Sommerfest 2013

Das Sommerfest in Caselwitz – oder der Rosenstock von Hildesheim
 
Für den Einen oder Anderen wird der Beginn meines Artikels über das Sommerfest in Caselwitz etwas seltsam sein, aber ich werde dies gleich aufklären.
 
Blumen – Botschafter der Freude – unter diesem Motto stand das diesjährige Sommerfest. Ich freute mich wie jedes Jahr und machte mich neugierig auf den Weg. Was wird mich erwarten? Wie wird der Gottesdienst sein? Diese und andere Gedanken beschäftigten mich, als ich am Sonntag nach Caselwitz fuhr.
 
Blumen – Botschafter der Freude – hatten wir nicht schon einmal ein ähnliches Thema zu einem Sommerfest?  Ja, das hatten wir – aber der Gottesdienst in diesem Jahr sollte doch eine ganz andere Wirkung auf mich haben.
 
Als wir in die Kirche kamen, fiel mir  gleich das Rosenbäumchen auf, welches vor dem Altar aufgestellt war. Gelbe Rosen, so dachte ich – die mag ich doch besonders gern. Was wird es mit diesem Bäumchen nur auf sich haben? Ich sollte die Geschichte der Rosen auch bald erfahren.
 
Pfarrer Krause begann die Predigt mit den Worten: Seht die Lilien auf dem Felde – sind sie nicht herrlich gekleidet? Ist nicht jede Blume einzigartig und wunderschön – nur dazu da, dass wir uns an ihr erfreuen dürfen. Sie blühen und duften, als stünden sie gemeinsam in einem Wettstreit, wer denn die Schönste unter ihnen wäre.
 
Hört also auf, jeden Tag danach zu fragen, was ziehe ich heute an oder was werde ich heute essen? Der liebe Gott sorgt jeden Tag für uns in reichem Maße.
 
Nehmen wir eine bunte Sommerwiese, ein Blumenbeet oder auch nur eine einzige Blüte – alles ist ein kleines Wunder für sich. Keine Blüte gleicht der anderen, jede hat einen eigenen Duft, der unsere Seele berührt. Geht es uns nicht gleich viel besser, wenn wir einen wunderschönen Blumenstrauß in den Händen halten, ganz egal, ob wir diesen selbst gepflückt haben oder ob wir ihn von einem lieben Menschen geschenkt bekommen haben. In einem solchen Moment werfen wir alle Sorgen und Nöte fort und erfreuen uns an der Vielfalt der Natur.
 
Machen wir doch gelegentlich unseren Mitmenschen eine Freude, schenken wir Blumen und erhalten wir dafür ein Lächeln.
 
Dann endlich ging es um das Rosenbäumchen. Die Rose – die Königin unter den Blumen. So wird sie genannt. Und es gibt sie in unendlich vielen Farben, Formen und Düften. Ob als Einzelrose, als Heckenrose, als Bäumchen – einfach fantastisch. Selbst Martin Luther war von ihr so angetan, dass er sich die Rose für sein Wappen wählte. Und dieses Wappen ist auch das Siegel der Martin-Luther-Kirche zu Caselwitz. Ich gebe zu, dass ich das nicht mehr gewusst habe – sicherlich haben wir das im Konfirmandenunterricht oder in der Christenlehre gelernt, aber ich entschuldigte mich für mich damit, dass das ja schon recht lange zurück liegt und ich jetzt froh war, dass dieses Wissen wieder aufgefrischt wurde. Ich werde dies nun bestimmt nicht mehr vergessen.
 
Aber nicht nur als wunderschöne Blume ist die Rose zu verwenden, auch in der Medizin als Rosenwasser oder in der Form der Hagebutte, als Tee.    
 
Dann kam Pfarrer Krause zu der Geschichte, die mich seitdem nicht mehr loslässt. Der Rosenstock zu Hildesheim.
 
Ich möchte hier auch die Originalgeschichte dieses Rosenstockes niederschreiben, weil sie mich so unendlich fasziniert.
Der Rosenstock stand Pate für das Hildesheimer Wahrzeichen – die Rose. Er ist eng mit der Gründung von Dom, Bistum und der Stadt Hildesheim im 9. Jahrhundert verbunden und gilt als Garant des Lebens an diesem Ort. Bei einem Bombenangriff im März 1945 während des Zweiten Weltkriegs verbrannte der Rosenstock und lag unter Trümmern begraben.
Wie ein Wunder erschien es den Überlebenden dieser Katastrophe, als die Reste der Rose dennoch neue Triebe entwickelten. Damit bekam das Rosenwunder eine neue Bedeutung, denn darunter verstand man bis dahin nur eine fromme Legende, die bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann.
Im Jahr 815 nahm Kaiser Ludwig der Fromme während einer Reise Quartier in einem Königshof in Aulica (Elze). Von dort brach er mit kleinem Gefolge zur Jagd auf.
Plötzlich tauchte vor den Jägern ein weißer Hirsch auf. Ludwig gab seinem Pferd die Sporen und setzte ihm nach. Inmitten dichter Wälder ging es über Berg und Tal. Ein Flüsschen wurde gar überquert, dann brach des Pferd überanstrengt zusammen und der Hirsch entkam.
Völlig erschöpft und nun mutterseelenallein stieß Ludwig in sein Jagdhorn, ohne ein rettendes Antwortsignal seiner Jagdgenossen zu vernehmen. Da nahm er schließlich sein Brustkreuz mit dem Heiligtum der Mutter Maria, das er ständig bei sich trug, hängte es an die Zweige eines Strauchs, kniete davor nieder, um inbrünstig zu beten. Ermattet schlief er daraufhin ein.
Als er nach Stunden erwachte, sah er verwundert den Platz mit Schnee bedeckt, während sonst alles grünte. Sein Kreuz hing in den Zweigen eines blühenden Rosenstrauchs. Als er es an sich nehmen wollte, wurde es mit aller Kraft festgehalten. Ein Wunder war geschehen.
Da gelobte der Kaiser, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. Gleich darauf hörte er Jagdhörner, sein Gefolge fand ihn schließlich und hörte aus des Kaisers Munde erstaunt von dem Rosenwunder. Ludwig ließ schließlich an jener Stelle ein Kirchlein errichten. Daraus entstand der Hildesheimer Mariendom, an dessen Mauern noch immer der Rosenstrauch wächst.
Ist das nicht einfach eine wunderschöne Geschichte? Was können wir für uns hieraus lernen?
Egal, was uns im Leben auch zustößt, egal, welches Leid und welchen Kummer wir auch tragen müssen, solange unser Herz schlägt gibt es immer einen Grund, dass wir neu beginnen, dass wir weiter machen,  dass wir uns ein Ziel suchen, für welches sich zu leben lohnt. Und es lohnt sich immer, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Auch wenn man manchmal fast verzweifelt, es gibt immer ein Morgen – es wird immer wieder Licht.
Insofern können wir uns mit diesem Rosenstrauch vergleichen, der äußerlich zwar verbrannt war, aber im Innersten lebte und dann neu ausgetrieben hat.
Eine Anmerkung sei mir hier noch erlaubt. Es ist ein Spruch, den ich einmal gelesen habe und der mir sehr viel Kraft gegeben hat.
Ein schwere Zeit ist wie ein dunkles Tor. Gehst Du hindurch, gehst Du gestärkt hervor. Stehst neu vor Gottes Angesicht, wend` sich alles vom Dunkel zum Licht.
Diese Predigt har mir so sehr gefallen, weil ich mir für mich ganz persönlich so viel herausnehmen konnte.
Nach dem Gottesdienst habe ich es mir beim anschließenden Sommerfest noch so richtig gut gehen lassen.
Alles war wie immer so liebevoll hergerichtet und so ansprechend gestaltet – natürlich auch hier mit ganz vielen Blumen. Auf den Tischen lagen überall kleine Rosen, was ganz besonders hübsch aussah.
Ich betrachtete mir zuerst alle Stände, die aufgebaut waren. Was konnte ich hier alles entdecken. Dann war ja für mich auch wieder besonders schön, dass ich so viele Leute kannte, die hier anwesend waren – die meisten davon bereits seit meiner Kindheit. Das berührt mich immer wieder, wenn ich merke, dass ich eigentlich nicht vergessen bin – habe ich doch hier meine Wurzeln, genauso wie dieser Rosenstock. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn sich ein Mensch freut, der einen wieder sieht, wenn man sich nach vielen Jahren begegnet und sich in die Arme nimmt, als wäre es gestern erst gewesen und es lägen nicht Jahrzehnte dazwischen, seit man sich das letzte Mal gesehen hat.
Ich ließ mir Kaffee und Kuchen richtig gut schmecken und nahm mir, wie Jahr, die Roster vom Welzens Jens mit nach Hause.
An dieser Stelle möchte ich allen Helfern ein großes Lob aussprechen und mich hier einmal ganz besonders lieb bedanken. Es war wieder wunderschön.
Als ich mich dann auf den Heimweg machte, habe ich noch einmal angehalten und einen bunten Blumenstrauß am Wegesrand gepflückt – die Hälfte habe ich zu meiner lieben Großmutter ans Grab gebracht – die andere Hälfte habe ich mit nach Hause genommen. Die Blumen stehen jetzt in einem Krug und erinnern mich an einen wunderschönen Nachmittag.  
Ich kann an dieser Stelle nur wieder versichern, dass ich mich schon heute auf das nächste Sommerfest freue und ganz bestimmt dabei sein werde. Ich freue mich schon heute auf diesen Tag.

Mit lieben Grüßen Ute Neidhardt.

Sprechzeiten im Pfarramt

Büro (Verwaltung und Friedhof): Frau Müller
Montag und Dienstag 10:00 Uhr-11:30 Uhr, sowie Donnerstag 15:00 Uhr - 17:00 Uhr

Pfarrer Krause:
Donnerstag: 9.00 Uhr-11.00 Uhr
sowie jederzeit nach Vereinbarung!

Tel.: (03661) 6646
Fax: (03661) 45 52 50