Predigt 2. Advent 08.12.2013

Carolinenfeld, 8. Dezember 2013

 

2. Advent

Johannes 16, 21-22

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

  1. Adventszeit – süße Zeit oder harte Zeit?

 

Liebe Gemeinde,

ich hoffe, ihr habt gut Mittag gegessen! Denn wir sitzen ja heute beim Gottesdienst die ganze Zeit vor vollen Kuchentellern. Ungewöhnlich, wenn wir da noch eine Weile Geduld haben müssen und nicht sofort zulangen dürfen. Das sind wir gar nicht gewohnt. Normalerweise fangen wir gleich an zu essen, wenn etwas da steht. Nun soll dieses Warten keine Quälerei sein, wenn einem der Zahn tropft und es geht immer noch nicht los. Nein, es ist aber eine adventliche Übung, dass wir noch ein wenig warten.

Ja, genau, denn im Advent geht es ja um das geduldige Warten. Wir können auch jetzt noch nicht die Geschenke aufreißen, weil es erst Heiligabend werden muss, bis die Zeit für die Bescherung ist. Und das Warten, bis wir richtig loslegen mit dem Essen, ist auch eine alte Adventstradition. Früher haben die Menschen nicht nur eine Stunde lang gewartet, sondern die ganzen vier Adventswochen vor Weihnachten waren eine Fastenzeit, in der man sich ganz sparsam und bescheiden ernährt hat und auf vieles verzichtet hat: auf Fleisch, auf Süßes, auf fette und üppige Speisen. Warten, geduldig ausharren, aber sich auch schon vorher freuen auf das Schöne und Süße, was da kommt, das macht den Advent aus. Adventszeit ist Wartezeit und Zeit der Vorfreude. Wenn man nicht sofort alles nimmt, was man bekommen kann, sondern lernt zu warten, dann genießt man hinterher viel bewusster und freut sich intensiver. Ich lade Euch heute ein, dass wir den Advent wieder begreifen als eine Zeit des hoffnungsvollen und geduldigen Wartens auf das Wunder und die Freude von Weihnachten.

Nun haben wir hier auf den Tellern vor uns auch Lebkuchen liegen und ich habe ein kleines Lebkuchenherz mitgebracht. Wir alle haben solch ein Herz schon oft gesehen, das gibt es auf Jahrmärkten und auf den Weihnachtsmärkten überall zu kaufen. Lebkuchen: ein leckeres Gebäck, sehr süß und kräftig gewürzt. Für manche Ältere unter uns ist es nicht so verlockend. Sie würden sagen: so ein Lebkuchenherz, da beiße ich nicht mehr hinein, das ist nämlich meistens ziemlich hart, zu hart für meine Zähne! Ist dieses Herz hier noch weich oder schon recht hart? Das kann man nicht sehen, ich müsste schon hineinbeißen und es ausprobieren.

Genau diese Frage stellt sich für uns auch jetzt in den Wochen vor Weihnachten: ist der Advent eigentlich eine süße Zeit oder ist er doch eine harte Zeit? Das ist eine Frage, die nur jeder Einzelne für sich beantworten kann. Freut ihr euch auf den Advent? Ist es eine Zeit, die euch in besonderer Weise berührt und mit Vorfreude erfüllt? Ist der Advent eine stille Zeit, in der ihr innerlich zum Frieden findet? Ist es eine Zeit, in der Gottes Nähe spürbar wird und das Licht von Weihnachten in das Leben hineinkommt? Süße wundervolle Zeit vor Weihnachten? Oder ist es gerade das Gegenteil? Vielleicht doch eine harte Zeit für euch? Ist der Advent eine Zeit, die euch ein wenig mit Sorge erfüllt und euch abschreckt? Ist Advent eine Zeit der Hektik und der übermäßigen Arbeit, die man kaum bewältigen kann und die wie ein Berg vor euch steht? Ist Advent eine Zeit, in der durch tausend Termine und Kaufen und Verkaufen, Geschenke besorgen und Putzen und Weihnachtsvorbereitung fast gar keine Stille und kein Friede mehr zulässt? Ist es vielleicht auch eine traurige und bedrückende Zeit? Ich denke an die vielen Menschen, denen nicht adventlich zumute ist, weil sie voller Traurigkeit sind, weil ein lieber Mensch gestorben ist, den sie vermissen. Oder weil sie große Geldsorgen haben und gar nicht wissen, wie sie Geschenke kaufen sollen oder das Fest vorbereiten. Ich denke an solche Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, ich denke an die Kranken, die von ihrer Krankheit belastet und gefesselt sind, so dass kaum ein Gedanke an den Advent bleibt. Ja, Advent ist für viele Menschen keine süße Zeit, sondern eine harte Zeit. Und für mich und dich? Vielleicht ist es eine Mischung aus beiden? Wir freuen uns auf den Advent, haben große Sehnsüchte und Hoffnungen, aber gleichzeitig auch Ängste und Unfrieden?

Ich möchte sagen: beides ist, liebe Gemeinde, nun eigenartigerweise auch in diesem Lebkuchenherz zu sehen. Advent ist süß und hart, ist es immer schon gewesen und wird es immer sein. Advent ist liebliche wundervolle Zeit, aber Advent ist auch schmerzhafte Zeit des Wartens und der unerfüllten Sehnsucht. Das sind zwei Seiten des Advent. Und ich möchte nie und nimmer zulassen, dass uns suggeriert wird durch Lebensmittelindustrie und Weihnachtsmarktorganisatoren, dass Advent immer nur zuckersüß und fröhlich und unbeschwert sein soll. Das ist der Advent nicht und den Anschein soll man auch nicht erwecken. Nein, Advent ist süß UND hart.

Liebe Gemeinde, deshalb ist es so wichtig und heilsam, dass wir uns auf die alten adventlichen Texte und Symbole der Bibel besinnen, in denen es um die Vorfreude geht, aber auch das Leid, die Sorge und der Schmerz in unserem Herzen Platz haben. Gott kommt nämlich gewiss nicht auf diese Welt zu Weihnachten, um den Konsum anzukurbeln oder die beschwipsten Glühweintrinker auf dem Weihnachtsmarkt noch ein bisschen fröhlicher zu machen, sondern er kommt zu denen, für die es dunkel und traurig ist, denen das Herz schwer und bedrückt ist und zu uns allen, die wir voller großer innerer Sehnsucht und tiefem Verlangen sind, dass der Advent nicht nur ein bisschen äußerlicher Glamour und Lichterglanz ist, sondern die sich tief im Herzen nach Frieden und nach der Nähe von Gott  sehnen, die Ausschau halten in dunkler sorgenvoller Zeit nach dem tröstenden Licht von Jesus Christus. Ja, für die kommt Gott, er kommt für uns alle, die wir geduldig oder voller Schmerz warten. Und genau das kommt so dicht und unmittelbar zum Ausdruck in den Worten der Bibel, ich möchte noch einmal den Predigttext lesen aus dem Johannesevangelium im 16. Kapitel:

„Jesus Christus spricht: Eine Frau, die ein Kind bekommt, hat bei der Geburt Schmerzen. Wenn aber das Kind dann geboren ist, sind alle Schmerzen vergessen, so groß ist ihre Freude über das Kind, das sie zur Welt gebracht hat. Auch ihr habt jetzt Traurigkeit; doch ich werde wieder zu euch kommen. Dann soll euer Herz voll Freude sein, und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen.“ Amen.

 

  1. 2.    Die verborgene Botschaft der Lebkuchen: ein Leben in Fülle, ein Herz voller Liebe

 

Liebe Gemeinde, die Adventszeit ist die Zeit, in der wir auf die Geburt unseres Herrn Jesus warten, auf seinen Geburtstag, auf Weihnachten. Und ebenso wie das für eine Schwangere eine Zeit der Vorfreude ist, aber auch eine Zeit der Mühen, des Wartens, auch eine Zeit der Schmerzen, wie sollte es für uns anders sein? Doch am Ende soll unser Herz voller Freude sein.

Warum aber, so fragt sich mancher, hat der Herr Krause nun eigentlich das Lebkuchenherz mitgebracht? Unsere Vorfahren haben sich viele Gedanken gemacht, wie man das Geheimnis von Weihnachten begreiflich machen kann, so dass man es auch sehen und schmecken und mit allen Sinnen in sich aufnehmen kann. Und so ist der Lebkuchen entstanden. Er besteht aus Mehl, viel Zucker, traditionell Honig, und vielen exotischen Gewürzen, die ihm seinen typischen Geschmack geben. In unseren faden Alltag soll das besondere Gewürz, der Geschmack von Weihnachten hineinkommen und die Bitterkeit des Lebens soll verdrängt werden, wenn wir schmecken, wie süß es ist, was Gott uns schenkt durch seinen Sohn Jesus. Spekulatius ist das Gebäck, das einen speculum, einen Spiegel trägt, also Bildervon Personen, Tieren und Gegenständen, die mit der Jesus in der Krippe und mit Weihnachten zu tun haben. Es gibt dieses weihnachtliche Gebäck in unzähligen Formen, aber eine Botschaft haben sie alle gleich, und sie kommt am klarsten und schönsten durch das Lebkuchenherz zum Ausdruck: Gott hat ein Herz für den Menschen und er schenkt uns das, was direkt von seinem Herzen kommt: seinen Sohn Jesus Christus. Mit ihm gibt er uns seine ganze ungeteilte Liebe. Im Johannesevangelium lesen wir in der Beschreibung von Weihnachten, wie Jesus in die Welt kommt und geboren wird und wie er das Licht in die Dunkelheit der Welt bringt, den abschließenden und zusammenfassenden Satz: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ Genau darum geht es bei den Lebkuchen: uns ist in Fülle gegeben, eine Fülle von Gewürz, eine Fülle von Honig und Süße, denn Gott hat uns in Jesus die ganze Fülle seiner Liebe geschenkt. Das dürfen wir sogar schmecken, wenn wir essen.

Die Frage bei den Lebkuchen ist dann nur: haben wir schnell in uns hineingestopft, schnell noch einen Lebkuchen verdrückt? Schnell gegessen, sofort vergessen? Oder begreifen wir das Wunder von Weihnachten: hier schenkt uns Gott sein Herz, er kommt mit seiner Fülle in unser Sehnsucht, er kommt mit seiner Freude um unsere Traurigkeit zu beenden, er kommt mit seinem Frieden in unser ängstliches suchendes Herz. Heiß es dann für uns: den Lebkuchen mit Freude gegessen und für immer im Herzen besessen? Das wünsche ich uns dass wir ein Stückchen Vorfreude in uns aufnehmen, Frieden gewinnen und aus der Fülle von Gottes Liebe etwas nehmen und dann aus dieser Fülle auch weiterschenken, jeden Tag im Advent in bisschen von der Süße, von der Liebe, von der Freude weitergeben, bis zu Weihnachten die Freude alle Herzen erreicht und tröstet. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserm Herrn. Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50