Predigt 2. Sonntag n. Weihn.

Caselwitz, 3. Januar 2016

 

2. Sonntag nach Weihnachten

 

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.“

(Jesaja 60, 1-6)

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Eben haben wir das wunderschöne alte Lied gesungen, das uns in dieser Zeit in den ersten Tagen des neuen Jahres begleitet: „Der Morgenstern ist aufgedrungen“. Und heute wollen wir uns deutlich machen, was denn diese eigenartige Redeweise bedeutet: wer ist der Morgenstern und was bedeutet er für uns? Seit alter Zeit gebraucht man die Bezeichnung Morgenstern für den Planten Venus, wenn er in den noch dunklen Morgenstunden sichtbar wird. Er ist der letzte und hellste Stern am heller werdenden Nachthimmel, der noch am Morgen zu sehen ist. Jesus Christus wurde dann auch mit diesem bildhaften Ausdruck als der helle Morgenstern bezeichnet. Seine Geburt und sein Erscheinen in der Welt bedeutet, dass ein helles Licht in diese Welt gekommen ist und zeigt an, dass Gott diese Welt retten will und dass ihr aller gegenwärtigen Finsternis zum Trotz eine glänzende und helle Zukunft bevorsteht.

Der Morgenstern ist ein Zeichenstern: er hat keine besonders starke Leuchtkraft am nächtlich dunklen Himmel, man kann ihn durchaus leicht übersehen oder ignorieren, aber seine Bedeutung liegt darin, dass er ein zeichenhafter Stern ist: er ist der letzte Stern, der noch im Morgengrauen sichtbar ist und wird verstanden als Hinweiszeichen auf den kurz bevorstehenden Morgen und das nahe Ende der Nacht. Der Morgenstern ist also ein Zeichen der Zeit, das man richtig erkennen und deuten muss. Ein Hoffnungslicht, das uns den Blick öffnet für eine Zukunft, die noch nicht da ist, aber die man doch hoffnungsvoll erwarten kann.

Liebe Gemeinde, in unserem täglichen Leben nehmen wir ständig, ohne dass wir darüber nachdenken Zeichen der Zeit wahr: immer wieder deuten wir Ereignisse als Zeichen und entwickeln für uns daraus ein Bild und eine Perspektive für die Zukunft, wir lassen uns tatsächlich leiten von bestimmten zeichenhaften Schlüssel-erlebnissen, Bsp.: die Terroranschläge von Paris – sie sind von den Terroristen auch ganz gezielt geplant gewesen als Zeichen für Europa und die westliche Welt, nämlich, dass wir vor der Bewegung des Islamischen Staat Angst haben sollen und dass sie überall unter uns sind und unsere westliche Demokratie und freie Lebensordnung besiegen und vernichten werden – viele Menschen haben diese Anschläge verstanden als Zeichen für sich gedeutet, sich nicht mehr frei überall hinbewegen zu können in unserem Land und dass unser Land und wir selbst bedroht sind, andere sehen dies nicht als persönliche Bedrohung, sondern sagen: ich sehe mich herausgefordert, jetzt gerade nicht in Angst zu leben, nicht der Furcht nachzugeben, sondern zu den Werten und dem eigenen Glauben an die Freiheit zu stehen. Bsp.: die Flüchtlingswelle in Deutschland – auch dies Ereignis wird sehr oft als Zeichen der Zeit gedeutet: die einen sehen es als positive Herausforderung, die wir schaffen und unser Land bereichert und ein Zeichen der Nächstenliebe setzt, andere deuten die Ereignisse als Zeichen für den bevorstehenden Untergang des Abendlandes und des Unterganges der deutschen Kultur. Oder: der Rückgang der Kirchlichkeit und die Schließung von Schulen in unserer Region. Oder das extrem warme Klima und die 40° wärmeren Temperaturen am Nordpol. Was sind das für Zeichen und worauf deuten sie hin? Das fragen wir uns täglich. Sind es Unheilszeichen für uns, Zeichen, die uns Angst erregen, Warnzeichen einer dunklen Zukunft? Wir haben also als verantwortungs-bewusste Menschen und erst recht als Christen die Aufgabe, in jeder Situation neu die Zeichen der Zeit zu erkennen. Gott öffnet uns aber nun den Blick, nicht nur dunkle Zeichen und Vorahnungen wahrzunehmen, sondern Gott möchte uns die Augen öffnen für Lichtzeichen und einen hellen Morgenstern, der für dich und mich aufleuchtet in dieser Welt. Und ich sehe mich ganz persönlich, jeden Tag und auch heute vor der Frage, die Gott an uns stellt: Welche Perspektive und Vision siehst du für dich in deinem Leben? Gibt es so etwas wie einen Morgenstern für dich, ein Zeichen, das dich ermutigt und beflügelt? Erkennst du eine Hoffnung auf neue Anfänge und Chancen hinweist, dich bestärkt in deinem Glauben und dir Zuversicht verleiht? Es darf ja keine Illusion sein, keine Schönfärberei, die uns hinterher nur umso mehr enttäuscht.

Wir alle haben die Hoffnung auf ein solches Licht, das wirklich für uns ein Zeichen ist, das uns den Weg weist, und voranleuchtet, uns eine Vision und Perspektive zeigt. Dein Morgenstern, der für dich aufleuchtet und dir das Zeichen der Zeit anzeigt: Gott eröffnet dir tatsächlich eine Zukunft.

In unserer Wohnung stehen vom Beginn des Advents bis Dreikönige und bis zum Ende der Weihnachtszeit auf der Fensterbank immer diese beiden: Engel und Bergmann, alte erzgebirgische Symbolfiguren, die in dieser Zeit viele Weihnachtsstuben schmücken. Der Hintergrund dieser Tradition ist die Lebenswelt der Erzgebirgler: die dunkle Lebenswirklichkeit der Bergleute, die unter schwersten Umständen unter Tage Gestein schlugen auf der Suche nach Erzen und ihr Hunger und ihre Sehnsucht nach Licht in der ewigen Finsternis tief im Berg. Warum stellen wir uns solch einen Bergmann hin? Ich frage mich: sind wir in ähnlicher Situation? Auch wir stecken oft in Bergen von Problemen fest, durch die wir uns mühsam vorwärtskämpfen müssen. Wir bleiben in der Nacht unter Tage und sehen kein Licht mehr am Ende des Tunnels. Grelle, taghelle künstliche Beleuchtungen können doch nicht unsere Seele erleuchten. Wir brauchen das Licht des Glaubens und der Hoffnung, um für uns einen Weg zu finden.  Bsp.: Erleben von Schule, Probleme am Arbeitsplatz, zunehmender Druck, eine bedrohliche Erkrankung, die wie ein schwarzer Berg vor uns steht und von dem wir nicht wissen, ob wir wieder heil rauskommen ans Licht?

Heute wird uns gesagt: ja, es gibt Zeichen der Zeit, die wir erkennen dürfen, es gibt Lichtzeichen der Hoffnung, helle, positive Zeichen in unserem Alltag, in der Gesellschaft, in der Kirche, in der Politik, die wir nicht übersehen sollten, wir sollen nicht alles schwarz in schwarz sehen. Und es gibt in der Bibel, in der Perspektive unseres Glaubens, durch unseren Herrn Jesus Lichtzeichen, die ganz konkret und persönlich für uns einen Weg weisen, die wir richtig deuten sollen für uns. Entdecke deine Vision, sieh deine Perspektive nicht nur im Licht vom Gerede auf der Straße, von negativen Nachrichten im Fernsehen, von Angstmachern auf Arbeit, entdecke vielmehr Gottes Perspektive für dich, betrachte dein Leben in seinem Licht, dem Licht des Morgensternes, der für dich aufgegangen ist und dir jetzt voranleuchtet. Sieh auf diesen Stern, lass ihn dir zum Leitstern und Zeichen werden. Betrachte ihn als dein Hoffnungszeichen, begreife seine Vision für diese Welt, seine Leuchtkraft für dein Leben. Christus gibt dieser Welt eine erstaunliche und abenteuerlich andere Sichtweise: realistisch und nüchtern, ohne dass die wirklich schlimmen Seiten ausgeblendet werden. Das Böse und Zerstörerische in dieser Welt, die Gefahren und Bedrohungen sind eine Realität und Christen sehen das sehr aufmerksam. Aber wir lassen uns davon nicht einschüchtern und blenden. Wir sehen auf den hellen Morgenstern Jesus Christus, der für uns aufgegangen ist, sein Beispiel, sein Leben, seine Kraft machen uns Mut, sie inspirieren uns, sie geben uns eine ganz erstaunliche Perspektive für uns und für diese Welt.

Heute hören wir das ermutigende Bibelwort vom Propheten Jesaja: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt.“ Wir können nicht nur ein Licht für uns entdecken, sondern selbst Lichtzeichen setzen in dieser Welt, Hoffnung verbreiten, anderen eine ermutigende Perspektive schenken. Z.B. durch die Sternsinger, die gestern überall in der Stadt unterwegs waren und mit ihrem Stern und den Liedern und den Segensworten kleine Momente der tiefen Freude an unzählig viele Menschen verschenkt haben und dabei viel Geld gesammelt haben für Kinder in Bolivien, Kinder, die durch diese Hilfe einen Kindergarten besuchen können, wo sie Kind sein dürfen, weil ihre Eltern den ganzen Tag arbeiten, wo Kinder die Schule besuchen dürfen und nicht von klein auf mit arbeiten und Geld verdienen müssen, weil Kinder aus drogenabhängigen oder von Alkohol zerstörten Familien aus den Slums gerettet werden und wieder eine Hoffnung und Lebensperspektive geschenkt bekommen – wir lernten, dass mit einem einzigen Euro ein Kind pro Tag Essen, Versorgung und Schulbildung ermöglicht werden kann, mit 30 Cent kann ein Kind einen Tag nur ernährt werden. Die Freude war riesig, wie mit jedem Euro, der gespendet wurde, ein Kind, einen Tag mehr unterstützt werden kann. Was für ein Hoffnungszeichen, dass Kinder sich so einsetzen, um Kindern in Not und Armut ein Lichtzeichen der Hoffnung und Lebensperspektive zu geben.

Jeder von uns kann an jedem Tag neu kleine Lichtzeichen verschenken. Vom hellen Morgenstern Christus inspiriert wird unsere Welt einen etwas anderen Schein gewinnen und auf die große Hoffnung setzen, die Christus in unsere Welt gebracht hat. Unter seinem hellen Schein wollen wir zuversichtlich nach vorn gehen, ihm folgen. Ihm sei Ehre und Dank für sein Kommen in unsere Welt. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserm Herrn. Amen.

 

 

 

 

 

 

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