Mut und manche Unbequemlichkeit und Spott der anderen gekostet. Christsein ist in vielen Ländern der Welt mit großen Nachteilen verbunden: in Ägypten, in China, in Pakistan zahlen Christen jeden Tag einen hohen Preis. Und unser Weg wird auch nicht leicht als Christ. Jesus sagt das ganz offen und ehrlich.

Wir klagen oft über hohe Preise, die uns weh tun.  Geschäftsleute machen Erfahrungen mit schlechter Zahlungsmoral. Da denken sich manche: „Ich will Leistung, aber bin nicht bereit dafür zu zahlen.“ Jemand lässt sich neue Fenster einbauen und der Handwerker kriegt sein Geld nicht. Wir schwer tun sich die Menschen, einen hohen Preis zu zahlen! Aber wie anders sind der Mann, der den Acker kaufte und der Kaufmann, der die, Perle erwarb. Sie zögern keine Sekunde, sie jammern nicht dem verlorenen Geld hinterher, nein, sie sind voller Freude und Begeisterung, weil sie wissen: der Gewinn ist viel größer als alles, was sie bezahlen und dafür weggeben mussten. Es hat sich überreichlich gelohnt! Sie haben es gerne gegeben, weil sie einen Schatz gewonnen haben der viel wertvoller ist. Diese Perle leuchtet so strahlend, dass die Schmerzen und Traurigkeiten dadurch in ein ganz neues Licht kommen. Christsein ist vor allem eines: eine große überwältigende Freude, dass Jesus nun der Schatz meines Lebens ist und uns nie mehr verloren geht und dass er mitten in meinem Alltag ist und sich jeden Tag neu finden lässt und mich täglich bereichert. Und der Schatz, der am Ende im Himmel wartet, ist noch viel herrlicher. Vielleicht vergessen wir manchmal als Christen diesen Schatz, der in uns verborgen liegt und das Geheimnis unseres Lebens ist: ich bin unschätzbar wertvoll durch das, was Gott in mich hineingelegt hat. Und manchmal verliere ich die Freude über Gott, dann wird meine Leben abgestumpft und öde. Aber Jesus sagt: wer sucht, der findet! Das gilt für uns jeden Tag neu.

Wer das Spiel seines Lebens mit Gott spielt, der geht nicht leer aus, der ist am Ende ein großer Gewinner. Der muss sein Leben als Spieleinsatz hingeben, aber er wird alles gewinnen und mit Freude und Staunen sehen, wie groß der Gewinn ist und wie sehr ihn Gott beschenkt. Diese Freude, darüber, dass Gott sich in meinem Leben finden lässt, dass er sich als wertvoller Schatz in den schmutzigen Acker meines Lebens hineinlässt, das ist der Kern des Christseins. Denn das ist die köstliche Perle, die glänzt und strahlt. Jesus ist für uns Grund zur Freude ohne Ende, wir dürfen einander gegenseitig Freude geben und voller Freude vorwärts blicken in die Zukunft, denn wir sind geliebte Kinder, Königskinder, Schätze Gottes und Jesus beschenkt uns jeden Tag neu. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50