Predigt 1. Advent 01.12.2013

Hohndorf, 1. Dezember 2013

 

  1. Advent

Jesaja 60, 1-3

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus! Amen.

 

  1. 1.    Wir haben das Licht der Welt erblickt – wir sehnen uns nach Licht

 

Liebe Gemeinde,

wenn wir über die Geburt eines Menschen sprechen, dann sagen wir manchmal: er oder sie hat das „Licht der Welt erblickt“. Das ist eine Redeweise, über die ich einen Moment nachdenken möchte. Niemand von uns kann sich daran erinnern, aber es ist ein gewaltiger Moment für uns gewesen und jeder hat es erlebt. Zuvor kannten wir nur die dunkle warme Höhle des Mutterleibs, wo nie  mehr als ein heller Schimmer hindurchdrang, nie etwas für die Augen zu sehen war. Aber in dem Moment, wo wir den Mutterleib verließen, brachen wir durch in ein helles Licht, in eine Welt, von der wir nichts ahnten. Und was für eine umstürzende Veränderung! Vorher im dunklen Mutterleib waren wir nur auf uns selbst bezogen, konnten kein Ding und niemand anders sehen, aber nun im hellen Licht sieht das Auge eine ganze weite Welt voller Dinge, einen weiten Raum, eine Vielfalt der Farben. Und wir sahen erstmals: unsere Mutter, andere Menschen, ein lebendiges Du.

Liebe Gemeinde, wir alle, jeder von uns, ist ganz am Anfang des Lebens vom Dunkel ins Licht gekommen. Dieses Licht der Welt, das wir erblickten bei unserer Geburt, war der Anfang eines neuen Lebens. Und seitdem, ist es tief in unserem Wesen verankert, dass wir Licht brauchen, Licht suchen, vom Licht fasziniert sind. Wir alle sehnen uns aus der Dunkelheit ins Licht.

Und eben weil das so ist, weil unsere ganze Welt ohne Licht gar nicht existieren könnte und wir ohne Licht verloren wären als Mensch, deshalb beginnt laut der Bibel die Schöpfung mit den Worten: Und es war finster auf der Fläche der Tiefe. Und Gott sprach: >Es werde Licht.< Und es wurde Licht. Das ist das erste Wort Gotte, der Beginn der Welt: es wird Licht. Licht ist Leben. Und Gott liebt das Licht und möchte die Menschen aus der Dunkelheit in sein helles Licht holen. Gott möchte, dass wir das Licht der Welt erblicken, sehen können, uns freuen an dieser Welt, unsere Mitmenschen sehen und nicht in der Finsternis allein für uns sind.

Heute stehen wir wieder an der Schwelle zur Adventszeit und sie hat ihre unnachahmliche einmalige Faszination und ihre tiefe Wirkung auf unsere Seele, weil wir in dunkler Jahreszeit in trüben finsteren Tagen nun kleine Lichter entzünden, die uns leuchten durch all die Tage bis Weihnachten, wo wir die Geburt unseres Herrn Jesus Christus feiern. Er ist für uns das Licht der Welt, unsere Hoffnung, unser Trost, er schenkt uns Liebe und tiefen Frieden für unser Herz in dunkler kalter Zeit, in einer Welt, die so dringend und sehnsüchtig auf dieses Licht wartet.

Liebe Gemeinde, habt ihr auch in euren Häusern das erste Licht vom Adventskranz entzündet? Habt ihr die Stube geschmückt, Figuren aufgestellt, Sterne aufgehängt? Es ist eine eigenartige Veränderung, die damit geschieht: es werden Erinnerungen aus frühen Kindheitstagen lebendig, Erinnerungen an vergangene Jahrzehnte voller Glück und Freude. Und wenn die Adventslieder und die Weihnachtsmusik erklingen und wir stimmen ein in das „Macht hoch die Tür“ ist es, als flutete eine Welle von Licht in alle Dunkelheit unseres Lebens, als glühte ein Licht in unseren Herzen auf, als berührte Gott mit sanfter Hand unser Leben. Nein, liebe Gemeinde, wir haben nicht nur einmal in der Vergangenheit ganz am Anfang das Licht der Welt erblickt, woran sich niemand mehr erinnert, sondern es ereignet sich jedes Jahr neu, dass Gott uns dieses besondere Erlebnis schenkt, diese heilige Zeit, wo wir das Licht der Welt erblicken und es in unser Inneres hineinleuchten lassen und spüren, wie Gott damit unser Leben bereichert und erfüllt. Gott bringt die Wahrheit ans Licht, die wir in Jesus Christus, seinem Sohn erkennen, er schenkt uns ein Licht, das unser Leben hell macht, uns erwärmt, uns erleuchtet im Herzen, uns heil macht, die wir verloren sind in der Dunkelheit. Gott sei Dank: wir dürfen eintreten in die Zeit des Advent.

 

  1. 2.    Gebrochenes Licht und Lichtblicke durch Christus, das Licht der Welt

 

Liebe Gemeinde,

ich möchte jetzt den Predigttext vorlesen, er steht im Buch des Propheten Jesaja im 60. Kapitel:

„So spricht Gott, der Herr: >Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden zu deinem Licht ziehen und alle Könige zum Glanz, der über dir aufgeht." Amen.

Liebe Gemeinde, es ist ja selbstverständlich nicht so, dass wir einmal am Beginn unseres Lebens bei der Geburt durch den engen dunklen Geburtskanal hindurch müssen und dann erblicken wir das Licht der Welt und dann wäre alles gut. Nein, wir alle wissen sehr wohl, dass wir immer wieder im Leben durch finstere Zeiten hindurch müssen und manchmal ist es so eng und bedrohlich und schnürt unser Herz ein, wie damals auf dem Weg aus dem Mutterleib ins Licht der Welt. Und eben deshalb müssen wir immer wieder darum ringen, dass wir nicht das Licht aus den Augen verlieren, nicht in den Dunkelheiten des Lebens stecken bleiben und den Mut verlieren. Liebe Gemeinde, eigentlich können wir das Licht nicht sehen. Einen Sonnenstrahl sehen wir nicht in der Luft, sondern nur dort, wo er auf einen Gegenstand auftrifft und das Licht gebrochen wird und reflektiert wird. Wir sehen den Lichtstrahl dort, wo er auf einen Regentropfen trifft und in alle Spektralfarben des Lichts in wunderschönen Regenbogenfarben aufgebrochen wird. Wir sehen den Lichtstrahl, wo er durch den Nebel sich durchbricht und reflektiert wird. Genau das ist auch die Weise, wie das Licht Gottes in unser menschliches Leben hineindringt. Wir können niemals Gott direkt sehen, genauso wie das Licht in seiner reinen Form für uns unsichtbar ist. Aber wo das Licht Gottes in unser Leben hineinstrahlt, wird es gebrochen und fängt an zu leuchten und wird widergespiegelt in verschiedensten Farben und Facetten. Wo Gottes Wort hörbar wird und wir vernehmen jetzt im Advent die frohmachenden tröstenden Worte, wie Gott uns nahe kommen will, mit seiner Freude bei uns einziehen will, wo wir Licht anzünden als Zeichen dafür, dass Gott die Not der Welt gesehen hat und uns nicht im Dunkel allein sitzen lassen will, sondern uns leuchtet in unser Leben hinein, da wird das Licht Gottes reflektiert, da wird es erlebbar und spürbar in unserem eigenen Leben. Erst am Ende, in Gottes Herrlichkeit des Himmels, werden wir Gott einmal direkt sehen, jetzt sehen wir nur seine Leuchtspuren und Reflektionen seines Lichts in unserer Welt. Licht wird gebrochen und leuchtet dadurch. Das ist ein tiefes Geheimnis. Auch unser Leben verläuft nicht geradlinig, es trifft auf Hindernisse, es wird gebrochen. Das ist schmerzhaft und anstrengend. Aber inmitten unserer Nöte leuchtet dann eben das Licht auf, sehen wir deutlich, was uns tröstet und hält. Überall, wo wir in Not beten, Gott vertrauen in dunklen schweren Zeiten, dort leuchtet sein licht auf, bekommen wir wieder neuen Mut, sehen, dass Gott uns nahe ist und hilft. So leuchtet Gottes Licht immer gerade dort, wo unser Leben gebrochen wird.

 

  1. 3.    Wie wir Lichtbringer werden – die Geschichte von Lucia

 

Liebe Gemeinde, und so geht es im Advent nicht nur darum, dass wir ein paar schöne gemütliche Stunden erleben vor dem Adventskranz und mit  schöner Musik. Das ist wunderbar und bringt Licht in unsere Seele und erwärmt unser Herz. Aber es geht auch darum, dass wir dieses Licht nun weitertragen.

In den nordeuropäischen Ländern wie Schweden wird im Advent in besonderer Weise an Lucia gedacht. Ich möchte an dieser Stelle die Geschichte von Lucia erzählen. Sie lebte vor langer Zeit in Italien auf Sizilien. Sie sollte einen Mann heiraten gegen ihren Willen, aber wehrte sich dagegen und sagte die Hochzeit ab. Lucia verschenkte dann ihren Besitz an Arme und Kranke und half ihnen damit. Damals wurden die Christen verfolgt, deshalb hatten sie sich versteckt, so dass niemand sie finden konnte. Lucia, eine gottgläubige Frau, die versuchte so zu leben wie Jesus, wollte den Christen helfen und brachte ihnen heimlich in der Dunkelheit zu essen. Um möglichst viel mit ihren Händen tragen zu können, steckte sie sich einen Kranz mit brennenden Kerzen auf den Kopf, damit sie den Weg sehen konnte. So lief sie mit dem Lichterkranz auf dem Kopf zu den Menschen und half ihnen. Genau daran erinnern sich heute noch viele Menschen in der Adventszeit und in Schweden ist es üblich, dass in der Adventszeit ein Mädchen im Haus sich am Luciatag ein weißes Kleid anzieht und einen Kranz mit brennenden Kerzen auf den Kopf setzt und allen Leuten im Haus etwas Süßes zu essen bringt. Der Name der Lucia bedeutet: die Lichtbringerin. Auch wir können im Advent nicht nur einen Adventskranz mit Kerzen aufstellen, wir können wie Lucia selbst Lichtbringer werden und den Menschen Gutes tun und ein wenig Licht in ihr Leben bringen. Das wäre wunderbar, wenn wir heute Abend untereinander, die Eltern, die Kinder, die Großeltern, wir alle füreinander und für unsere Welt Lichtträger werden. Jesus hat gesagt: „Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen.“ Mit Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, einem offenen Ohr für die Mitmenschen, mit Lächeln und Güte können wir manchem Menschen zu einem Licht werden. Das wünsche ich uns allen. Dann wird das Licht des Advent, das Licht von Jesus Christus reflektiert von unserm Leben in das anderer, es wird in gebrochen und hingetragen zu denen, die im Dunklen sind, dann kann es leuchtend strahlen, uns und allen anderen, die wir so sehr auf ein Licht warten. Ja, Gottes Licht bringt uns große Freude. Ich wünsche uns einen gesegneten Advent. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus unserm Herrn. Amen.

Sprechzeiten im Pfarramt

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