Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Korinther 1, Vers 9

Geschichte der Kirche in Caselwitz

Im November 1998 feierten die Greizer Vorortgemeinden Caselwitz, Unter- und Obergrochlitz, Moschwitz, Dölau und Rothenthal ihr 275. Kirchweihfest. Allerdings ist die Geschichte der Caselwitzer Kirche an sich viel älter. Es darf angenommen werden, daß bereits mit der Besiedlung des Vogtlandes durch thüringische und fränkische Siedler im 12. und 13. Jahrhundert die ursprünglich sorbische Ansiedlung eine erste kleine Kapelle erhalten hat. Die Gründer der Caselwitzer Kirche sind nicht bekannt. Vermutlich werden es die Herren von Dölau oder die Elsterberger gewesen sein, da bis zum Jahre 1472 die Gerichtsbarkeit halb zu Elsterberg und halb zu Dölau gehörig war.
Die früheste bisher bekannte urkundliche Ortserwähnung ist mit einer im Staatsarchiv Dresden hinterlegten Urkunde aus dem Jahre 1338 als „Coselwicz” überliefert. Die Caselwitzer Kirche selbst wird etwas später erwähnt: In einer Elsterberger Urkunde , die leider undatiert, aber spätestens auf das Jahr 1465 anzusetzen ist, bezeugen ein 80- und ein 70jähriger Bürger, daß eine geraische Reiterschar alle Greizer Dörfer mit Ausnahme von Caselwitz, Sachswitz und Görschnitz - diese Orte gehörten zur Hälfte nach Elsterberg - planmäßig vor Jahren in Brand gesteckt hätten. Grund war eine Fehde zwischen den Geraer Herren und den Greizer Herren, die in der Zeit zwischen 1410 und 1420 einzuordnen ist. Der eine Zeuge berichtete damals anschaulich: „Do die Greizer Dörfer alle branthen, da waren die Bauern alle uff die kirchenmauer getreten zu Kosselwitz und hatten dem Feuer zugesehen.” Dies ist die älteste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Caselwitz. Wir müssen uns nun bis ins Zeitalter der Reformation vertrösten, um neue Nachrichten aus der Caselwitzer Kirche zu erfahren, die in dieser Zeit wohl besser als Kapelle zu bezeichnen ist. In den Jahren 1533/1534 wird das Kirchspiel Caselwitz, so wie das gesamte Reußenland, evangelisch. Damals unterstanden dem Greizer Pfarrer zwei Kapläne, die nun die Landgemeinden Nitschareuth und Caselwitz, die der Pfarrei Greiz zugeordnet waren, geistlich zu versorgen hatten. Es wurde festgelegt, daß die Kapläne jeweils jährlich abwechselnd die Gottesdienste in Caselwitz und Nitschreuth zu halten hatten. Außerdem „soll ein jecklicher Caplan in seinem filial all wochen den catchismum den Kindern ein mal mit vleis unterweisen ...”
Aus der Zuordnung dieser beiden Gemeinden entspann sich bald ein Streit, der seine Ursache in einer der vielen Landesteilungen der reußischen Herren hatte. Als man im Jahre 1564 die Herrschaften Reuß erneut teilte, fiel das Filial Nitschareuth zu Untergreiz, während Caselwitz Obergreiz zugeordnet wurde. Diese Zuordnung geschah durch sogenannte Teilungskommissare des Kaisers. Heinrich der Ältere, der neue Herr von Untergreiz, war allerdings nicht damit einverstanden, daß er Caselwitz seinem Bruder überlassen solle. Erst nach langem hin und her gab Heinrich der Ältere nach. Als dies geschehen war, beauftragte Heinrich der Mittlere seinen Diakon Laurentius Frühauff zum Dienst in Caselwitz. Eine weitere Einigung hinsichtlich der Caselwitzer Frage erfolgte 1574. Danach blieb die Kirchenaufsicht über Caselwitz weiterhin bei Obergreiz, während das Patronatsrecht gemeinsam von Ober- und Untergreiz ausgeübt wurde. Im Jahre 1580 wurden vier Greizer Geistliche wegen deren Lehre von der Erbsünde entlassen. Deshalb war der Greizer Diakon Martinus Cassel völlig überlastet , so daß das Kirchspiel Caselwitz 16 Wochen lang von Elsterberger Kaplänen versorgt wurde.
Aber auch das Verhältnis der Greizer Landesherren untereinander blieb hinsichtlich der Caselwitzer Verhältnisse problematisch. Immer wieder entwickelte sich neuer Konfliktstoff, der sich aus den unterschiedlichen Rechten und Pflichten an der Kirche ergab. Erst als nach langen Verhandlungen die reußischen Herren Familien- bzw. Hausverträge 1616 und 1618 abschlossen, regelte man auch die Caselwitzer Frage. Übrigens liegen seit dieser Zeit auch die Kirchenbücher in Caselwitz vor, die wenige Jahre später, nämlich 1633 und 1641, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, von einer verheerenden Pest berichten, die hier gewütet hat. Seit 1634 liegen auch die ältesten Caselwitzer Kirchrechnungen im Greizer Staatsarchiv vor, die uns überliefert sind. Die Rechnungsführer waren die „beyden Kirchväter Michael Räbers zu Caselwitz Undt Nickel Herrmanns Uff der Bucka...” , wie aus der Titelseite der ältesten Rechnung hervorgeht.
Als Heinrich III. Herr zu Dölau am 7. Juni 1640 verstarb, erlosch mit ihm die Dölauer Linie. Sein Besitz fiel an die nächsten Berechtigten. Die Teilung des Nachlasses sollte so gerecht wie nur möglich erfolgen. Deshalb hatte man damit die Unparteiischen Hans Christoph Edler von der Planitz auf Auerbach, Hans Sigismund von Reizenstein auf Blankenburg und Heinrich von Nischwitz auf Trünzig und Settendorf beauftragt. Sie stellten Lose auf, deren Werte dann gegeneinander aufgewogen und abgeglichen worden sind. Das Erbe Heinrichs III. teilte sich in den Herrschaftsanteil Burgk bei Schleiz mit u. a. fünf Pfarrstellen und drei Filialkirchen. Ein zweites Los enthielt den Herrschaftsanteil Dölau mit vier Pfarreien und fünf Filialkirche, darunter „die Filialkirch zu Caselwitz - so vermöge daß den 13. Septembris Anno 1618...aufgerichteten Vergleichs mit dem Episcopatsrecht [kirchenaufsichtlich] nach Döhla, mit dem Patronatsrecht aber nach Greiz gehörig.” Da diese Lose nicht gleichwertig waren, wurde folgender Beschluß gefaßt: „Weil nun also dieses Los eine Pfarre weniger und dagegen, wenn die Kirche Caselwitz weiter ein Filial bleiben sollte, ein Filial mehr als das burkische bekommen würde, also ist es dahin mit beiderseits wohlbedächtigen Belieben vermittelt und soweit wegen der Obern und Untern Herrschaft nachgegeben worden, daß von nun an der Ort Caselwitz, so bisanhero ein nach Greiz gehöriges Filial gewesen, eine Pfarre sein und dafür geachtet sein soll.”
Diese Erhebung zu einer eigenständigen Pfarrei trat nach außen hin allerdings kaum in Erscheinung.
Im Vertrag, der am 26. April 1643 unterzeichnet wurde, liest sich dies so: „Obwohl oben wegen Caselwitz abgeredet und beliebet, daß nunmehro das gewesene Filial zu Caselwitz. eine Pfarre und das Diakonat allhier zu Greiz derselben Akzessorium [ein Zubehör] sein solle, so ist hierneben mit beider Teile gutem Gewissen bedingt und vorhalten worden, daß der Pfarrer zu Caselwitz in der Stadt seine Wohnung haben und daselbst wie bisher also sein Amt verrichten, ingleichen auch, wenn ein neuer Pfarrer von demjenigen Herrn, dem Dölau zukommt, denominiert [vorgeschlagen] wird, derselbe wie zu Caselwitz auch zu Greiz eine Probepredigt ablegen soll.”
Fortan war das städtische Diakonat ein Zubehör der Pfarre zu Caselwitz. Die Aufsicht über die Caselwitzer Kirche kam ungeschmälert zum Dölauer Anteil der Herrschaft Obergreiz. Der Diakon , zugleich Pfarrer zu Caselwitz, wurde weiterhin gemeinsam berufen. Erst seit Oktober 1712 wurde die Ernennung des Kandidaten zum Caselwitzer Pfarramt und zum Diakonat getrennt vorgenommen, d. h. erstere Berufung (zum Pfarrer) erging durch das Obergreizer, letztere durch das gemeinsame Greizer Konsistorium.
Über den Bauzustand der alten Caselwitzer Kirche ist leider so gut wie nichts bekannt. Einem Memorandum von 1706 ist zu entnehmen, daß sich die Kirche am beginnenden 18. Jahrhundert in keinem besonders guten Zustand befunden hat. Die Balken waren meist morsch und faul, so daß zum Ausbessern ca. 30 Stämme Holz nötig gewesen wären. Eine neue Decke müßte eingezogen werden und das Dach entweder mit Schiefer oder mit Schindeln neu gedeckt werden. Der Turm war möglicherweise, so das Memorandum, noch ausbesserungsfähig, günstiger wäre es jedoch, wenn er völlig neu gebaut würde.
So mag es wohl eine Fügung gewesen sein, wie Oberkirchenrat Christian Köhler in seiner Predigt am 1. November 1998 in Caselwitz ausführte, als am 15. Februar 1723 das Unfaßbare geschah: An einem eisigen Februartag brannte die Kirche bis auf die Grundmauern nieder, nachdem der Schulmeister Friedrich Schmidt versucht hatte, die eingefrorene Uhr mit glühenden Kohlen wieder gangbar zu machen! Wie es zum Unglück kam, schilderte Schmidt in seiner Stellungnahme wie folgt : „Als ich zwischen 11 und 12 Uhr , Ihro Hochgräfl. Gnaden Seeligen Andenkens Läuten ließ, da sah ich, daß der Seiger (die Uhr - S.K.) wieder still stand. Ich dachte nun es so zu machen, wie ich es von anderen schon gehört hatte, die mit Feuer oder Schleißen die Uhr gangbar machten, indem sie damit das harte Eis vertrieben. Ich ging zum Richter in die Scheune und sagte, was ich den mit der Uhr machen wolle, da sie wieder still stand. Der Richter antwortete nicht und da meinte ich, daß er es billige. Daraufhin ging ich hinein zur Richterin und bat um einen Topf mit ein paar Kohlen. Da nahm sie selbst einen Topf und ging zum Ofen und tat etliche Kohlen hinein, dann nahm sie dazu auch etliche dünnere Schleißen [Holzspan] . Dann nahm ich meinen Jungen mit hinauf auf den Turm, dem weitere folgten. Denen sagte ich, daß sie darauf achten sollen, daß kein Funken entfalle, falls dies geschehe, solle er gleich getötet werden. Bei der Uhr bereitete er die Kohlen nochmals auf, damit sie besser brannten. Dies dauerte nicht lange.
Beim Umdrehen der Kohlen stieß ich einmal mit dem Ellbogen gegen den Topf, so daß etwas daneben fiel, aber ich löschte sofort mit dem Fuß die Glut, einen anderen Funken drückte ein Junge aus
Sonst kann ich nicht sagen, daß ich einen Funken gespüret oder wahrgenommen hätte, der mir entfallen wäre. Nachdem daß geschehen war, was ich jetzt erzählt habe, so habe ich alles genau besichtigt und visitiret, ob sich etwas vom Feuer verhalten hätte, und weil ich nichts vermerkte, so ging ich ohne Sorge eines Schadens wieder an meine Schularbeit. Ich nahm den Topf und brachte ihn wieder zur Richterin.Während des Unterrichts schaute ich nicht nochmals zur Uhr, ich ging auch ich nicht mit den Kindern hinaus, als sie heimgingen, wie ich sonst zu tun pflege, um nach der Uhr zu sehen, da ich noch einen Privatschüler hatte... Plötzlich schrie der Nachbar Feuer, Feuer. Da ich aus Schrecken und Angst nicht wußte, was ich anfangen sollte, holte ich in solcher Not nur den Kirchenschlüssel und rettete aus der Kirche, was ich konnte. Es kam mir kein Mensch zu Hilfe, sondern diese sahen nur zu, fluchten, und wünschten mir alles arge, sonst könnte alles aus der Kirche gerettet worden sein....” Die Caselwitzer Einwohner sahen dies jedoch ganz anders. Für sie war klar, daß nur der Schulmeister ganz allein für das Unglück verantwortlich war. Sie verfaßten deshalb am 9. März 1723 ein Schreiben an die Gräfin, in dem sie die sofortige Versetzung Schmidts verlangten. Sie führten u.a. aus: „daß beim Anschauen und Erblickung des Schulmeisters alsobalden das gantze Hertz und Leib gerühret und mit einem unzudämpffenden Widerwillen gegen denselben erfüllet wird, sogar daß uns dessen gantzes Thun und Lassen sowohl unter alß ausser Verrichtung des Gottes Dienste ein lauter Greul und Ekel ist... beym Gottesdienst wieder unsern Willen alsobald alle Andacht verschwindet, ...[man habe sogar Angst, daß er uns das ganze Dorf anzünde] weil er so gar unachtsam mit dem Feuer umbgehet, wie er denn kurtz nach diesem Unglück wieder mit brennenden Schleissen auf den Schulboden gegangen... solang uns dieser Mann vor den Augen herumb gehet, so wird keiner eine Hand anlegen noch etwas beytragen ..., auch kein benachbartes Kirchspiel uns an die Hand gehen will, bis der Schulmeister weg sey, sobald er aber weggeschaffet, wollen wir alle unser übriges thun, damit unser Gottes Haus durch göttlichen Beystand bald wieder aufgebauet werde...”,
Der Gräfin blieb nichts anders übrig, als dem Drängen der Caselwitzer nachzugeben - der Lehrer mußte schließlich tatsächlich der Wut der Bauern weichen.

Sofort ging man nun an den Wiederaufbau der Kirche. Mit allen verfügbaren Mitteln wurden zügig die Bauarbeiten durchgeführt. Auf diesem Wege konnte noch im gleichen Jahr die Kircheneinweihung am Martinstag, dem 11. November 1723, erfolgen. Seit nunmehr 275 Jahren grüßt die neue Kirche auf der Höhe wieder in das weite Elstertal. Der Kirchturm bekam damals zwei Glocken, die Daniel Schmidt in Zwickau gegossen hatte. Sie trugen neben Hinweisen zum Entstehungsort und zum Entstehungsjahr die lateinischen Inschriften „Sancta trias exaudi, si Campana sonabit” und „Ut tua quaeratur gloria, nostra salus” . Der Wiederaufbau der Kirche verschlang natürlich enorme Kosten, die das Kirchspiel zu tragen hatte. Er wäre wohl nicht ohne Spenden und die weitgehende Unterstützung der auf dem Rothenthaler Rittergute ansässigen Familie möglich gewesen.
Frau Johanna Sophia von Wolframsdorf auf Rothenthal unterstützte den Kirchenbau tatkräftig, indem sie wichtige Stiftungen leistete. Aus dem Kapellenanbau des Rothenthaler Schlosses stiftete sie verschiedene Einrichtungsgegenstände, u. a. den Kanzelaltar und Kirchenbänke.
Dafür erhielt sie dann 1726 die Erlaubnis, eine eigene Kapelle an die Caselwitzer Kirche anzubauen.
Zu den Stiftern gehörte auch die regierende Gräfin von Obergreiz, Henriette Amalie. 1724 stellte sie ein Orgelpositiv aus dem Oberen Schlosse zur Verfügung. Diese Orgel wurde bis 1732 benutzt, obwohl sie eigentlich nur für Hausmusiken tauglich war und für den Kircheraum keine befriedigende Lösung darstellen konnte. Im Jahre 1731 erwarb man deshalb aus der Langenwetzendorfer Kirche für 5 Gulden die dortige Orgel, die nur aus hölzernen Pfeifen bestand. Ein Jahr später schloß die Kirchgemeinde mit Johann Jacob Donati einen Orgelbauvertrag. Danach sollte Donati aus den beiden alten Orgeln für 36 Reichstaler eine neue Orgel herzustellen. Um Kosten zu sparen, versprach man ihm dafür freie Wohnung und freie Lieferung der nötigen Bretter und sonstige nötige Handlangerdienste. Als Orgelprospekt wurde das alte, aber inzwischen überarbeitete Langenwetzendorfer Prospekt verwendet. Aus den übriggebliebenen Orgelpfeifen erhielt übrigens der neue Schullehrer und Kantor Walter ein Orgelpositiv. Mit der Fertigstellung dieser Orgel waren nun alle Voraussetzungen für die übliche liturgische Ausgestaltung der Gottesdienste in Caselwitz wieder gegeben. Über den damaligen Zustand der Kirche schrieb die „Reußische Kirchengalerie” 1840: „Kirche und Thurm sind seit dem Jahre 1793 mit Schiefer gedeckt. Sowohl an der östlichen als nördlichen Seite des Kirchengebäudes ist eine Capelle angebaut, von denen die östliche als Sakristei dient, die nördliche hingegen im gemeinsamen Besitz der einzelnen Gutsherrschaften ist. Das Innere der Kirche ist ziemlich geräumig und nicht unfreundlich. Denn obgleich die schmalen Fenster im Innern der Kirche weniger Licht, als zu wünschen wäre, zuführen, so wird doch dieser Mangel durch den freundlichen Anstrich, welchen Wände, Decke und Kirchenstühle unter dem Pastor Nathanel Christlieb Bünger im Jahre 1793 erhalten haben, weniger fühlbar.... Obgleich nur eine Empore auf jeder Seite angebracht ist, so gewähren dieselben, da doppelte Reihen angebracht sind, doch ziemlich viel Platz für die männlichen Gemeindemitglieder, sowie der untere Raum außer den nöthigen Frauenständen auch noch sogenannte Glasstände an den Seiten der Wände anzubringen erlaubte. Neben dem Altare auf der westlichen Seite befinden sich die Erbbegräbnisse der früheren Besitzer des Rittergutes zu Moschwitz, in welche früher...sämmtliche Glieder der Familie nach ihrem Tode beigesetzt worden sind....” Der Grabstein für Margaretha Elisabetha von Watzdorf auf Moschwitz, welche 1765 verstarb, ist heute noch vorhanden. Schließlich stellte man 1840 den Antrag an das Konsistorium , neue Kirchenbänke einzubauen. Dieser Bitte entsprach die Greizer Kirchenleitung mit dem Bemerken, „daß jedoch selbige bis aufs künftige Frühjahr ausgesetzet bleiben muß, damit das Holz dazu, im Winter, außer der Saftzeit, geschlagen werden könne.”
Im Jahre 1863 hatte die kleinere der beiden Glocken am unteren Rand einen Riß bekommen. Dadurch wurde der an sich sehr helle Ton „gedämpft”. Ein Jahr später löste sich jedoch ein ganzes Stück Metall ab, so daß ihr Klang so dumpf und hohl wurde, daß der Klang unerträglich wurde. Daraufhin bestellte man den Glockengießer Jauck aus Leipzig und bat darum, die Glocke umzugießen. Jauck schlug vor, gleich ein ganz neues Geläut gießen zu lassen, zumal der Glockenstuhl der Caselwitzer Kirche für drei Glocken konzipiert war. Die beiden alten Glocken wurden eingeschmolzen und deren Zeitwert verrechnet.
Am 11. April 1866 abends trafen die Glocken am Greizer Bahnhof ein und wurden tags darauf vom Grochlitzer Domänenpächter abgeholt. Die gesamte Schuljugend mit den Lehrern und ein großer Teil der Gemeindevorstände ging dem Wagen bis nach Obergrochlitz entgegen. Dort wurden die Glocken und die vier Pferde mit Kränzen geschmückt und dann der schlechten Witterung wegen in der Kirche geweiht. Nach der Weiherede, die der Caselwitzer Pfarrer Ferdinand Scheibe unter Zugrundelegung der Glockeninschriften hielt, wurden sie auf den Turm gezogen. Insgesamt kosteten die Glocken 2268,75 Mark.
Nach über einhundertjährigem Dienst gab es inzwischen immer wieder Probleme mit der Orgel. Pfarrer Scheibe schrieb anläßlich eines 1848 gestellten Antrages an das Konsistorium, die Orgel reparieren zu dürfen, daß „...schon seit längerer Zeit die Orgel in so schlechtem Zustand ist, daß sie nur durch öftere Nachhilfe des Kantors Beyse in einem spielfähigen Zustande hat erhalten werden können”. Umfangreiche Reparaturen waren notwendig geworden, die 1848 die Orgelbauer Gebrüder Bock aus Zeulenroda ausführten. Aber in den folgenden Jahren blieben die Reparaturen auch nicht aus. Deshalb beschloß am 31. Oktober 1881 der Caselwitzer Kirchenvorstand, daß man sich um eine völlig neue Orgel bemühen wolle. Den Zuschlag erhielt die bekannte Orgelbaufirma Urban Kreutzbach Söhne in Borna. Am 16. Juli 1882 unterzeichnete man einen „Orgelbaucontract” und noch im gleichen Jahr wurde die neue Orgel fertiggestellt und eingebaut, die bis heute Teil der musikalischen Ausgestaltung der Gottesdienste ist. Der Orgelprospekt wurde von dem damaligen reußischen Landbaumeister Oberländer entworfen. Die letzte durchgreifende Orgelerneuerung erfolgte Anfang der siebziger Jahre durch die Greizer Orgelbaufirma Schüßler, nachdem schon 1925 und 1953 einige technische Überholungen notwendig waren.
Die Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreiches unter Otto von Bismarck und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung brachte viele Veränderungen für Stadt und Land. Schon bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hatte beispielsweise das Kirchspiel Caselwitz einen enormen Bevölkerungszuwachs erfahren. Das betraf zwar weniger Caselwitz selber als die anderen zum Kirchspiel gehörenden Ortschaften, vorallem Obergrochlitz und Neucaselwitz sowie Dölau und Rothenthal. Der industrielle Aufschwung der Stadt Greiz bewirkte, daß diese Orte mit kostengünstigem Wohnraum bevorzugter Wohnsitz für Arbeiter und Angestellte wurden. Deshalb traf die Greizer Kirchenleitung die bedeutsame Entscheidung, daß Caselwitz nicht nur einen eigenen Pfarrer haben soll, sondern daß dieser künftig auch im Ort wohnen solle.
Diese Entscheidung wurde wesentlich durch den damaligen Landesherrn Heinrich XXII. beeinflußt, der in seiner Funktion als Summus Episkopus (Landesbischof) einige Jahre später aus dem gleichen Grund auch die Parochien Aubachthal und Pohlitz als selbständige Pfarreien ins Leben rief.
Zunächst schloß die Kirchgemeinde am 12. Oktober 1885 einen Mietvertrag mit Heinrich Hessel ab, der eine Wohnung in seinem eben erst fertig gestellten Wohnhaus in Obergrochlitz an der Moschwitzer Straße (heute Otto-Meier-Straße) zur Verfügung stellte . Gleichzeitig hielt man Ausschau nach einem Grundstück für ein Pfarrhaus. Schließlich konnte Anfang September vom Caselwitzer Gutsbesitzer Christian Heinrich Schmidt ein Grundstück in unmittelbarer Nähe der Kirche erworben werden. Insgesamt 2144 Mark mußte die Kirchgemeinde für das 4288 Quadratellen (1370 m²) große Grundstück bezahlen, welches 1888 dem Pfarrlehn überschrieben wurde. Anfang April 1886 erfolgte die Grundsteinlegung für das Caselwitzer Pfarrhaus, das vom Obergrochlitzer Ernst Schrenner erbaut wurde .
Doch nun zurück zum Kirchgebäude. Schon seit den beginnenden 80er Jahren war der Kirchenvorstand bestrebt, eine neue Kirchturmuhr anzuschaffen. Das damals vorhandene Uhrwerk stammte wahrscheinlich aus dem Jahre 1785, denn das hölzerne Zifferblatt auf der Südseite trug diese Jahreszahl. Zwischen 1795 und 1848 fanden immer wieder zahlreiche Reparaturen statt, die seit 1849 allerdings aufgegeben wurden, da an dem alten ausgeleierten Werk - so steht es in der Akte - nichts mehr getan werden konnte. Deshalb beschloß am 8. Oktober 1882 der Kirchenvorstand, einen Turmuhrfond einzurichten. Sobald ein Kapital von 500 Mark angespart sei, sollte die neue Uhr angeschafft werden. In die engere Auswahl kam ein Angebot der bereits 1808 gegründeten Turmuhrenfabrik Zachariä aus Leipzig. Im Februar 1887 betrug die Spareinlage 512,88 Mark und es wurde der Beschluß gefaßt, nun die neue Uhr zu bestellen. Dabei wollte man „sich mit einer Uhr II. Qualität begnügen” , die jedoch Viertel- und Stundenschlag haben sollte. Die drei neuen Eisenblechzifferblätter mit schwarzen Zahlen auf weißem Grund sollten am Kirchturm nach Nordost, Südost und Nordwest angebracht werden. 920 Mark kostete letztendlich die komplette Turmuhr, die bis Ende August 1887 eingebaut wurde. Sie versieht bis zum heutigen Tag ihren Dienst, seit 1992 mit einem elektrischen Aufzug.
Ebenfalls Ende der 80er Jahre wurden die beiden Buntglasfenster neben dem Altar eingebaut. Die Zittauer Kgl. Sächs. Hofglasmalerei C. L. Türcke und Schlein lieferte im September 1889 zunächst das Südseitenfenster, das den auferstehenden Christus darstellt. Im Dezember 1894 wird die gegenüberliegende Seite mit dem Motiv des Christus, der auf dem Meere wandelt, ergänzt. Jedes dieser beiden Glasfenster kostete damals 312 Mark.
Zu wesentlichen Veränderungen im Innern der Kirche kam es im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts.1893 wurde damit begonnen, die beiden nördlichen Fenster zu vergrößern, während die beiden Buntglasfenster bis heute die ursprüngliche Fenstergröße von 1723 haben. 1894 folgten die vier südlichen Fenster. Diese Bauarbeiten begründete Pfarrer Hoffmann gegenüber dem Konsistorium damit, daß die Kirche ursprünglich ohne Emporen errichtet wurde. Durch den nachträglichen Einbau wurde dem Kirchenschiff viel Licht genommen. Durch die Veränderung konnte diesem Mißstand entgegengewirkt werden. Gleichzeitig bemühte sich Pfarrer Hoffmann auch um die Vergrößerung des Altarplatzes. Der Kanzelaltar sollte um ca. 1,50 m nach hinten verschoben werden, indem man die Treppe zur Kanzel in die Sakristei verlegte. Dazu hatte der Zwickauer Baurat und Kirchenarchitekt Oscar Mothes, der Erbauer der Herrmannsgrüner und der Pohlitzer Kirche geraten. Damals wurde auch die heute als Büßerin bekannte Emporenstütze vom Kirchboden geholt und unter der südlichen Empore eingebaut. Diese Figur stammte noch aus der alten, 1723 abgebrannten Kirche, denn bei der Restaurierung im Jahre 1969 wurde nach Beseitigung der älteren Farbschichten festgestellt , daß sie an einigen Stellen angekohlt war. 1897 zeigte sich am Fußboden der Kanzel der Schwamm . Deshalb mußte der Kanzelaltar in wesentlichen Teilen nach altem Vorbild neu hergestellt werden. Ergänzt wurde der überarbeitete Altar im August 1897 durch die Anschaffung des Reliefs „Abendmahl” , daß dem Gemälde Leonardo da Vincis nachempfunden ist. Eine Berliner Kunstanstalt lieferte das Gipsrelief für 18,50 Mark. Damals wurde auch ein neuer Taufstein angeschafft, der heute allerdings nicht mehr in Verwendung ist. Weitere grundlegende Veränderungen an der Bausubstanz der Kirche hat es dann über viele Jahre hinweg nicht mehr gegeben.
Auf Grund der Kircheneinweihung am 11. November 1723 feierten die Caselwitzer einst ihr Kirchweihfest am Sonntag und Montag nach Martin Bischof (11. November). Erst im Jahre 1896 wurde dies geändert, als durch den in Reuß älterer Linie üblichen Herbstbußtag, der auf den Mittwoch vor den Totensonntag gelegt wurde, Kirmes und Bußtag sehr eng aneinander kamen. Deshalb richtete der Caselwitzer Kirchenvorstand am 27. Oktober 1896 die Bitte an das Konsistorium, ob man den Kirchweihtermin verändern dürfe. Diesem wurde stattgegeben. Daraufhin beschloß der Kirchenvorstand am 2. November 1896, daß künftig am drittletzten Sonntag und am darauffolgenden Montag Kirmes gefeiert werden solle. Seit der Bestätigung der Greizer Kirchenleitung, die am 6. November 1896 erfolgte, hat sich an dieser Festlegung bis heute nichts mehr geändert.
Damals hatte die Caselwitzer Kirche 272 Sitzplätze im Schiff, die damals Frauen, Kindern und Gästen vorbehalten waren und 134 Männerplätze auf der Empore. Unentbehrlich für den Chronisten von heute sind die von 1894-1921 im Druck erschienenen kirchlichen Jahresberichte mit zahlreichen statistischen, historischen und aktuellen Mitteilungen aus dem Leben der Kirchgemeinde mit seinen Ortschaften. Diese Jahresberichte bildeten gewissermaßen die Vorläufer der heutigen Kirchennachrichten, die seit September 1953 auf die Initiative des damaligen Ortspfarrers Ulrich hin wieder, nun aber monatlich, erscheinen. Den Titel „DEINE KIRCHE” tragen sie seit Januar 1981. In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts gab es keine nennenswerten baulichen Veränderungen am Kirchengebäude. Dagegen ereignete sich aber ein tragischer Unglücksfall. Als der Caselwitzer Schüler Rudolf Schmalfuß Ende Mai 1912 die Glocken läutete, wurde er vom Klöppel der großen Glocke so schwer an der Stirn getroffen, daß er einen Schädelbruch erlitt und 8 Tage später verstarb. Das war umso bedauerlicher, da er das einzige Kind dieser Caselwitzer Familie war. Im 1. Weltkrieg wurden nach einer Anordnung vom 28. Januar 1917 die 38 Orgelpfeifen, insgesamt ca. 55 kg Metall, zu Kriegszwecken beschlagnahmt und ausgebaut. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Caselwitzer Glocken. Außerdem wurde im Frühjahr 1917 angeordnet, daß sämtliche Kirchen ihre Glocken für Kriegszwecke abzuliefern hätten. Daraufhin bat Pfarrer Otto Käppel in einem Schreiben vom 10. Mai 1917 darum, daß man nur die große und die kleine Glocke beschlagnahmen möge „mit Rücksicht auf die große Ausdehnung des Kirchspiels Caselwitz...” Diesem Antrag wurde stattgegeben. Am Dienstag, dem 17. Juli 1917, läuteten sie zwischen 11 und 12 Uhr das letzte Mal. Anschließend wurden die beiden Glocken von der Hofglockengießerei Franz Schilling Söhne abgenommen und noch auf dem Turm zerschlagen. Dieses Schicksal ereilte am gleichen Tag auch die Naitschauer und die Hohndorfer Glocken. Als Entschädigung für das Metall erhielt die Caselwitzer Kirchkasse 2146,50 Mark. Zwei Jahre nach dem Ende des Krieges wurden Gespräche zur Lieferung neuer Glocken aufgenommen. Am 11. April 1921 erteilte man schließlich der Firma Franz Schilling Söhne in Apolda einen entsprechenden Auftrag. Die neuen Glocken wurden Ende August 1921 gegossen und am 11. September 1921 festlich eingeweiht. Die Spenden der Bevölkerung zur Anschaffung der neuen Glocken waren so groß, daß sogar noch ein Betrag von fast 10.000 Mark übrigblieb, der für die Neu- und Umdeckung des Kirchturmdaches Verwendung finden sollte. Übrigens wurden die gleichen Glockeninschriften wie 1866 gewählt.
1925 erfolgte durch die Firma Otto Scheer aus Greiz eine umfassende Innenrenovierung, die eigentlich schon vor dem Krieg geplant war. Im Herbst des Jahres 1928 wurde an der westlichen Außenwand das Ehrenmal für die Gefallenen des Kirchspiels eingeweiht, daß Ernst Hörig in seiner Werkstatt am Elsterplatz anfertigt hatte. 1997 wurde diese Gedenkstätte erweitert und erinnert heute auch an die Opfer des 2. Weltkrieges.
In den 30er Jahren unseres Jahrhunderts beschäftigte sich der Kirchenvorstand insbesondere mit der Frage, wie die geistliche Versorgung der Taldörfer an der Elster von Rothenthal bis Sachswitz verbessert werden könnte. Es bestand die Absicht, aus diesen Gemeinden ein selbständiges Kirchspiel zu bilden. Begründet wurde dies damit, daß „in diesen Industrievororten das Bedürfnis für Gottesdienst und kulturelle Erziehung und Ertüchtigung voll gegeben ist.” Es bildete sich sogar ein „Ausschuß zur Errichtung eines Gemeindehauses (oder einer Kirche) in Greiz-Dölau”, welches am Butterberg erbaut werden sollte. Im Pfarrarchiv sind noch heute zahlreiche Entwurfszeichnungen vorhanden, die jedoch nie zur Ausführung gelangten. Der 2. Weltkrieg zerstörte das Vorhaben und hinterließ auch wieder Spuren an der Kirche. Am 7. April 1942, es war der Dienstag nach Ostern, wurden die große und die mittlere Glocke zu Kriegszwecken abermals beschlagnahmt, abgenommen und zerschlagen. Diesmal wurde der Antrag des Ortspfarrers, die mittlere Glocke wieder zu belassen, abgelehnt. Nur die kleine Glocke durfte auf dem Turm verbleiben. Von größeren Bombenschäden blieb die Kirche glücklicherweise verschont. Lediglich einige Granatsplitter verursachten am 5. März 1945 Schäden an den Fenstern. Diese wurden nach Kriegsende zunächst provisorisch repariert. Im Juni 1952 bestellte der Kirchenvorstand bei der Firma Ernst Weigel in Zwickau fünf neue Fenster, die von den Goldenen und Silbernen Konfirmanden 1952, der Evangelischen Frauenhilfe und von Frau Marie Hoffmann aus Rothenthal gestiftet wurden.
Wenige Monate vor Kriegsende mußte die Kirchgemeinde Caselwitz ihre juristische Selbständigkeit aufgeben und wurde mit Wirkung vom 1. 4. 1945 in die Kirchgemeinde Greiz eingegliedert. Das geschah gleichzeitig mit den bis dahin ebenfalls selbständigen Kirchgemeinden Pohlitz und Aubachthal. Als Gründe gab man seitens der Eisenacher Kirchenleitung die Vereinfachung der allgemeinen Verwaltungsarbeit an. Allerdings regte sich gegen diese Verordnung Widerstand, der zunächst erfolglos bleiben mußte. Dazu heißt es in einem im Pfarrarchiv vorliegenden Schriftstück: „... es hat keinen Zweck, die Verschmelzung der Kirchgemeinden ... abzulehnen, denn Eisenach wird sie, wenn wir sie ablehnen, diktieren. Wir sind also bereits dem Diktat von Eisenach preisgegeben. Eisenach sollte aber wissen, daß die Kirchenvertretungen die Belange des Kirchenvolkes zu vertreten haben und dies will von Deutschen Christen nichts wissen, wie ja die Greizer Verhältnisse beweisen...”
Nach Kriegsende wurde diese Anordnung teilweise wieder aufgehoben. Mit dem 1. Januar 1947 wurde die Kirchgemeinde Caselwitz als juristisch selbständige Kirchgemeinde wieder begründet. Dies ist sie bis zum heutigen Tag. Tatkräftige Unterstützung in allen Fragen des Gemeindelebens erhielt der damalige Pfarrer Hans Ebert vom stellvertretenden Vorsitzenden des Caselwitzer Gemeindekirchenrates, Arthur Lenk. Schon seit dem 1. Juli 1912 versah Diakon Artur Lenk zunächst als Pfleger in der männlichen Krankenpflege seinen Dienst. Später übernahm er verschiedene Gemeindekreise und gründete 1930 den heute noch bestehenden Posaunenchor, den er bis zu seinem Tode leitete. Über viele Jahre hinweg übte er die pfarramtliche Verwaltung aus. Die Kirchrechnungsführung legte er erst vier Wochen vor seinem Tode nieder. Im September 1969 verstarb er im Alter von 81 Jahren in Obergrochlitz.
Bald nach seinem Amtsantritt in Caselwitz nahm im Juni 1951 der neue Pfarrer Joachim Ulrich Kontakt zur Glockenfirma Schilling auf. Schon am 31. Juli 1951 wurde ein Vertrag unterzeichnet und neue Stahlgußglocken in den Tönen b - des - es bestellt Die Inschriften sollten wieder die gleichen wie 1866 sein. Im Herbst wurde der Glockenstuhl den neuen, schwereren Glocken angepaßt. Diese wurden zum Jahreswechsel 1951/52 in Morgenröthe im Erzgebirge gegossen und am 8. März 1952 durch den Obergrochlitzer Friedrich Müller in Apolda abgeholt. Mit einem festlichen Gottesdienst weihte sie am 16. März 1952 der damalige thüringische Landesbischof Dr. Moritz Mitzenheim ein. Die alte Bronzeglocke konnte nicht mehr verwendet werden und blieb lange unbeachtet, bis sie im Oktober 1985 einen Ehrenplatz an der Westseite der Caselwitzer Kirche fand. Zu besonderen Anlässen kann auch sie geläutet werden. Die heutige elektrische Läuteanlage erhielt die Kirche 1970 von der Dresdner Firma Otto Reichenbach.
1953 nahm Pfarrer Joachim Ulrich Gespräche mit dem thüringischen Kirchenarchivrat Dr. Reinhold Jauernig auf, da die Absicht bestand, der Caselwitzer Kirche einen Namen zu geben. Jauernig schlug vor, sie „Martin-Luther-Kirche” zu nennen, da die Kirche im Jahre 1723 am Tage des Taufgedächtnisses Martin Luthers, also am 11. 11., eingeweiht wurde. Außerdem gab es in Thüringen bis dahin noch keine Kirche, die diesen Namen in Kombination mit dem Vornamen Martin Luthers trug. Am 18. Januar 1954 nahm die Caselwitzer Kirchgemeinde diesen Namen an und ließ daraufhin ein neues Kirchensiegel anfertigen, daß seit dem 31. Dezember 1955 Verwendung findet.
Die größte Umgestaltung seit ihrer Errichtung erlebte die Kirche am Ende der 60er Jahre.
Im März 1967 begann man zunächst mit Ausschachtungsarbeiten an der Außenmauer, um eine Drainage einzubringen. Eigentlich sollte manches viel rascher vorangehen, doch in den Kirchennachrichten vom April 1968 findet sich folgende Notiz: „Da durch die vorgesehenen Veränderungen im Innern unserer Kirche die erforderlichen Pläne, deren Genehmigung und die entsprechende Materialbeschaffung doch mehr Zeit beansprucht, als zunächst erwartet wurde, soll mit den Arbeiten erst im Herbst begonnen werden...”
Am Samstag, dem 14. September 1968, war es dann soweit. Pünktlich um 8 Uhr wurde damit begonnen, zuerst die beiden Seitenemporen herauszunehmen und den alten Putz abzuhacken. Anschließend wurde ein Stahlträger eingezogen, um die Orgelempore zu erweitern. Bei den Abrißarbeiten der Emporen fand man ein Brett, daß über die letzte Kirchenerneuerung 1882 berichtete. Auf ihm waren die Namen und das Gehalt sämtlicher beteiligten Handwerker verzeichnet. Später legte man dieses Brett wieder in die Orgelempore zurück. Bei den Erneuerungsarbeiten am Fußboden wurden auch fünf Grüfte im Altarraum freigelegt, von denen eine einen Kindersarg enthielt. Diese Grüfte gehörten den Moschwitzer Rittergutsbesitzern. Im Frühjahr 1969 waren die Bauarbeiten soweit abgeschlossen, daß mit den Malerarbeiten begonnen werden konnte. Für die Restaurierungsarbeiten am Altar wurde auch Blattgold benötigt, das beschränkt vorhandene Kontigent war aber thüringenweit schon ausgeschöpft. Unter vielen Schwierigkeiten gelang es Pfarrer Ulrich, bei außerkirchlichen Stellen das dringend notwendige Blattgold zu bekommen. Einen Teil erhielt er vom damaligen Direktor des Sommerpalais, Dr. Werner Becker, und einen weiteren Teil vom Steinmetzmeister Schneider aus Elsterberg geliehen. Die ursprünglich für Ostern oder Pfingsten vorgesehene Wiedereinweihung mußte mehrmals verschoben werden, da immer wieder auch unvorhergesehene Arbeiten angefallen waren. Lediglich der Pfingst- und Konfirmationsgottesdienst 1969 fand schon in der Kirche statt, ab Juli 1969 dann alle Gottesdienste, obwohl die Malerarbeiten noch nicht abgeschlossen waren. Die offizielle Einweihung fand am Kirchweihsonntag, dem 9. November 1969 statt. Zehn Tage später konnte der aus der Triebeser Kirche stammende Taufengel abgeholt werden, der nach der Restaurierung in Plauen seit Februar 1970 die Caselwitzer Kirche ziert. Der Innenrenovierung folgten Außenerneuerungsarbeiten, die bis zum Mai 1971 beendet werden konnten. 1974 folgte die Umdeckung des Kirchturmes und die Erneuerung der Turmspitze. Damals fand man im Turmknopf leider keine alten Dokumente. Zum Abschluß der Arbeiten wurden dann einige zeitgeschichtliche Unterlagen eingelegt, die über die umfangreichen Bauarbeiten an der Kirche Auskunft geben und die zahlreichen freiwilligen Helfer beim Namen nennen. Der älteste „Ehrenhelfer” war damals mit 88 Jahren Albert Glück aus Obergrochlitz, der jüngste Helfer Johannes Schilling mit 9 Jahren. Im Sommer 1976 trat Pfarrer Joachim Ulrich nach 40jähriger Amtszeit, 25 ½ Jahre davon in Caselwitz, in den verdienten Ruhestand. Unter seinem Nachfolger Pfarrer Siegfried Göckeritz wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. 1987 malte man die Kirche neu aus. 1990 erhielt sie zunächst Heißluftgeräte, die 1995 durch eine Ölheizung ersetzt wurden. Die baulich größte Aufgabe der letzten Jahre waren die 1992 begonnenen Arbeiten am Kirchturm. „Da die Rüstarbeiten schon im Winter begonnen werden konnten, die Arbeiten selbst jedoch erst mit Beginn des beständigen Wetters, konnte ein großer Schaden abgewendet werden” ist in der Pfarrchronik nachzulesen. Weiter heißt es: „Bei einem Sturm am 21. März gegen 17.30 Uhr brach der Blitzableiter mit der Wetterfahne aus dem Kaiserstiel und blieb im Gerüst hängen... es stellte sich im Laufe der Arbeiten heraus, daß der Aufwand größer war, als angenommen: Die obere Zwiebel mußte eine vollkommen neue Schalung erhalten und neu beschiefert werden. Außerdem mußte ein neuer Kaiserstiel eingesetzt werden, um den Blitzableiter wieder aufsetzen zu können Bei der Abnahme der schadhaften Blechabdeckung und der Längsbalkenverkleidung wurde sichtbar, daß ein Teil der ca. 20x20 cm starken Balken nur noch eine Stärke von ca. 5 cm aufwiesen. Deshalb mußten auch diese ausgewechselt bzw. verstärkt werden. Beim Aufsetzen der Turmspitze wurde zu den Dokumenten von 1974, als die Kugel schon einmal geöffnet war, eine weitere Urkunde eingelegt, dazu Kirchennachrichten der Martin-Luther-Kirche von Januar bis Juli 1992, Fotos vom Öffnen der Kugel und eine kleine Bilddokumentation vom 9. 11. 1989 vom Fall der Berliner Mauer und dem Öffnen der Grenze in Deutschland sowie Geldstücke aus der DDR-Zeit und heute.”
Bis zum heutigen Tag verging kein Jahr, in dem nicht wichtige Erhaltungsarbeiten an der Kirche oder am Pfarrhaus durchgeführt und seit Generationen überlieferte Werte erhalten wurden und neue hinzukamen. Die nunmehr über 275jährige Caselwitzer Kirche ist aber erst in zweiter Linie ein historisches Baudenkmal. Ihr eigentlicher Reichtum war und ist eine aktive Kirchgemeinde, die in diesem Gotteshaus ihr Zuhause hat.

Sven Michael Klein

Anmerkungen und Quellen

  • 1 Vgl. P. R. Beierlein, Geschichte der Stadt und Burg Elsterberg i. V., Bd. II, S: 39 und III, S. 407
  • 2 Beierlein a.a.O., Bd. I, UB Nr. 227
  • 3 6.-10. Jahresbericht des Vereins für Greizer Geschichte (3.Band), Greiz 1904, S.44 f.
  • 4 H.G. Prinz zu Schoenaich-Carolath., Das Landesherrliche Kirchenregiment in Reuß-Greiz. Jena 1938, S.42 ff.
  • 5 Staatsarchiv Greiz (STA) a. Rep. C. II. C. 3. Nr.1
  • 6 Burgker Pfarreien: Möschlitz, Crispendorf, Neundorf, Plothen Remptendorf
  • 7 Dölauer Pfarreien: Fröbersgrün, Dobia, Friesau, und Zoppoten
  • 8 Vgl. Vergangenheit und Gegenwart Nr. 15/1932: Die Filialkirche Caselwitz wird zur Pfarrei erhoben.
  • 9 Vgl. Carolath, a.a.O., S. 44
  • 10 STA a. Rep. C. Kap. II C 3 Nr. 9
  • 11 STA a. Rep. C. Kap. II 4/4 Nr. 7. Der Text des Schulmeisters wurde hier frei übertragen.
  • 12 Reußische Kirchengalerie, Dresden um 1840, Seite 181
  • 13 Größere Glocke, auf Deutsch: „Heilige Dreieinigkeit höre, wenn die Glocke läutet”
  • 14 Kleinere Glocke, auf Deutsch: „Daß deine Ehre gewonnen wird, unser Heil”
  • 15 Vgl. Vergangenheit und Gegenwart 1934, Nr. 11
  • 16 Kirchengalerie, a.a.O., Seite 181
  • 17 Konsistorium - heute noch übliche Bezeichnung für die oberste Leitung einer Landeskirche
  • 18 Pfarrarchiv (PFArchiv) Caselwitz.XV.a1b.
  • 19 Die Inschriften lauten: Große Glocke: Ehre sei Gott in der Höhe, ihm der die Welt gemacht hat und alles trägt mit seinem kräftigen Wort. Die Mittlere: Friede auf Erden, von Ihm, der in Christo war und versöhnte die Welt mit ihm selber. Die Kleine: Den Menschen Wohlgefallen, durch den, welcher wirket in uns das Wollen und Vollbringen.
  • 20 PFArchiv Caselwitz XVI.d. (1881) (Orgelakte). Das elektrische Windgebläse spendete 1932 Dr. Schwarz aus Dölau.
  • 21 PFArchiv Caselwitz XXI.a.S. 24 ff.
  • 22 PFArchiv Caselwitz XXI.b., (Vertrag mit E. Schrenner vom 8. April 1886)
  • 23 PFArchiv Caselwitz XVI.c.1
  • 24 PFArchiv Caselwitz XVI.c.14
  • 25 PFArchiv Caselwitz XVI.f. 1992 wurde ein Schutzglas vor beiden Fenstern angebracht
  • 26 PFArchiv Caselwitz XV.a.
  • 27 Mündliche Nachricht von Pfr. i. R. Joachim Ulrich vom 6. November 1998 an den Autor
  • 28 PFArchiv Caselwitz XV.a.24
  • 29 PFArchiv Caselwitz XVI.i
  • 30 Otto Käppel, Pfarrer in Caselwitz von 1910 bis 1925
  • 31 Nach der Pfarrchronik 1921
  • 32 PFArchiv Caselwitz, Akte 135
  • 33 Vgl. Thüringer Kirchenblatt 1944, S. 106.
  • 34 Deutsche Christen: Es handelt sich dabei im deutschen Protestantismus um eine kirchenpolitische Gruppe, die nach 1933 die evangelische Kirche organisatorisch und ideologisch dem Nationalsozialismus im Dritten Reich anpassen wollte.
  • 35 Hans Ebert, Pfarrer in Caselwitz von 1925 bis 1950.
  • 36 Joachim Ulrich, Pfarrer in Caselwitz von 1951 bis 1976.
  • 37 Anlaß war das 100jährige Bestehen des Pfarramtes Caselwitz.
  • 38 Siegfried Göckeritz, Pfarrer seit 1978 in Caselwitz.
  • 39 Nach Aufzeichnungen der Kirchenchronik 1992.

Einen herzlicher Dank gilt meiner Ehefrau Anette Klein für die Geduld und die Unterstützung während der zeitaufwendigen Recherchen. Dank gilt auch Herrn Pfarrer Siegfried Göckeritz für das Bereitstellen der Quellen.

Greizer Heimatboten Nr. 12/1998 und Nr. 1,2/1999 abgedruckt

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50